The Coctails: The Coctails

Schläfrig souligen Gitarren-Pop präsentieren uns die vier Musiker der COCTAILS auf ihrer neuen, gleichnamigen CD. Die Nahaufnahme einer Grapefruit zierte das Cover ihres letzjährigen Europa-Debüts „Peel“, das Frontcover von „The Coctails“ zeigt die Großaufnahme einer Blutorange – der Wiedererkennungswert ist enorm: Citrusfrüchte Teil 1 und 2 oder wie mixe ich mir meinen ganz (band-) eigenen Geschmack von Popmusik.

Coctails sind bekanntermaßen Mixgetränke, und ausgepresste Pampelmuse und Blutorange lassen sich durchaus als Basis für gute Coctails verwenden. Beide Früchte schmecken eher in Richtung bitter, die Musik der COCTAILS dagegen schmeckt meistens süß, manchmal auch einfach etwas fade. Insgesamt hat die Band um den SEA & CAKE-Gitarristen und Multiinstrumentalisten Archer Prewitt seit ihrer Gründung Ende der 80er Jahre bereits fünf Platten veröffentlicht, darunter auch ein reines Jazz-Album. Über die Hälfte der 13 Stücke der neuen CD stammen aus Aufnahmesessions vom Februar 1994, nur drei Stücke stammen regulär aus dem letzten Jahr, folglich dokumentiert „The Coctails“ die musikalische Entwicklung der Band in den letzten drei Jahren.

Was heißt Entwicklung? Schon „Peel“ konnte mit zerbrechlich wirkenden, schön anzuhörenden Pop-Songs aufwarten. Die Stücke auf der neuen CD knüpfen auch dort an. Knapp die Hälfte der Titel sind diesmal Instrumentals, dazu passend auch die eingetzten Instrumente: Mellotron, Vibraphone, Marimba, Violine und Flügelhorn. Vom Konzept her erinnern THE COCTAILS an englische Gruppen wie THE FELT, die in den 80er Jahren eine ähnlich klingende Popmusik gemacht haben. Understatement-Pop ohne den Glamourcharakter von hitverdächtigem Pop ist vielleicht die beste Umschreibung für die Musik der COCTAILS. Dazu paßt auch das stilvolle Innencover des Bookletts mit einer Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Proberaum, auf der nur die Instrument und Verstärker – alles natürlich älteren Baujahres – gezeigt werden.

Stellenweise fehlt es den Stücken auf der CD an Esprit und Einfallsreichtum, trotzdem lohnt es sich reinzuhören und das vielfältige Klanguniversum der COCTAILS zu entdecken.

The Coctails: The Coctails
(Moll/Efa)

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