Tatort: Hilflos

Mobbing unter Schülern ist grausam. Kinder und Jugendliche können erschreckend brutal zueinander sein und einander teils irreparable seelische Schäden zufügen. Mobbing ist immer wieder auch das Thema in Drehbüchern. So wie im Fall des neuen SR-Tatorts „Hilflos“ von Stefan Schaller und Sabine Radebold.

Im Mittelpunkt steht der Schüler Tobias Rothgerber. Er ist in seiner Klasse ein Außenseiter, ist groß und dürr, trägt eine Zahnspange und wirkt ungepflegt. Er ist alles andere als beliebt. Ihm hat gar mal ein Mitschüler in seine Diddlmaus-Brotdose geschissen. Kein Wunder, dass Rothgerber ein verschlossenes und verängstigtes Wesen ist. Jetzt hat er auch noch seinen besten Freund David verloren.

Der stürzte den Ermittlungen des Saarbrücker Kommissar-Duos Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) zufolge in einem abgelegenen Parkhaus von einem Stockwerk ins nächste und brach sich das Genick. Die Indizien deuten auf Tobias als Täter hin. Dieser allerdings schweigt sich gegenüber den Ermittlern beharrlich aus. Von seinen Mitschülern ist ebenso wenig etwas in Erfahrung zu bringen. Später gibt zumindest Anna Lena (Vanessa Krüger) Hinweise auf ein mögliches Motiv. Dass aber nicht von vornherein die verdächtig erscheinenden Schüler einzeln befragt werden, ist eine der wenigen Schwachpunkte des Drehbuchs.

Die Glanzpunkte in „Hilflos“ setzen Sergej Moya in der Rolle des Tobias und Florian Bartholomäi als Jonathan Seiwert, der einzige Schüler, der ebenfalls ins Visier der Kommissare gerät. Die beiden Jungdarsteller, von denen ein jeder bereits im Rahmen des Saarbrücker Filmfestivals Max Ophüls Preis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde, spielen die Hauptfiguren dieses traurigen und beklemmenden Krimis. In dem sind selbst die sonst so willkommenen Witze von Deininger völlig deplatziert.

Gerade an Tobias verzweifeln Deininger und Kappl. Sie wissen nicht, wie sie auf sein Schweigen reagieren sollen. Das Guter-Cop/Böser-Cop-Spiel hat wenig Erfolg. Erst gegen Ende des Films bröckelt die Wand des Schweigens, und die erschreckenden Abgründe der Beziehung zwischen Tobias, David und Jonathan kommen zum Vorschein.

Das Ende hinterlässt nicht nur die Ermittler fassungslos. Dem Zuschauer ergeht es nicht viel besser. „Hilflos“ ist der treffende Titel für diesen aufwühlenden, stillen und beklemmenden Tatort, dessen gelungene Story einen über einige wenige schauspielerische Mängel (siehe phasenweise bei Breininger und vor allem aber bei Davids Mutter) wohlwollend hinwegsehen lässt. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die dem Film zugrunde liegende Geschichte rein fiktiv ist.

(kfb)

Tatort: Hilflos (24.01.2010, ARD, 20.15 Uhr)

Ein Gedanke zu „Tatort: Hilflos“

  1. Scheint ein spannender Tatort am Sonntag zu werden. Besonders das Maximilian Brückner ein CSUler ist scheint derzeit ein bischen in den Kommentaren zu Diskussionen zu führen…
    Warten wir den Sonntagabend ab.

    Gruß

    Gerald von tatort-fans.de

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