Interview: Biffy Clyro

Dem schottischen Trio Biffy Clyro gelingt der Spagat zwischen dem Stadion-Alternative Rock der Foo Fighters und dem Rock-Wahnwitz ihrer englischen Kollegen Muse immer besser. Der aktuelle Beweis ist ihr mittlerweile fünftes Album „Only Revolutions“,dessen Titel von dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Mark Z. Danielewski entlehnt wurde. Wie schon der Vorgänger „Puzzle“ wurde das Album mit Garth „GGGarth“ Richardson aufgenommen – allerdings nicht wie zuletzt in Kanada, sondern im sonnigen Los Angeles. Und das hatte seine ganz speziellen Gründe, wie Hinter-Net! im Interview mit Schlagzeuger Ben Johnston erfuhr.

Hinternet: Sie haben das Album in den Ocean Way Studios in Los Angeles aufgenommen. Dort nahm schon Frank Sinatra seinen Hit „My Way“ auf. Waren sie sich bei der Arbeit dessen bewusst?

Ben Johnston: Natürlich. Das spürt man irgendwie, zumal überall im Studio Fotos aus dieser Zeit hängen. Sowas erhöht natürlich auch den Druck, ist aber ebenso eine Inspiration.

Hinternet: Warum haben Sie das Album überhaupt in Los Angeles aufgenommen?

Nur weil wir Schotten sind, heißt das nicht, dass wir Regen mögen.

Ben Johnston: Hauptsächlich wegen des Studios, das auf eine beeindruckend große Auswahl an Mikrofonen zurückgreifen kann. In Los Angeles gibt es zudem exzellente Studiotechniker. Außerdem ist das Wetter dort so gut. Man wacht auf, sieht das tolle Wetter und freut sich auf die Arbeit. ‚Puzzle‘ hatten wir ja in Kanada aufgenommen, wo es wochenlang ohne Unterlass regnete. Dieser ständige Platzregen kann einen schon depressiv machen und sich auf den Aufnahmeprozess und letztlich die Musik auswirken.

Hinternet: Aber Sie sind doch Schotten, Sie sollten sich nicht am Wetter stören.

Ben Johnston: (lacht) Nur weil wir Schotten sind, heißt das nicht, dass wir Regen mögen. (lacht) Ich glaube, niemand liebt Regen. Wenn man lange in Los Angeles lebt, genießt man es vielleicht, wenn es zwischendurch mal einen Tag Regen gibt. Aber ein Tag Regen pro Monat reicht völlig.

Hinternet: Es heißt, Josh Homme von den Queens Of The Stone Age, der heutzutage auf nahezu allen Rockalben mitzuwirken scheint, habe Sie im Studio besucht. Stimmt das?

Ben Johnston: Wir sind in der Vergangenheit mit Queens Of The Stone Age durch die USA und Europa getourt und wurden so Freunde von Homme. Wir sagten ihm, wir würden in LA aufnehmen. Woraufhin er erklärte, vorbeikommen zu wollen. Wir tauschten die Telefonnummern aus. Erst glaubten wir ihm nicht. Doch dann riefen wir ihn an und ein paar Tage später stand er in der Tür und schenkte uns für den Song ‚Bubbles‘ ein beeindruckendes Gitarrensolo.

Hinternet: Ist es denn eine Herausforderung, mit Gastmusikern zu arbeiten? Schließlich haben die mitunter einen ganzen Blick auf einen Song.

Ben Johnston: Was die Sache mit Homme betrifft, da war es so, dass der Song bereits fertig war und er nur das Solo als kleines Extra beisteuerte. So lief das bei diesem Album eigentlich auch mit allen anderen. Es trafen keine verschiedenen Ansichten oder Ideen aufeinander, denn alle Ideen stammen von uns.

Hinternet: „Only Revolutions“ erscheint bei 14th Floor, einem Sublabel von Warner Music. Sind die anderen Bands und Musiker aus dem von ihrer Heimatstadt Ayr nicht fern gelegenen Glasgow neidisch darauf, dass Sie einen Majorvertrag haben?

Ben Johnston: (lacht) Nicht, dass ich wüsste. Wir leben aber auch nicht in Glasgow. Wir leben auf dem Land und haben unseren Proberaum auf einem Bauernhof. Mit anderen Bands haben wir keinen Kontakt. Wir sind wir und kein Teil einer Bandclique.

Hinternet: Sie wollen nicht zur dortigen Bandszene dazugehören?

Ben Johnston: Auf gar keinen Fall. Wenn man auf eigenen Beinen steht, läuft man nicht Gefahr, dass wenn eine Szene stirbt, die eigene Band auch stirbt.

Hinternet: Im Sommer 2008 erreichte die Non Album-Single „Mountains“, die auch auf „Only Revolutions“ enthalten ist, die britische Top 5. Das war sicherlich eine faustdicke Überraschung?

Ben Johnston: Und was für eine. Wir hatten den Song schon länger fertig und dachten, es wäre eine gute Idee, ihn weit vor dem Album zu veröffentlichen, um den Leuten zu zeigen, dass es uns noch gibt. Und dann kam die Single nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Australien, Japan, Israel und Deutschland bestens an. Das war weit mehr, als wir erwartet hatten. Wir sind ja keine Chartband.

Hinternet: Aber sicherlich sind dadurch die Erwartungen an „Only Revolutions“ noch höher?

Ben Johnston: Von Label-Seite aus sicherlich. Doch wir machen nicht Musik, um in den Charts zu landen. Natürlich ist es schön, oben in den Charts aufzutauchen. Aber das ist nicht unsere Intention. Selbst wenn das Album ein kommerzieller Flop werden würde, wären wir glücklich.

[Fotos: (c) Warner Music Group]

(kfb)

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