Szenen einer Ehe (1)

Früher hatte ich eine Freundin. Damit ist seit ein paar Tagen Schluss. Nein, nicht mit ihr, sondern mit dem Status des Freundinnenhabens. Ein kurzes Ja mitten im Post-Junggesellenabschiedsfeierrausches genügte und: aus der Traum. Nie mehr Freundinnen, nie mehr Beziehungen. Statt dessen: Verheiratetsein und Ehe-Alltag. Manch einem soll beim Erklingen des Wortes Ehe ein eisiger Schauer über den Rücken laufen. Ich hingegen hatte kaum Zeit in den Stunden vor dieser weitreichenden Sekunde des Ja-Sagens über Sinn oder Unsinn nachzudenken – geschweige denn nachher: Händeschütteln, Küsschen hier, Küsschen da, Feiern, Wohnung putzen (Stroh im Bett und dieser miesen Scherze nachts um vier), Flittertage (ganze drei an der Zahl), Ämterochsentour, links liegengebliebene Arbeiten erledigen etc.

An jenem verhängnisvollen Morgen jedenfalls war ich viel zu sehr mit dem Inneren meiner Toilettenschüssel und mit den wenigen klaren Gedanken der Art Wie soll ich diesen Tag überstehen? oder Hoffentlich muss ich nicht gerade, wenn… beschäftigt, dass für anderes gar keine Zeit blieb. Jetzt stehe ich da: Ohne Freundin alias Geliebten alias Lebensabschnittsgefährten (Hallo, ihr stets auf Unabhängigkeit pochenden Junggesellen!) und ohne Beziehung. Dafür mit Frau und Ehe und vielen Verpflichtungen.

Doch was verstehen wir Deutschen eigentlich unter einer Freundin? Die Englische Sprache kennt nicht das Problem des Unterscheidens zwischen einer Freundin, mit der man das Bett teilt, die man liebkost und vernascht und die einem zuvor den Kopf verdreht hat, und einer Freundin, der man sein Herz ausschüttet, sollte es mit der anderen nicht harmonisieren, der man alles anvertraut und die ein guter Kumpel ist. Das Englische hat für solch prekäre Unterscheidungsfälle girlfriend und friend bereitgestellt. Wobei wiederum zu berücksichtigen wäre, ob friend männlich oder weiblich ist. Aber das würde den mir gesetzten Rahmen dieser Kolumne sprengen. Zurück zur Freundin: Denkt zukünftig jeder, sobald ich das Wort Freundin in den Mund nehme, ich würde fremdgehen oder sei überhaupt nicht verheiratet oder hätte vergessen, verheiratet zu sein? Hat sich schon einmal jemand darüber Gedanken gemacht? Ich glaube nicht.

Die Schwester meiner Freundin gibt es ja auch nicht mehr. Die ist jetzt die Schwägerin. Ihre Eltern wiederum führen fortan das Präfix Schwieger notgedrungen mit sich und müssen aus diesem Grunde für Scherze meinerseits herhalten. Und warum zur Hölle heißt die Schwester meiner Ex-Freundin, sprich meiner Frau, nicht Schwiegerschwester? Und ihr Bruder, den es aber gar nicht gibt – zumindest nicht offiziell – Schwiegerbruder? Früher nannte man die Schwiegermutter schlicht Schwieger. Das nur am Rande.

Ich kann jedenfalls eins garantieren: Ein klitzekleines Ja, das schneller verhallt als es ausgesprochen ist, kann die Welt auf den Kopf stellen. Seid euch also der durchaus fatalen Folgen bewusst.

Nächste Woche geht’s an dieser Stelle natürlich weiter – so wie hoffentlich jede Woche in Zukunft.

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