Schöner als Franjo Poth?

Die Deutschen sind bei ein paar bösen Sachen erwischt worden, dafür gabs für den Patriotismus ein paar Jahre Stubenarrest im Unterbewusstsein, der uns eine ganze Reihe unschöner Heimatfilme, Blaskapellen und Heino beschert hat. So sehen Neurosen aus.

Frédéric Valin im Spreeblick über die Deutschlandfahne und → unverkrampften Patriotismus

Kissen mit Nationalgefühl

Alle Jahre wieder

Puh, RTL & Co, da weht Euch aber der amtskatholische Zornesatem direkt ins Gesicht. Einige Bischöfe haben in ihre Fernsehzeitschrift geschaut und waren nicht amüsiert wie der Spiegel zu berichten weiß.

Für den neuen Münchner Erzbischof Reinhard Marx sind derartige Actionthriller zu Ostern nicht akzeptabel: „Ich schaue mir so etwas nicht an“, erklärte er mit Blick auf Filme wie „Sudden Death“ oder „Stirb langsam“ am Karfreitag.

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Charlie Hart: Grooves And Roots (Reloaded)

Eine gute Idee und eine löbliche dazu: Die Wiederveröffentlichung des 2004 auf einem englischen Kleinstlabel erschienenen Soloalbums (mit dem von den Wiener Loop Doctors remixten Opener „Don’t Fix It“ als finalem Bonustrack).

Gleich die ersten fünf Tracks dieser Compilation werfen den (voreingenommenen) Hörer leicht aus der Bahn: Was’n das??? Mit dem Fiddler und Akkordeonisten Charlie Hart assoziiert man in der Regel Pubrock, Blues, Folk und World Music. Doch diese 2001 produzierten Instrumentals gehen glatt in Richtung Drum’n’Bass!!! Sofern ich, als Laie, das überhaupt als solch „moderne“ Musik korrekt einordnen kann. Jedenfalls nix da mit vertrauter Roots Music – aber es belegt auch, dass Charlie eben offen für alles Mögliche (im wahrsten Sinne des Wortes) ist.
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A Fine Frenzy: One Cell In The Sea

Das Debütalbum von A Fine Frenzy ist eine gute Gelegenheit, um die Namen einiger zu wenig beachteter Künstlerinnen in die Runde zu schmeißen. „One Cell In The Sea“ ist der gut verdauliche Querschnitt aus Over The Rhine, Terami Hirsh und Kristin Hoffmann und präsentiert mit Alison Sudol eine Pianistin und Sängerin, die so viel Potenzial mitbringt, dass man ihr zutraut, sich langfristig durchzusetzen.
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K.D. Lang: Watershed

Obwohl K.D. Lang erst 46 ist, geht es einem schon ähnlich wie bei Joni Mitchell: Nach jahrelanger Funkstille freut man sich geradezu ekstatisch über ein neues Album und ist eigentlich schon zufrieden, wenn es die Damen annähernd so gut machen, wie man es von ihnen gewohnt ist. K.D. Lang brilliert wie eh und je mit ihrer Stimme, die fein zwischen Intimität und distanzierter Arroganz balanciert.
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Ton: Wie haben die Zeit sie uns zu nehmen

Die Band Ton wohnt im Grenzland neben Jupiter Jones, Schulze und Voltaire und auf der anderen Seite des Zauns leben Pur und Konsorten. Was diese Grenzlinie unüberwindbar macht ist die Unbeirrbarkeit, mit der das Trio musiziert. Hier fehlt klar erkennbar der Wille, eine Herz-Schmerz-Ballade in einer Vorabendserie von Pro7 zu platzieren. Stattdessen regiert der Wille nach gefühlvollen deutschen Texten und großen Melodien ohne als Schlagerfuzzis abgestempelt zu werden.
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Tocotronic: Kapitulation – Live

Als Dirk von Lowtzow das Konzert wie ein in die Jahre gekommener Entertainer mit „Hallo Hamburg, wunderschön wieder hier zu sein und mit euch den Abend zu verbringen“ eröffnet, ertönt deutlich vernehmbar der Zwischenruf „Lüge“ aus dem Publikum. Diese Szene beschreibt recht gut die Nische aus Selbstironie und Ernsthaftigkeit, in der sich Tocotronic eingenistet haben.
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Kinski, übernehmen Sie!

In der Süddeutschen von heute zu lesen (aus Anlass der – auch gefühlt – tausendsten Sendung von Johannes B. Kerner):

Bald wird Johannes B. Kerner, 43, die Leitung seiner Kochsendung (Freitagabend) abgeben. Es mache ihm keinen Spaß, immer dieselben Fragen zu stellen. Und wenn nur einmal die Schauspielerin Nastassja Kinski in seine Talkshow komme, dann würde er aufhören. Sagt Kerner.

Kerner

Stöckchenspringer

Das scheint eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit zu sein, dass nach solchen Entgleisungen wie der von DJ Tomekk ein gemeinsamer öffentlicher Wettlauf beginnt, mit dem sich möglichst viele Leute so lächerlich zu machen versuchen, dass die auslösende Dummheit dagegen fast verblasst.

Stefan Niggemeier in seinem Blog über die → Höchststrafe für DJ Tomekk

Und dann kommt, unvermeidbar wie eine Lawine – Michel Friedman.

Ivo Stourton: Die Nachtgänger

Ich habe fast zeitgleich „Schilf“ von Juli Zeh und Ivo Stourtons „Die Nachtgänger“ gelesen. Danach ist man bis ans Lebensende mit Metaphern ausgestattet und hat für nahezu jede Alltagsbegebenheit eine blumige Beschreibung parat. Wie immer liegt es in erster Linie am Leser selbst, wie geduldig er diese Bildersprache erträgt. „Die Nachtgänger“ ist Ivo Stourtons Debüt und fällt nicht nur durch seine Metaphern auf. Kurz gesagt ist der Roman fast so gut wie „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Der Handlungsrahmen ist ähnlich, aber man fragt sich, wo dieses Kerlchen (*1982) die Lebensweisheit und Erfahrung geborgt hat, die durch sein erstes Buch schimmert.
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