Kinderfest IV

Au, das war die meiste Arbeit bisher. Ächz, mein Kreuz. Aber die Emanzipation kann nicht so arg auf der Strecke geblieben sein, wie viele meinen. Schließlich hab ich heute verzweifelt und in Eile den Chefredakteur geweckt, um zu fragen, wie das mit dem Eier-Hartkochen nochmal geht. Aber der Reihe nach. Wie immer bin ich völlig entzückt vom Arrangement auf der Karte. Solche dicken Baumscheiben hatte man damals oft als Food-Deko, zumindest in alten Dr. Oetker-Büchern über kalte Küche. Ich erinnere bei der Gelegenheit mal: das Waldsterben war so ab Ende der 70er, Anfang der 80er ein dickes Thema. Und wenn man jetzt mal kombiniert: kalte Schnittchen-Mode, Holz-Dekos, Bäume weg – voilà. Man hat der Autoindustrie möglicherweise viel Unrecht getan.

Und was für eine niedliche Idee, die Kräcker auf Untersetzer zu stellen. Ganz hinten links ist etwas, das mir sehr bekannt vorkommt. Nur was? Es sieht aus, als wär es aus angemalten Holzwäscheklammern zusammengebastelt. Vielleicht noch eine Trockenblume in der Mitte? Mein Unterbewusstsein arbeitet, aber ich weiß nicht genau, wo ich sowas schonmal gesehen hab.

Heute also: Wurstfalter, garnierte Kräcker und Johannisbeersaft. Klingt nach einer zünftigen Seventies-Brotzeit. Für die Wurstfalter braucht man Weißbrot, obendrauf kommt ein Salat aus Champignons, Hühnerfleisch und Mayonnaise. Und dann die Krönung: der Wurstfalter! Weiß der Teufel, wie sie es bei Dr. Oetker hinkriegen, dass die Flügel einigermaßen aufrecht stehen. Stärke? Zement? Eine Art antikes Photoshop? Ich erwähne auch mal am Rand, dass im Rezept Cervelatwurst steht, die ich auch brav gekauft hab. Die ist ziemlich pink, auf dem Foto scheint es aber definitiv Salami zu sein. Ich hab beides probiert: mein Falter ist anyway flügellahm, aber irgendwie ganz apart. Und er schmeckt! Alle Cervelatdinger sind weg. Das Ei sorgt für eine leckere Ei-Note. Und hinterher ist man ganz schön satt.

Aber halt! Da sind ja noch die Kräcker. Für einen gemütlichen 70er-Fernsehabend. Meine Erinnerungen sind da begrenzt. Nämlich aufs Nachmittagsprogramm. Rappelkiste, Turn mit, Kli-Kla-Klawitterbus.
Ich weiß aber, dass Fernseher damals zum Teil noch richtig vorglühen mussten. Also wurden Ehefrauen beauftragt, zum Beispiel während der olympischen Spiele von ´72, den Fernseher anzumachen, bevor der Mann von der Schaff nach Hause kommt. Das gab Verwicklungen, wenn das mal vergessen wurde, hallelujah… Gut, wenn man nicht nur rechtzeitig ein Bild auf der Mattscheibe hatte, sondern auch ein paar schicke Kräcker zum Knabbern. Ich hab mich an die Vorgaben gehalten und alles befolgt, was im Rezept so vorgeschlagen war. Deshalb seht Ihr hier auch Kräcker, die mit – Kräckern! dekoriert sind. Während ich brav Kräuterquark mit Paprika angerührt hab, hat die Deko-Abteilung für´s Foto offenbar schlichte Schlagsahne genommen. Weil´s so schön weiß ist, vermute ich. Meine schmecken jedenfalls formidabel.

Jetzt nicht den Johannisbeersaft vergessen. Die Zubereitung ist ein bisschen kompliziert, haha, aber von Dr. Oetker zu einem einzigen Satz verdichtet: „Gieß den Saft in Gläser und fülle mit Selterswasser auf“. Der Chefredakteur frug frech, ob ich Hilfe bräuchte. Und Chefredakteur jr. frug, ob er den Bizzel wegtrinken darf. Aber Pustekuchen. Erst Foto machen. Der schicke gelbe Fernseher stammt von meiner Tante. Ich bin ein bisschen verliebt in ihn. Fehlen nur noch der Hase Cäsar und Pan Tau zur Abendgesellschaft – und dann guten Appetit.

3 thoughts to “Kinderfest IV”

  1. Fernab der Anerkennung für die herrliche Umsetzung des Originalrezepts (die darf auch bei künftigen Kommentaren jetzt einfach mal vorausgesetzt werden, ohne dass ich immer noch langwierig loben muss), musste ich heute vor allem eines: Herzhaft lachen!
    Denn (gut, dass ich weiß, dass sie das hier NIE lesen wird): Meine Mutter kam vor drei Wochen aus dem Urlaub aus dem Algäu zurück. Und sie und mein Vater hatten uns allen (der ganzen Familie zum künftigen Reihumausleihen) ein ganz besonderes Urlaubsmitbringsel mitgebracht:

    eine ….

    Baumscheibe zum Dekorieren von kalten Buffets !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Dafür haben die beiden bei einem Tischler und Schnitzer richtig investiert.

    Und soll ich Euch was sagen: Es sieht wirklich schön aus!

    Deswegen – mein beherztes Lachen heute morgen.

    Übrigens habe ich das Geheimnis der gestärkten Salamischeiben gelöst.
    Alles eine Frage des Materials.

    http://tinyurl.com/3qurkdj

  2. Nicht zu fassen!! Dass man sowas heute noch hat – herrlich!!! LOL!!!! Und Danke für den Salamihinweis, hehe…

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