China Drum: Last Chance

Also diese Jungs waren Support von Green Day? Na, man will sich ja von der Vorgruppe nicht die Schau stehlen lassen. Wer auch immer diese Musik als Power-Punk-Pop bezeichnet, hatte wohl schon zu Zeiten Sid’s seine Dritten Zähne. Hört sich sehr nach diesen badischen Jung’s mit dem Lemon Tree an. Nur kürzer die Songs und schneller das Schlagzeug. Der endgültige Beweis, daß das Punk-Revival ein Riesen-Hype war.

(carrzy)

Barkmarket: Visible Cow

Klingt am Anfang ein bißchen nach Beck, eine nölende Stimme begleitet von einer typischen Verlierer-Slidegitarre. Aber dann kommen sie doch, die harten Gitarren: exakt nach 1:07 Minuten kracht es derart aus den Boxen, daß dieses Erlebnis den Preis der CD-Single schon wert sein kann. Für zärtere Gemüter allerdings nicht, denn insgesamt kommen die beiden Songs auf dieser Scheibe schon ziemlich muskelmäßig rüber. Gute, harte Musik. Bin gespannt aufs Album.

(km)

Fun Lovin‘ Criminals: Scooby Snacks

From the head down to the toe: Superposer.

Sie hätten das Titelstück dieser 2-Track-Single noch nicht mal mit einer Szene aus Pulp Fiction einleiten müssen, die Verbindung wäre auch so offensichtlich gewesen. Leute, die sich für cool halten, entprechend hippe Musik machen (in diesem Fall: entspanntes Rumrocken und Rumgrooven, ein bißchen rappen, Surf-Tremolo-Gitarre) und ganz sicher auch etwas vom Coolsein verstehen. Aber the real stuff ist das natürlich nicht.

An der Cleverness gescheitert oder: Du kannst auch Urge Overkill zu ihnen sagen.

(km)

Ryker’s: Hunting Season

Mir ist es ja nicht aufgefallen, aber einem guten Freund: „Hunting Season“ ist wie eine Bastelanleitung für den geschmackssicheren Hardcore-Song. Abgestoppte Gitarren, die Double-Bassdrum, der heisere Brüllgesang, immer schön wechseln vom langsamen Mosh-Part zum schnellen Abgeh-Teil. Routiniert und erprobt, aber nicht sehr kreativ.

Der Rest ist – nicht Schweigen, sondern Punkrock. Zwei kurze Non-Album-Bonus-Tracks, die mir besser gefallen als die Single. Allerdings sind die wirklich so kurz, daß sie als Kaufempfehlung für diese CD-Single auch nicht taugen.

(km)

Die Aeronauten: Ich wollt ich wär tot, Bettina

Vier neue Stücke der Schweizer, die jedermann für Hamburger hält. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Gegen alles“ wirken die neuen Songs seltsam behäbig. Die Bläsersätze haben sie immer noch dabei, aber so erfrischend anders und eigenständig wie früher ist ihre Musik nicht mehr.

Die Single „Ich wollt ich wär tot, Bettina“ setzt die Aeronauten-Tradition des peinlich wahren Songs ungebrochen fort, obwohl sie musikalisch damit auch keine Bäume ausreißen. Ein bißchen doof ist ihre Art zu texten natürlich auch, aber das könnte ihnen momentan ja sogar zu größerem Erfolg verhelfen, denn Doofheit hat ja Konjunktur.

Eher erfolgsverhindernd ist der Versuch, auch mal ein englischsprachiges Stück zu veröffentlichen („I wish I was normal“), denn damit nehmen sie sich das Beste, was sie haben. Mario Basler fängt ja auch nicht an Handball zu spielen.

(km)

Ministry: Lay Lady Lay

Ganz genau, exakt dieses „Lay Lady Lay“, an das Ihr jetzt auch denkt: Bob Dylan in den Händen von Ministry. Eine seltsam zurückhaltende Version des Klassikers, nicht schlecht, aber auch nicht aufregend.

Würde ich die Single im Radio hören, würde ich bestimmt nicht ausdrehen, vielleicht sogar ein klein wenig lauter stellen. Aber im Radio läuft das Stück nicht. Hätte ich die Scheibe ständig zuhause, würde ich sie allerdings auch nicht auflegen, d.h. irgendwie ist hier alles verquer.

Die restlichen Stücke auf dieser CD-Single sind übrigens ein Non-LP-Track von 94 bzw. eine Live-Aufnahme vom 92er Lollapalooza Festival.

(km)

Fast Food Cannibals: Mörder

Das Info sagt: „Brüllen statt Nörgeln, Weinen statt Jammern. Die Fast Food Cannibals lassen sich nicht nebenher konsumieren, sie graben sich in die Eingeweide.“

Also ich hatte mir gerade einen Kaffee mit Baileys gemacht, saß gemütlich auf dem Sofa und meinen Eingeweiden geht es auch noch gut. Viel heiße Luft eben.

Vor etwa drei Monaten hab ich mir ja sagen lassen, daß nach dem Geschmack der Plattenfirmen 96 das Jahr der deutschen Texte werden soll. Offensichtlich haben das die Fast Food Cannibals auch gehört. Klingt wie Selig, wenn sie richtig böse sein wollen. Pseudo-wichtig.

(km)