Julian Dawson: Deep Rain

Er hat einfach ein Händchen für feine, wohl(fühl)ige Songs, ohne in die Schmalzkiste abzugleiten. Die Melodien gehen schnell ins Ohr, bleiben auch haften, und trotzdem hört man sich nicht gleich satt davon. Beispiele gibt es auf dem vorwiegend aus Eigenkompositionen bestehenden Album etliche – als da wären „Girl Friday“, „That’s Why God Made Saturday“ Night“ oder der Opener und Titelsong „Deep Rain“. Letzterer gibt auch ein bisschen die inhaltliche Richtung vor.
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Charlie Hart: Grooves And Roots (Reloaded)

Eine gute Idee und eine löbliche dazu: Die Wiederveröffentlichung des 2004 auf einem englischen Kleinstlabel erschienenen Soloalbums (mit dem von den Wiener Loop Doctors remixten Opener „Don’t Fix It“ als finalem Bonustrack).

Gleich die ersten fünf Tracks dieser Compilation werfen den (voreingenommenen) Hörer leicht aus der Bahn: Was’n das??? Mit dem Fiddler und Akkordeonisten Charlie Hart assoziiert man in der Regel Pubrock, Blues, Folk und World Music. Doch diese 2001 produzierten Instrumentals gehen glatt in Richtung Drum’n’Bass!!! Sofern ich, als Laie, das überhaupt als solch „moderne“ Musik korrekt einordnen kann. Jedenfalls nix da mit vertrauter Roots Music – aber es belegt auch, dass Charlie eben offen für alles Mögliche (im wahrsten Sinne des Wortes) ist.
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A Fine Frenzy: One Cell In The Sea

Das Debütalbum von A Fine Frenzy ist eine gute Gelegenheit, um die Namen einiger zu wenig beachteter Künstlerinnen in die Runde zu schmeißen. „One Cell In The Sea“ ist der gut verdauliche Querschnitt aus Over The Rhine, Terami Hirsh und Kristin Hoffmann und präsentiert mit Alison Sudol eine Pianistin und Sängerin, die so viel Potenzial mitbringt, dass man ihr zutraut, sich langfristig durchzusetzen.
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Ton: Wie haben die Zeit sie uns zu nehmen

Die Band Ton wohnt im Grenzland neben Jupiter Jones, Schulze und Voltaire und auf der anderen Seite des Zauns leben Pur und Konsorten. Was diese Grenzlinie unüberwindbar macht ist die Unbeirrbarkeit, mit der das Trio musiziert. Hier fehlt klar erkennbar der Wille, eine Herz-Schmerz-Ballade in einer Vorabendserie von Pro7 zu platzieren. Stattdessen regiert der Wille nach gefühlvollen deutschen Texten und großen Melodien ohne als Schlagerfuzzis abgestempelt zu werden.
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Tocotronic: Kapitulation – Live

Als Dirk von Lowtzow das Konzert wie ein in die Jahre gekommener Entertainer mit „Hallo Hamburg, wunderschön wieder hier zu sein und mit euch den Abend zu verbringen“ eröffnet, ertönt deutlich vernehmbar der Zwischenruf „Lüge“ aus dem Publikum. Diese Szene beschreibt recht gut die Nische aus Selbstironie und Ernsthaftigkeit, in der sich Tocotronic eingenistet haben.
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Favez: Bigger Mountains, Higher Flags

Vakante Posten in einer Rockband mit gleich zwei Tastenspielern zu besetzen ist mit Sicherheit eine interessante Variante. In diesem Fall führt sie dazu, dass Favez zwar weniger gitarrenlastig sind, aber fantastische Songs geschrieben haben. Die Schweizer bewahren ihre Trademarks, schaffen aber mit „Bigger Mountains, Higher Flags“ den Schritt zur Adoleszenz, der kurioserweise im Springsteen-Gestus mündet und mehr als einmal an US-Stadien denken lässt.
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The Killers: Sawdust (The Rarities)

Es ist ja schon fast eine Hygienefrage, ob man es gut finden kann, dass Lou Reed mit The Killers einen Song aufgenommen hat. Wer sich aber von dieser ‚Das geht ja gar nicht‘-Attitüde nicht beeindrucken lässt, entdeckt einen großartigen Song, der wahrscheinlich zum Tiefsten gehört, was die junge Band aus Las Vegas bisher produziert hat. „Sawdust“ ist eine B-Seiten- und Raritätensammlung, die neben der erwähnten Single „Tranquilize“ noch drei weitere unveröffentlichte Titel enthält und ansonsten The Killers von einer dreckigeren und unfertigeren Seite zeigt als zuletzt auf „Sam’s Town“ (2006).
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Justin Currie: What Is Love For

„Can You Do Me Good“ (2002), das letzte Album von Del Amitri, war so mau, dass man kaum den Willen aufbringen konnte, die an sich großartige schottische Band zu vermissen. Deren Sänger Justin Currie ist jetzt wieder da und hat sich mit der schon so oft besungenen Liebe nicht gerade ein Nischenthema ausgesucht. Aber wenn er mit seiner unnachahmlichen Stimme Sätze wie „Once I get my heart back in my hand, I’ll squeeze out every drop of love I can“ singt, dann geht das unmittelbar ans Herz.
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Kari Bremnes: Reise

Das einzig schlechte, das man über Kari Bremnes‘ erstes Livealbum sagen kann, ist, dass sie keine Mitschnitte von der Tour in der kleinen Besetzung veröffentlicht hat. „Reise“ umfasst 14 Aufnahmen in voller Bandbesetzung, die zum großen Teil im Januar dieses Jahres in Deutschland mitgeschnitten wurden. Aber auch in der etwas üppigeren Version transportiert „Reise“ die Strahlkraft, die von den Liveauftritten der Norwegerin ausgeht.
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Josh Rouse: 1972

1972 ist das Geburtsjahr von Josh Rouse, das "Geburtsjahr" seiner Gitarre und der Name seines vierten Albums. Es ist dann auch nicht wirklich überraschend, dass es sein Wunsch war, das neue Werk so klingen zu lassen, als hätte es schon 31 Jahre auf dem Buckel. Bekannt für seine behutsamen und einfallsreichen Arrangements, schwimmt er dieses Mal 3 Jahrezehnte zurück und packt alles in die Songs, was man mit dem Sound der frühen 70er vereinbaren kann.
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