Duffy – I love my friends

So kanns gehn: da ist man Frontman einer der zugkräftigsten Bands der 80er, aber schon wieder draußen, noch bevors richtig losgeht. Stephen Tin Tin Duffy war in der Pop-Geschichtsschreibung bislang kaum mehr als eine Fußnote in der Duran Duran-Story. Einzig 1985 konnte er auch mal selbst smashen mit einem Song namens „Kiss me“. Der traurige Verlauf einer typischen One-Hit-Wonder-Karriere? Mitnichten!

Zwar ward Duffy, der sich selbst als „kreatives Stehaufmännchen“ bezeichnet, seither nicht mehr in den Charts gesehen, aber von der Musik konnte er gottlob nie lassen.

Ende der 80er gründete er „Lilac Time“ und machte fortan akustischen Folk, veröffentlichte aber auch immer noch Soloalben. Und während die ehemaligen Bandkollegen (derzeit in England ohne Plattenvertrag!) als nunmehr feiste Berufsjugendliche nur noch am Arm ihrer supermodelnden und fernsehmoderierenden Gattinnen aus den Party-Reports der Regenbogenpresse grüßen, hat der Igel mal wieder den Hasen überholt und eines der erfreulichsten Alben seit langem veröffentlicht!

„I love my friends“ atmet puren Pop: melodiös und leichtfüßig, mit Kick und Pfiff. England ist eben doch Pophausen! Duffy beherrscht lockeren Synthie-Pop genauso wie akustischen Gitarren-Pop, gezupft oder
geschrammelt. Und natürlich darf im Einzugsgebiet des ehemaligen Empires auch ein Schuß Dandytum nicht fehlen, hier in Form von Streichern, Flöten und andalusisch angehauchten Klängen. Einen ähnlich perfekten Pop-Geniestreich legten in letzter Zeit nur Jack hin – doch die pflegen die Schwermut, wo der gereifte und ausgeglichene Duffy nur noch Selbstironie zuläßt.

A propos „persönlich“: die Songtexte sind durchweg autobiographisch und eine Fundgrube für Fans, die am Innenleben Überlebender der 80er interessiert sind, wenngleich Duffy seine „Berichte“ als banal einstuft – im Gegensatz zu den von ihm sonst gewohnten Dichtkünsten. Dem Himmel sei Dank für diesen kühlen Kopf, den uns wahrscheinlich nur eine Laune der Business-Natur bescherte, als sie ihn durch die Hintertür aus dem Ex-und-hopp-Zirkus der zurückliegenden Dekade rauskickte: auf einen Schleichweg des Britpop, wo er jetzt auch noch den Hype um all die Gallaghers und Albarns vergessen macht.

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