Wo ist das Musikfernsehen?

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Zuerst die gute Nachricht: Das Musikfernsehen lebt noch. Leider nicht in Deutschland. Aber dank digitaler LNB an der Satellitenschüssel kann man sich noch GoTV (→www.gotv.at) ins Haus holen und damit den hierzulande noch einzig akzeptablen empfangbaren deutschsprachigen Musik-TV-Sender überhaupt.
GoTV stammt aus Österreich und ist wirklich das, was man sich unter einer guten Videoclip-Abspielstation vorstellt. Zumal dort nicht nur die neuesten Videos laufen (okay, leider auch die unsäglichen Pussycat Dolls in der Heavy Rotation), sondern auch das alte Zeugs, das in liebevoll zusammengestellten Sendungen wie „Hosted by“ dargereicht wird. In „Hosted by“ präsentieren Bands bzw. Musiker ihre liebsten Videos. Does It Offend You, Yeah? etwa lassen auf Daft Punks „Turn Around“ „Come To Daddy“ von Aphex Twin folgen, wünschen sich Eminem, Run DMC, Jane’s Addiction und Sonic Youth (→http://www.gotv.at/festivalprogramm_detail.php?id=103). Unglaublich, oder?

Solch eine Sendung kann eigentlich nicht die Welt kosten: Kamerateam und AKM-Gebühren – AKM ist die österreichische GEMA -, Zeit natürlich auch, vor allem aber eine gute Idee und den Mut, diese konsequent umzusetzen. Und was passiert in Deutschland? Hier werden die von US-Konzernen kontrollierten Musiksender zur Resterampe mit infantilen Comic-Serien und abartigen, nicht zu ertragen Date TV-Shows. Das will doch niemand haben, geschweige denn sich ansehen. Es gibt ja noch genügend Videos und die muss man nicht unbedingt bei Youtube oder auf Myspace suchen. GoTV hat sie im Programm.

Warum dieser österreichische Sender noch existiert und wie er sich finanziert? Gute Fragen. Aber letztlich egal. Denn wenn es in Österreich funktioniert, dann sollte es doch auch hierzulande funktionieren. Hieß es nicht immer, der deutsche Musikmarkt sei nicht nur europa- sondern weltweit einer der wichtigsten? (2001 war laut der International Federation Of The Phonographic Industry, auch IFPI genannt, der deutsche Musikmarkt hinter den USA und Japan der drittgrößte!) Warum dann den potenziellen CD-Käufern von heute Videoclips vorenthalten, die Lust auf mehr machen als nur auf ein Lied, das man eh überall hört oder umsonst im Internet findet?

Okay, die Zeiten, in denen das „Musikfernsehen (….) stetig an Bedeutung gewonnen (hat und es sich) vor allem bei MTV und Viva (….) zum einen um wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen, zum anderen aber auch um Faktoren, die im Leben Jugendlicher eine wichtige Rolle spielen“ (aus „Musikfernsehen in Deutschland“) sind längst passé. Die Kids komasaufen lieber, lasen sich Musik illegal herunter, chatten im Internet und hören – wenn überhaupt – Musik mit dem Handy. Dennoch muss es doch möglich sein, in Deutschland einen Musiksender mit vernünftigem Programm und das heißt ohne menschenverachtende Dating- und hirnverbrannte Anruf-Abzocker-Shows und drittklassige Comic-Serien zu installieren.

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