Kaleef: 53rd State of Mind

„Golden Brown“ beschert den Stranglers 1982 ein wohlverdientes Stück vom Big-business-Kuchen. Eine grossartige Band tut das Unerwartete und bringt einen verträumten Popsong mit subtil-ironischem Text heraus. Die Stranglers werden zum Hausnamen für unzählige Dumpfbacken-DJs, die ansonsten lieber Stock-Aitken-Waterman-Zeugs in Serie abnudeln.

Als Kaleef 15 Jahre später ihre Version von „Golden Brown“ auf den Markt bringen, gibt es keine Überraschungen. Die Recycle-Welle war und ist in vollem Gange, und Leichenfledderei wurde schon weitaus intelligenter betrieben. „You’re talking nonsense“, die Anfangszeile der Kaleef-Version, trifft die Sache ziemlich gut. Einen weiteren pseudo-motivierten Rap über böse Drogen und fiese Dealer, wer braucht das?

Allerhöchstens Pete Waterman, ja, genau der, mittlerweile Studiobesitzer in Manchester und Produzent von Kaleef. Er spendierte der Band völlig überflüssigerweise einen Album-Deal (unter dem Namen Kaliphz hatte sie für London Records bereits einen satten Flop vorgelegt), und an dieser Scheibe überrascht nur, mit welcher Unverfrorenheit Kaleef an allen Ecken und Enden abkupfern.

Von 16 Songs basieren 7 auf den Ideen anderer Leute, angefangen beim Titeltrack „53rd state of mind“. Der lebt vom Basslauf des Police-Hits „Walking on the moon“ und dem West-Side-Story-Motto „I wanna be in America“. Irgendwann fällt mir auch noch der Refrain des The-The-Songs „Heartland“ ein, in dem sich Matt Johnson mit dem Thema England als Satellit der USA („This is the 51st state of the U.S.A.“) in einer Form auseinandersetzt, von der Kaleef nicht mal träumen können. Die gerapte Kritik am Big Brother wird aufs schönste widerlegt durch eine Coverversion von Petula Clarks „Downtown“, bei der die Lady im Bunde die drögen Raps mit einer lieblichen Portion Soul versüßt. Tröstet leider nicht über den braven, glattgebügelten Sound und die ewig gleichen Basslines hinweg.

Ein Lichtblick in puncto Sound ist „Trials of life“, doch das Lob geht an die Pretenders als Komponisten von „Brass in Pocket“, auf dem das Kaleef-Teil basiert. Sollte Chrissie Hynde jemals den dümmlichen Text hören, wird sie wohl mit Recht ein paar Tofu-Bällchen in Richtung Kaleef abfeuern.

Auf die Idee, von dieser Band in naher oder ferner Zukunft etwas zu covern, dürfte jedenfalls niemand kommen.

(mo)