Tocotronic: Kapitulation – Live

Als Dirk von Lowtzow das Konzert wie ein in die Jahre gekommener Entertainer mit „Hallo Hamburg, wunderschön wieder hier zu sein und mit euch den Abend zu verbringen“ eröffnet, ertönt deutlich vernehmbar der Zwischenruf „Lüge“ aus dem Publikum. Diese Szene beschreibt recht gut die Nische aus Selbstironie und Ernsthaftigkeit, in der sich Tocotronic eingenistet haben.

Kurz gesagt machen sie mit ihrem ersten ‚richtigen‘ Live-Album absolut gar nichts falsch. Fast alle Songs von „Kapitulation“ kommen zum Zug und werden mit Klassikern wie „Freiburg“ abgeschmeckt. Der Sound ist ungeschliffen, als wäre der Auftritt vor rund fünfzehn Jahren mitgeschnitten worden und der ’neue‘ Gitarrist Rick McPhail macht mit seinem ruppigen Spiel einen so großartigen Job, dass man ihm permanent auf die Schulter klopfen will. Allein die singende Gitarre in „Imitationen“ lohnt schon die Anschaffung der Platte.

Selbst wer sein Hirn für die Texte von Dirk von Lowtzow nicht einschalten möchte, hört hier eine Band, die so unverschämt locker spielt, dass niemand ernsthaft von Diskurs-Pop oder ähnlichem faseln kann. Es ringt mir gleichermaßen Ver- und Bewunderung ab, wie wichtig Tocotronic noch immer sind.

(dmm)

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