Charlie Huston: Six Bad Things

Dieses ist die zweite Besprechung eines der diesjährigen Kandidaten für den Edgar, Kategorie „Bestes Taschenbuch“.

Mexiko gilt in vielen US-amerikanischen Krimis als der Traum von einem Rückzugsraum für verängstigte Ganoven. Für Hank Thomson ist dieser Traum wahr geworden. Vor drei Jahren war er in New York in eine üble Geschichte geraten. Seine Freundin wurde erschossen, viele Menschen starben, auch durch seine Hand … dann hatte er plötzlich viereinhalb Millionen Dollar in den Händen und amerikanische Bundespolizei und russische Mafia auf seinen Fersen. Mexiko also. Er hat sich in einer kleinen Ortschaft am Golf von Mexiko vergraben und verbringt die Tage mit Schwimmen und Faulenzen.

Als eines Tages ein junger Amerikaner mit russischem Akzent neben ihm an der Strandbar sitzt, ahnt er, dass die Zeit der Ruhe vorbei ist. Gangster drohen seine Eltern zu töten und er stürzt nach Kalifornien, um sie zu beschützen. Was Hank nicht bewusst ist: Jeder kann das Objekt von Bewunderung werden, so auch er. Er ist „The Man Who Got away“ – so der Titel eines Buches über ihn – und so bekannt wie ein bunter Hund. Er hat Fans, aber er hat auch Neider. Leute, die an sein Geld wollen. Und so entspinnt sich ein wilder Ritt durch den Westen Amerikas, bei dem Hank mehr Verfolger hat, als ihm lieb ist.

Diese Art von Büchern kennt man: Hank ist alles andere als ein gefährlicher, planender Killer. Viel geht schief. Nicht dass er tollpatschig wäre, nein, hat einfach ab und zu Pech … er gerät in verzwickte Situationen. Rasant geht’s zu. Den Leser amüsiert´s, wenn es auch mitunter martialisch zugeht.

Was man so allerdings nicht kennt, ist die Art und Weise wie diese Geschichte erzählt wird. Knackige Dialoge, stimmig wie selten und keine verkappten Erzählungen, keine Sammlung von Scherzen. Optisch kaum von der parallel dargestellten inneren Gedankenwelt des Ich-Erzählers abgetrennt. Und interessante Typen gibt’s zuhauf, da ist der im Börsencrash gestürzte Manager, der vorgibt eine Organisation aufzubauen und nicht nur den Jargon behalten hat, sondern auch betriebswirtschaftliche Instrumente zur Kontrolle seiner Operation verwendet, oder … . Das alles sehr nüchtern erzählt, ohne den Klamauk, der so gerne vorherrscht.

Das Konzept des Autors könnte aufgehen. Von vornherein hatte er die Geschichte Hank Thomsons als Trilogie angelegt und nach dem Ende dieses Buch dürften nicht wenige Leser von Neugier getrieben zum, die Tage erschienenen, letzten Band greifen, um herauszubekommen, wie das Ganze wohl weiter geht. Charlie Huston ist es gelungen, dem bekannten Sujet eine eigenständige Variation hinzuzufügen. Dieses weniger wegen besonderer Originalität im Plot, obwohl er auch hier mit einigen netten Ideen punkten kann, sondern vielmehr wegen der gelungenen Stilistik.

Charlie Huston: Six Bad Things. 
Ballantine 2005, 305 Seiten. 11.50 €
(deutsch: "Der Gejagte". Heyne 2005. 7,95 €)

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