Verantwortungslose Kampagne

Das Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft’ nimmt in einer Presseerklärung Stellung zur fleissigen Lobbyarbeit der Initiatoren des „Heidelberger Appells„:

Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ hat mit Bedauern und Sorge zur Kenntnis genommen, dass die für die Heidelberger Erklärung Verantwortlichen (Referenz dazu am Ende) ihre verantwortungslose Kampagne fortsetzen und sich nun auch direkt an die Bundeskanzlerin gewandt haben, damit diese sich für „Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte“ (so im Titel der Erklärung) einsetze.

Ein solcher Appell wäre an sich sicher in Ordnung, wenn nicht, so der Sprecher des Aktionsbündnisses Prof. Rainer Kuhlen, in der Heidelberger Erklärung ein rückwärts gerichtetes und pur individualistisches Verständnis von Freiheit und Rechten deutlich würde, das an den rechts-konservativen Bund Freiheit der Wissenschaft aus den 70er Jahren erinnert.

Die gesamte Presserklärung: →Für ein vorwärts, nicht rückwärts gerichtetes Urheberrecht

Der Traum der Aufklärung

Wir müssen mitstreiten, uns einmischen und die Rechte der Öffentlichkeit zurückerobern. Mit „wir“ meine ich uns, das Volk, das die Verfassung geschaffen hat und das den aufklärerischen Grundsätzen, die dabei Pate standen, in der Alltagsrealität der Informationsgesellschaft zur Geltung verhelfen sollte. Gewiss, digitalisieren müssen wir. Aber wichtiger noch: Wir müssen auch demokratisieren.

Robert Darnton, Leiter der Universitätsbibliothek von Harvard in Le Monde diplomatique über Segen und mögliche Gefahren des Buchdigitalisierungsprojekts von Google: →Im Besitz des Wissens.

Rockterrine: So schmeckt Rock’n’Roll!

Katrin Lauter, auch Kaddi genannt, Simone Voigt alias Uschi und Samaneh Parvin Zamir sind die Protagonistinnen hinter der Rockterrine. Die Drei kochen seit 2003 im Großraum Trier für Musiker bzw. Bands. Was seinerzeit im Exhaus in Trier anfing (genauer gesagt 1995 in Person von Kaddi) passiert mittlerweile auch schon mal in der Rockhal im luxemburgischen Esch-sur-Alzette oder bei Open Airs am Losheimer Stausee. Was genau die Rockterrine den Musikern auftischt, das ist in dem Buch „Rockterrine: So schmeckt Rock’n’Roll“ nachzulesen.
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Ivo Stourton: Die Nachtgänger

Ich habe fast zeitgleich „Schilf“ von Juli Zeh und Ivo Stourtons „Die Nachtgänger“ gelesen. Danach ist man bis ans Lebensende mit Metaphern ausgestattet und hat für nahezu jede Alltagsbegebenheit eine blumige Beschreibung parat. Wie immer liegt es in erster Linie am Leser selbst, wie geduldig er diese Bildersprache erträgt. „Die Nachtgänger“ ist Ivo Stourtons Debüt und fällt nicht nur durch seine Metaphern auf. Kurz gesagt ist der Roman fast so gut wie „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Der Handlungsrahmen ist ähnlich, aber man fragt sich, wo dieses Kerlchen (*1982) die Lebensweisheit und Erfahrung geborgt hat, die durch sein erstes Buch schimmert.
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Jackie O. Der Fan und sein Star

Würden alle Bücher nur von den wichtigen Dingen des Lebens handeln, wären die meisten nie geschrieben worden – dabei sind die überflüssigsten oft die besten!

So überflüssig wie lesenswert ist die mit zweijähriger Verzögerung erschienene deutsche Ausgabe von "Jackie O. Der Fan und sein Star", ein Werk des Amerikaners Wayne Koestenbaum, nebenbei Dozent für englische Literatur, hauptsächlich aber glühender Jackie-Verehrer! "Jackie" meint natürlich Jacqueline Kennedy Onassis, die mit Marge Simpson übrigens den Mädchennamen "Bouvier" teilt.

Das war´s dann aber auch schon an Gemeinsamkeiten, denn während Marge auf ein stupides Hausfrauendasein im Kreise ihrer debilen Familie zusteuerte, heiratete die junge amerikanische Fotoreporterin französischer Abstammung einen aufstrebenden demokratischen Senator, wurde bald darauf First Lady der USA und ebenso schnell Witwe, heiratete einen häßlichen, griechischen Milliardär, wurde wiederum Witwe und arbeitete bis zu ihrem Krebstod 1994 in New York als Lektorin. Noch Fragen? Vielleicht nach Hinterlassenschaften, überlieferten Statements, einem Werk? Fehlanzeige! Frauen wie Jackie, Lady Di oder Cindy Crawford verewigen sich nicht durch "Werke" (ich vergaß: Cindys Schminkbuch…), und speziell Jackie verfügte zudem weder über weibliche Rundungen noch über ein Model-Gesicht. Sie sprach mit atemloser, dünner, kaum hörbarer Stimme und setzte sich auch sonst nicht sonderlich spektakulär in Szene – trotzdem gilt sie als Ikone des 20. Jahrhunderts, verehrt von zahlreichen Fans, die sich ihrer Unsterblichkeit vor allem in den Artikeln der Yellow Press versichern.

Ob zu Lebzeiten oder posthum, die Boulevard-Berichterstattung über Jackie Kennedy stellt die wichtigste Quelle Koestenbaums dar, die er zweifellos wissenschaftlich auslegt, aber dabei das Vergnügen nicht zu kurz kommen läßt. Durch seine Augen betrachtet werden die ach so trivialen Texte zu beredten kulturellen Orakeln – und das völlig zu recht, denn sie haben kräftig teil an der Gestaltung moderner Mythen und brennen sich vor allem kraft ihrer Visualität nolens volens tief in das kollektive Gedächtnis ihrer Zeitgenossen, nicht etwa nur der Leserschaft!

Koestenbaum durchleuchtet den Mythos "Jackie" perfekt, geht dem Geheimnis der cape-artigen Frisur auf den Grund, den Pillbox-Hüten, der späteren Sonnenbrillen-und-Kopftuch-Camouflage, der knochigen, mageren Figur mit den hervortretenden Schlüsselbeinen in Kleidern mit Bateau-Ausschnitt etc. Er geht Jackies fast magischer fotografischer Präsenz auf den Grund, erforscht den Anschein permanenten Vorwärtsstrebens, den verblüfften, erstaunten Ausdruck ihres Gesichts, und er stellt sie ihrem zeitgenössischen Gegenpol, der "Schlampe" Liz Taylor gegenüber. In diesen Ruf sollte allerdings auch Jackie noch kommen, als sie für die Amerikaner mit der Onassis-Hochzeit 1968 von der Heiligen zur Hure wurde.

Sie läßt sich mit all ihren Widersprüchen einfach nicht auf einen Nenner bringen -wie auch immer, sie bleibt die einzige Königin Amerikas und die Schutzpatronin aller Kaufsüchtigen! Überhaupt, welche Frau träumt nicht davon, erst mit dem mächtigsten und dann mit dem reichsten Mann der Welt verheiratet zu sein; und wenn schon betrogen, dann wenigstens mit Marilyn Monroe, um dafür aber der großen Callas den Mann wegzuschnappen! Nach fast 350 Seiten und insgesamt 40 Kapiteln fühlt man in der Tat "Jackie under my skin", so der Orignaltitel des heißesten Buchtips des Sommers!!!

(Katja Preissner)