Carus Thompson: Creature Of Habit

Wie macht der das bloß? Schüttelt scheinbar ohne Mühe immer wieder Ohrwurm-Melodien aus dem Ärmel, als ginge das so einfach. Nach dem letzten regulären Studioalbum mit Band (→ zur Hinternet-Rezension) und einem Coveralbum geht der australische Singer/Songwriter (Jahrgang 1976) Solowege. Gleichwohl stehen ihm Produzent Greg Arnold als Multiinstrumentalist (Gitarren, Keyboards, Ukele und anderes ausgefallenes „Spielzeug“) sowie Brad Jones (Bass) und Ian Kitney (Schlagzeug) zur Seite. Die beiden letzteren halten sich in der Regel dezent zurück.

Grundsätzlich sind die zehn Songs recht sparsam instrumentiert, aber auch „bedarfsgerecht“ arrangiert. In „Long Time“, einem flotten Popsong, bei dem Trompeten, Geige und Viola zum Einsatz kommen, weicht Carus von seiner Linie ab. Ansonsten vertrauen er und Arnold vor allem auf Gitarren und Mandoline, hin und wieder mit dezenten Orgelschnipsel unterlegt oder durch Mundharmonika und Waldhorn (z. B. im Titelsong) „gebrochen“.

Natürlich packt den Hörer auch die mal zarte, mal expressive Stimme des sympathischen Barden, der inhaltlich vorwiegend Liebeslust und Liebesleid, Beziehungskisten ganz allgemein, thematisiert. Schon der Opener „For The Rest Of My Life“ ist im besten Sinne sentimental, die lyrics wirken aber eben – wie bei den anderen Songs und Balladen auch – nie peinlich. Nicht wenige Songs erinnern in ihrer Struktur an die kompositorische Handschrift eines Ronnie Lane: Roots Rock mit intensiven Anleihen bei Country & Folk.

Dass man Carus möglichst auch live erleben sollte, dokumentiert die Bonus-CD „Live At Tube Temple Studios“, ein Mitschnitt eines Solo-Gigs in Solingen (Juni 2008). Unglaublich, wie präsent, wie enthusiastisch und energiegeladen ein Singer/Songwriter doch sein kann!

(rs)

Website: www.carus.com.au