Fink – Letzter September

Letzten September war es, als Fink durch die Republik tourten. Und durch Orte, die „Rauchbar“, „Campustheater“ oder „Café Mokka“ heißen. Kleine Säle, die sich rocken lassen, ohne die Fink-eigene Poesie zu verlieren. Denn die ist es, die die Konzerte der vier Hamburger so herausragend macht. Auge in Auge mit den Fans erzählen sich die schrägen Geschichten und launigen Liebesballaden halt am besten.

Grimmig und nach scharfem Blick klingt´s, wenn sich Fink auf die Bühne stellen. Rustikal und ein bisschen sperrig, aber auch bunt und facettenreich. Schöntöner sind die Hamburger keine. Das Ohr der Fans soll nicht verwöhnt, sondern angeregt werden. Und so liefert die Band nicht nur ihren spröden, rumpeligen Holz-Sound mit spitzen Gräten, sondern auch die schillernden Klangfarben der Gäste. Die Geige von Ecki Heins, die Orgel des Reverend Ch. D. und Trompete, Vibraphon und Percussions von Martin Wenk. Gemeinsam zaubern sie Atmosphäre und Bilder in den Raum.

Das Repertoire besteht aus Songs von allen bisher erschienenen Fink-Alben. Widmungen zwischen Liebe und Hass, Texte mit Haken und Ösen und in den Alltag runtergezogene Western-Metaphern. Mit Liedern wie „Herz aus Holz“ ging es Mitte der 90er los, mit „Fisch im Maul“ (hier in einer seltsam trockenen Fassung ohne Twang) mußten sie sich schon gegen das Country-Etikett wehren, mit Songs wie „So fass ich´s an“ erreichte ihre literarische Qualität einen neuen Zenith, und „Irgendwann Regen“ führte zurück zur neuen Klang-Bescheidenheit. Die Spannung auf „Letzter September“ lässt sich mit Händen greifen. Nur der Sound bleibt unnatürlich blass und dürr, Nils Koppruch singt wie von fern durch eine Nebelwand. Wer die legendären Fink-Auftritte genießen will, muss sich immer noch selber ins Konzert bewegen.

Fink
Letzter September
(Return to sender RTS 36)

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