Nicolette: No Government

Talking Loud veröffentlichen wieder interessante Sachen, und „No Government“ killt Dich mit einem verführerischen Lächeln. Der Sound führt vorbei an Electro, Jungle, Jazz, HipHop und Dub, ohne diese für sich zu vereinnahmen. Immerhin ist Nicolette inzwischen über dreißig (31) und möchte daher eine Meta-Position einnehmen, was Pop-Untergründe betrifft.
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Camping – Maritime Strick und Regenmoden

„Ich weiss nicht wohin ich will oder wonach ich mich sehne,
ich hab viel zu wenig Zeit und viel zu viele Probleme“

(„Unterwegs“).

CDs mit Autos auf dem Cover… Womit eigentlich alles gesagt wäre, aber…

…der Reihe nach: Die Zeiten, da deutsche Texte in der Rock- und Popmusik eher selten waren sind längst vorbei. Dennoch scheint die Verwendung deutscher Texte weiterhin sehr trendabhängig zu sein. Kaum hat eine Hip Hop Band Erfolg mit deutschen Texten, gründen sich an allen Ecken und Enden Hip Hop Bands, die dem Englischen abgeschworen haben. Umso erfreulicher, daß es auch eher untypische deutschsprachige Musik gibt, wie z.B. die Debut-CD einer Band namens Camping, die den noch viel unytpischeren Titel „Maritime Strick- und Regenmoden“ trägt; musikalisch aber eher durch spröden Charme als durch Obskurität glänzt.

„Maritime Strick- und Regenmoden“ ist die CD einer kleinen Band, die wohl nie groß rauskommen wird. Zu unspektakulär ist die Campingmusik, die sich so gar nicht an den gängigen Trends orientiert. Konkret heißt das: Popmusik der ruhigen, entspannten Art mit viel akustischer Gitarre und Streichern, ohne Schlagzeug, dafür mit gelegentlichem Einsatz eher exotischer Instrumente (Klarinette!). Das Presseinfo verweist auf Bernd Begemann und DIE ANTWORT und Menschen, die sich damit besser auskennen als ich, bestätigen das.

Naturgemäß stehen bei einer deutschsprachigen Band die Texte mehr im Mittelpunkt des Interesses als bei englisch singenden. Was bei CAMPING dabei besonders beeindruckt ist die Art mit der simple Alltagsdinge (viel Zwischenmenschliches, wen wundert´s?) in Texte gepackt werden, die sich nicht verbiegen müssen, sondern so nah wie möglich an der Alltagssprache bleiben. Henning Fritzenwalders schnoddrig-relaxter Gesang gibt dazu den teils witzigen, teils melancholischen Texten eine Beiläufigkeit, die den Liedern sehr gut tut.

Und überhaupt! Wer kann schon einer CD widerstehen, auf deren Cover ein alter Käfer (noch dazu mit Surfbrett) abgebildet ist? Eben!

(wm)

Ted Hawkins, der ewige Straßenmusiker

„Ich war schon viele Male tot, aber ich war einfach zu stur, um liegen zu bleiben.“
(Ted Hawkins – zu Lebzeiten)

Seine Musik, eine Mischung aus Blues, Soul und Country, war vor allem geprägt durch seine rauhe, stark an sein großes Vorbild Sam Cooke erinnernde, Stimme und eine Ausdrucksstärke in der sich wohl all die Niederlagen und Nackenschläge seines Lebens widerspiegelten.

Foto Ted HawkinsHawkins wurde am 28. Oktober 1936 in Lakeshore, Mississippi geboren. Er wuchs in äußerst ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater machte sich früh davon, seine Mutter war Alkoholikerin. Mit 12 Jahren kam er in eine Besserungsanstalt. Das Beste was ihm dort widerfuhr war wohl ein Besuch der New Orleans Legende Professor Longhair, ein Besuch, der in Hawkins die Liebe zur Musik weckte. Im Alter von 15 Jahren wurde er in die berüchtigte Parchman Farm State Strafanstalt in Mississippi eingewiesen, weil er eine Lederjacke aus einem Harley-Davidson Laden gestohlen hatte.

„Ich ging direkt in die Hölle“, erinnerte sich Hawkins später an die folgenden drei Jahre. Nach seiner Entlassung führte Hawkins ein unstetes Leben. Er zog im Osten der USA von Stadt zu Stadt, zumeist als blinder Passagier auf irgendwelchen Frachtzügen. Erst 1966 war er in der Lage , ein Zugticket zu bezahlen, daß ihn ihn endlich dorthin brachte „wo ich nicht frieren mußte“. Der Ort war Los Angeles, wo Hawkins in den folgenden Jahren den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als Straßenmusiker verdiente.

Als 1982 seine erste LP „Watch Your Step“ erschien steckte Hawkins selbst wieder mal im Knast wegen Diebstahls („Wenn du arm bist, dann mußt du stehlen“). Bekannter in Europa wurde Hawkins erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Andy Kershaw von der BBC hatte ihn zu einigen Sessions eingeladen, Hawkins spielte u.a. auf dem Montreux Jazz Festival, das holländische Munich Label veröffentlichte zwei Platten mit Coverversionen (On The Boardwalk – The Venice Beach Tapes Vol I+II“ und das englische PT-Label veröffentlichte eine in Bandbesetzung eingespielte Platte.

1994 wurde sein erfolgreichstes Jahr. Im März veröffentlichte er „The Next Hundred Years“, seine erste Veröffentlichung auf einem Majorlabel (produziert von Tony Berg.) und tourte u.a. durch Australien, wo er sehr herzlich aufgenommen wurde und einen Top20 Hit hatte.

Am 29. Dezember 1994 erlitt er einen Schlaganfall und starb am Neujahrstag 1995 ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Er hinterließ eine Frau und fünf Kinder.

 

(wm)

 

 

Ted Hawkins, der ewige Straßenmusiker

„Ich war schon viele Male tot, aber ich war einfach zu stur, um liegen zu bleiben.“
(Ted Hawkins – zu Lebzeiten)

Seine Musik, eine Mischung aus Blues, Soul und Country, war vor allem geprägt durch seine rauhe, stark an sein großes Vorbild Sam Cooke erinnernde, Stimme und eine Ausdrucksstärke in der sich wohl all die Niederlagen und Nackenschläge seines Lebens widerspiegelten.

Hawkins wurde am 28. Oktober 1936 in Lakeshore, Mississippi geboren. Er wuchs in äußerst ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater machte sich früh davon, seine Mutter war Alkoholikerin. Mit 12 Jahren kam er in eine Besserungsanstalt. Das Beste was ihm dort widerfuhr war wohl ein Besuch der New Orleans Legende Professor Longhair, ein Besuch, der in Hawkins die Liebe zur Musik weckte. Im Alter von 15 Jahren wurde er in die berüchtigte Parchman Farm State Strafanstalt in Mississippi eingewiesen, weil er eine Lederjacke aus einem Harley-Davidson Laden gestohlen hatte.

„Ich ging direkt in die Hölle“, erinnerte sich Hawkins später an die folgenden drei Jahre. Nach seiner Entlassung führte Hawkins ein unstetes Leben. Er zog im Osten der USA von Stadt zu Stadt, zumeist als blinder Passagier auf irgendwelchen Frachtzügen. Erst 1966 war er in der Lage , ein Zugticket zu bezahlen, daß ihn ihn endlich dorthin brachte „wo ich nicht frieren mußte“. Der Ort war Los Angeles, wo Hawkins in den folgenden Jahren den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als Straßenmusiker verdiente.

Als 1982 seine erste LP „Watch Your Step“ erschien steckte Hawkins selbst wieder mal im Knast wegen Diebstahls. „Wenn du arm bist, dann mußt du stehlen“. Bekannter in Europa wurde Hawkins erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Andy Kershaw von der BBC hatte ihn zu einigen Sessions eingeladen, Hawkins spielte u.a. auf dem Montreux Jazz Festival, das holländische Munich Label veröffentlichte zwei Platten mit Coverversionen (On The Boardwalk – The Venice Beach Tapes Vol I+II“ und das englische PT-Label veröffentlichte eine in Bandbesetzung eingespielte Platte.

1994 wurde sein erfolgreichstes Jahr. Im März veröffentlichte er „The Next Hundred Years“, seine erste Veröffentlichung auf einem Majorlabel (produziert von Tony Berg) und tourte u.a. durch Australien, wo er sehr herzlich aufgenommen wurde und einen Top20 Hit hatte.

Am 29. Dezember 1994 erlitt er einen Schlaganfall und starb am Neujahrstag 1995 ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Er hinterließ eine Frau und fünf Kinder.

Diskografie:

„Watch Your Step“ (1982), Rounder
„Happy Hour“ (1986), Rounder
„On The Boardwalk – The Venice Beach Tapes Vol. I“ (1986), Munich
„On The Boardwalk – The Venice Beach Tapes Vol. II“ (1986), Munich
„I Love You, too“ (1989), PT
„The Next Hundred Years“ (1994)

Stadtlandschaft

Wenn bei der Wohnungsbesichtigung das Wort „Stadtlandschaft“ fällt, ist es der richtige Zeitpunkt, zu gehen. Oder den Vermieter zu bitten, die Rolläden der Fenster hochzuziehen und einen Blick nach draußen zu gestatten. Nur, um die schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu sehen…

Stadtlandschaft hieß früher mal Betonwüste. Vertikal gewachsene Betonwüste. Oben mit schlecht imitierter Skyline abschließend, unten dunklen Hinterhöfen Grenzen setzend.

Landschaft ist das, was der Vermieter vor dem Fenster hat. Ihre natürliche Farbe ist grün. Stadtlandschaft ist das, was Ihr nach der Unterschrift vor dem Fenster habt. Ihre natürliche Farbe ist grau. Ein Lächeln ist das, was Eure Freunde im Gesicht haben, wenn ihr glücksstrahlend eure Stadtlandschaft preist. Die Botschaft des Lächelns ist Mitleid.

Gartenkralle

Würde die Werbewirtschaft eine „Goldene Himbeere“ verleihen – die Täufer der Gartenkralle würden sie einheimsen. Für den gräßlichsten Produktnamen aller Zeiten.

Die Gartenkralle. Lange Schatten werfend, näherte sie sich dem Liegestuhl von hinten. Lautlos verschluckte sie erst den Campingtisch mit dem Erdbeerschälchen, dann den arglos seinen Feierabend genießenden Doktor Zimperl, und am Ende die gesamte Schrebergartenkolonie. – So vielleicht?

Oder so: Die Gartenkralle. Niemand sah dem unscheinbaren Stahl-Instrument an, dass ein Fluch auf ihm lag. Ganze Generationen hatten sich das rostige Knäuel weitergereicht. Aber Elfriede Heckmann war die erste, die damit bei Vollmond in ihr Gärtchen ging. Ein greller Blitz war der Auftakt, bevor sich die Kralle in die Erde wühlte, immer tiefer hinein. Nichts konnte sie stoppen. Bis zum ersten Sonnenstrahl grub und hexelte sie alles um, was ihr in den Weg kam…

Oder vielleicht auch so: Die Gartenkralle. Ein riesiges behaartes Bein war das erste, was von ihr ans Tageslicht drang. Elf weitere sollten folgen. Dazwischen ein wuchtiger Panzer mit echsenhaftem Kopf. Der Himmel verdunkelte sich, die Kinder nahmen Reißaus…

Ja, so vielleicht. Die Gartenkralle. Ein unschuldiges Gartenwerkzeug. Gestraft mit einem furchtbaren Namen.

Liebficken

Das alte Urs-Jenny-Prinzip – fast zwanzig Jahre danach lacht es einen aus den Charts an. Funktioniert also immer noch. Wenn auch zur Unkenntlichkeit verstümmelt und mit Clearasil verwässert. Nur das Aussehen der Band und das Ausmaß ihrer kreativen Tiefstapelei erreichen noch annähernd das Schockniveau vom „Babyficker“. weiterlesen

selber

Ja, es ist wieder so weit: „Erdbeeren zum selber Pflücken“. Ich versuche immer, wenn ich an besagtem Feld vorbeifahre, das schreckliche, inzwischen vom Duden legitimierte, Wort „Selber“ zu übersehen. Hilft nichts, bei uns gibt es sogar „Spargel zum selber Stechen“. Was kommt als Nächstes? Baumwolle? Zum Pulli selber Machen? Deutschland, das Convenience-Volk, macht es sich wieder selber. weiterlesen