Herzlichst Ihr James Last

Ah, die neuen Boxen sind da. Und das erste, was ich über sie höre, ist der „Einsame Hirte“. Denn der ist das erste Stück auf „Herzlichst Ihr James Last“. Welch Offenbarung. Und mit den Ohren gehen mir offenbar auch die Augen auf. Das Stück ist ja von James Last geschrieben! Wow. Fehlt nur noch, dass er auch „Biscaya“ geschrieben hätte, aber das wird nicht passieren.


Also, diese Platte ist optimal, um sie mit neuen Boxen zu hören. Die anderen sicher auch, aber diese ganz besonders. Da nähert sich schon „Wenn sanft das Mondlicht auf den Hügeln schläft“. Im Wettbewerb Wer-hat-den-längsten-Titel liegt James Last damit ganz weit vorn. Das Stück ist nämlich auch von ihm. Eigentlich könnte ich mit diesen Boxen zum ersten Mal seit Jahren auch was leise hören. Ohne dass mir ein Wackelkontakt alles wegbricht. Aber so medium ist doch schöner. Ach, was für schwelgerische Geiger. Und diese zart durchkomponierte Klangkulisse! James Last ist bestimmt der einzige, der süßes Mondlicht, Hügel und einen Marschrhythmus in einem einzigen Lied unterbringt.
Klar, dass das hier mal wieder neu Best of ist. Die schöne, entrückte Kosaken-Patrouille. Und das swingende „House of the rising sun“, in dem es trotz der Streicherkaskaden ganz schön rumort. Mit Wah-Wah-Gitarren und Jazz-Piano. Und auch dieser Take wird noch ganz schön entrückt. Sind das nur meine neuen Boxen? Oder sind hier vor allem Midtempo-Stücke mit weich-gemischtem Chor drauf?
Na sicher. Herzlichst Ihr… da kann er weder mit Party-Gejamme noch mit fröhlichen Mitgröl-Liedern kommen. Das muss schon so´n schleimiges Rumgesäusel sein. Schließlich will er mit dieser Platte nicht nur in den Partykeller der Käufer kommen, sondern ins Wohnzimmer, in Schlafzimmer gar. Ein romantisches Tete à tete zur Musik von James Last? Halt. An dieser Stelle keinen Schritt weiterdenken. Ich glaub, wer James Last im Schlafzimmer hört, der ist da für sich allein. Auch hier bitte keinen Schritt weiterdenken.
Oh je, was hat er nur mit dem tranigen „Hey Jude“ gemacht? Das gehört ja bei den Beatles schon nicht zu den Glanzleistungen. Und hier kommen noch Buttercreme rein und eine Tonne Zuckerguss drauf… Allerdings: bei der „Love Story“ passt´s. Die hat´s nicht anders verdient. Klingt aber auch gut damit.
Hui, die zweite Seite beginnt mit „Happy music“. Das kennen jüngere Leute als fröhliche Unterlegmusik von TV Total-Filmchen. Ist typisch James Last. Ein Lied, fast nur aus einer Fanfare bestehend. Er könnte noch ein bisschen mehr Gas geben. Das Ding schreit doch nach ´ner durchgeknallten Thrash-Einspielung. Aber bitte. Schade, dass „Happy music“ nie eine Fernsehmusik war. Es hätte so schön gepasst. Für eine erste, lustige deutsche Daily-Soap. Mit Hildegard Krekel, der junge Jutta Speidel und – Wolfgang Kieling. Ja, Wolfgang Kieling. Ich finde, Wolfgang Kieling hat in seinem kurzen Leben zuwenig Daily-Soaps gedreht.
Ein paar spanische Sachen sind auch noch drauf, auf der Platte. Die könnten auch noch mehr fetzen, wenn´s nach mir ginge. Kann sich das gesamte James Last-Orchester bitte noch mal im Studio einfinden? Nein, „Granada“ ist genau richtig geworden, so zart treibend. Und „Guantanamera“ – einfach super. Üppig instrumentiert und unter der ruhigen Oberfläche ziemlich quirlig. Die „Ballade pour Adeline“ verträgt auch 20-tausend Streicher. Und die „Schiwago-Melodie“ ebenfalls. Was will man mehr?