Carus Thompson: Creature Of Habit

Wie macht der das bloß? Schüttelt scheinbar ohne Mühe immer wieder Ohrwurm-Melodien aus dem Ärmel, als ginge das so einfach. Nach dem letzten regulären Studioalbum mit Band (→ zur Hinternet-Rezension) und einem Coveralbum geht der australische Singer/Songwriter (Jahrgang 1976) Solowege. Gleichwohl stehen ihm Produzent Greg Arnold als Multiinstrumentalist (Gitarren, Keyboards, Ukele und anderes ausgefallenes „Spielzeug“) sowie Brad Jones (Bass) und Ian Kitney (Schlagzeug) zur Seite. Die beiden letzteren halten sich in der Regel dezent zurück.
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Telepathe: Dance Mother

Hallohallo, nun aber mal langsam mit den wilden Pferden! Nur, weil eine Band aus NYC kommt, genauer gesagt aus Brooklyn, und nur weil dort momentan AVANTGARDE-POP groß geschrieben wird und zugegebenermaßen eine ganze Reihe großartiger Kreativposten von dort kommen und die Schräg-Pop-Szene dort derzeit enorm dicht ist, heißt das nicht, dass jede Band gleich einen Meilenstein in der Popgeschichte markiert. Was für Cat Power, TV On The Radio, Antony Hagerty und sein ganzes Kreativmagnetfeld inklusive Joan As Police Woman und sicherlich viele andere Projekte mit Big Apple-Provenienz gelten mag, gilt nicht für jede Combo an jeder Ecke Brooklyns.
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K.D. Lang: Watershed

Obwohl K.D. Lang erst 46 ist, geht es einem schon ähnlich wie bei Joni Mitchell: Nach jahrelanger Funkstille freut man sich geradezu ekstatisch über ein neues Album und ist eigentlich schon zufrieden, wenn es die Damen annähernd so gut machen, wie man es von ihnen gewohnt ist. K.D. Lang brilliert wie eh und je mit ihrer Stimme, die fein zwischen Intimität und distanzierter Arroganz balanciert.
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Minor Majority: Candy Store

Platten von Minor Majority sind wie die ausgebeulte Lieblingshose und der verknubbelte Pulli für einen gemütlichen Couch-Mittag. Wenn es dann überraschend klingelt, bekommt man den desolaten Zustand nicht schnell genug ausgebügelt und murmelt etwas von >…wollte mich gerade umziehen…< Auch wenn man weiß, dass coole Platten anders aussehen, haben uns die Norweger um Pål Angelskår mit vier wunderbar kuscheligen Studioalben belohnt, die allesamt runtergehen wie eine heiße Tasse Ovomaltine.
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Locas In Love: Saurus

Die alte Weisheit, dass Blinde keine Blinden führen können, wird mit „Saurus“ nachhaltig entkräftet. Man hat nie das Gefühl als habe die Kölner Band für irgendwas Antworten parat, aber die Art wie Locas In Love Geschichten erzählen hat schon fast therapeutische Züge. Jeder der zwölf Songs hat mindestens eine Textzeile, die man sich auf die Innenseite der Augenlider tätowieren sollte.

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2raumwohnung: 36 Grad

Es muss da so eine Kiste geben, und wenn sie geöffnet wird, steigen lauter schöne Dinge daraus empor. Kleine, bunte Schmetterlinge. Blüten. Sterne. Petits fours. Aber auch mal manch graue Wolke. Wunderschöne allerdings nur, natürlich. So stell ich mir das vor, wenn 2raumwohnung mit ihren Ideen für ein neues Album ins Studio gehen. weiterlesen

Stella: Extralife

„An extra life is what I need…“

Wenn drei sich streiten, freuen sich die vierten. Und das sind all die, die in den nächsten Wochen das Debut-Album der Hamburger Band Stella in den CD-Player legen und in ihren Wohnzimmern tanzen. Stella sind cool und auftregend, elegant und tanzbar zugleich.

„Extralife“ verdient es, mit einem Klangkosmos verglichen zu wer-den: Tausend kleine Melodien, Geräusche und Samples verbinden sich zu einer eleganten Mischung aus Pop, New Wave und groovigen Beats.

Herrlich: Der Song „Perfume“, mit dem die Band wütend klarstellt: „Be good, be bad, just be. But be without me“. Ohrwurmqualitäten hat vor allem der vorab als Single veröffentlichte, ironische Song „O.K., tomorrow I`ll be perfect“. Entspannter geht es bei der einzigen ruhigeren Nummer der CD, „Harbour“ zu: Sängerin Elena Lange besingt müde und traurig die Hafenromantik. Jeder Song – ein Abenteuer, jedes Hören ist wie ein Spaziergang durch eine vertraute Landschaft, die sich doch irgendwie verändert hat…

Natürlich kommt es nicht von ungefähr, daß Stellas Musik so viele Stile vereint: Die Bandmitglieder sind in diversen anderen Projekten tätig. Elena Lange, Thies Mynther und Mense Reets hat man schon bei Schorsch Kamerun, GTV, Der allwissenden Billardkugel und anderen Bands gesehen.

Stella sind sich zum Glück nie einig geworden, ihre Musik ist ein Aufeinanderprallen von Meinungen und Lebensgefühlen. Im Vorder-grund lauert eine poppige Gitarren-Melodie, während sich von hinten der Synthie-Groove anschleicht und den Song mitreißt.

Von Terror und Nervenzusammenbrüchen erzählen Elena, Thies und Mense, von diktatorischen Bemühungen, Vorschläge durchzudrücken. Dort, wo andere Bands „wir“ sagen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, wetzen die Stellas die Messer. Gereizt und mißlaunig klingen viele Lieder, denn zu sagen haben Stella auch etwas. Und zwar, daß sie mit der Gesellschaft nicht einverstanden sind, den Deutschen an sich alles Schlechte wünschen und ansonsten gegen Chauvinismus, Nationalismus und Kapitalismus ansingen.

Puh. Zum Glück bringen sie die Message nicht straight-forward rüber, wie so viele unsägliche Punk-Bands, sondern im schillernden Pop-Gewand. Für die einen sind es bunte Songs, und wer bitteschön darauf besteht, alle Songtexte zu zerlegen, findet darin mehr oder weniger deutlich formulierte politische Statements. Auch ein Grund, warum „Extralife“ auch nach Tagen permanenten Anhörens nicht langweilig wird.

Ende April sind die drei streitenden Hamburger auf Tour, doch die Zeit bis dahin wird uns ja nicht lang, denn seit neuestem haben wir ein „Extralife“ – Stella sei dank.

(ms)

Hannah Marcus – Faith Burns

„Na klar bespreche ich die“, hab ich bei der letzten Redaktionssitzung laut getönt und den Rest der coolen Gang nicht mehr an die Scheibe rangelassen. War ja auch irgendwie berechtigt, hab ich doch Hannah Marcus schon mal live gehört und Normal-Records und Neo-Folk gehören eh zu meinen Favorites. Um es gleich zu sagen: So richtig warm werde ich nicht mit der Platte und im Winter ist dies ja besonders wichtig. Aber eins nach dem anderen. weiterlesen

Rainravens – Diamond Blur

Statt „Diamond Blur“ hätten die Rainravens ihr Album auch nach einem ihrer neuen Titel nennen können: „Welcome to Nashville“, womit klar wäre: dies ist ein Album aus der Abteilung Country&Western. Das Quartett stammt allerdings aus Austin/Texas, macht aber nichts: klassischer West Coast Country-Rock und Southern Temperament lassen sich prima kombinieren. weiterlesen