Kinderfest VI

Wenn man Salzstangen mit ein paar Eiern garniert, werden es „Igel im Grünen“. Sowas von süß! Im Ernst: man darf in die Eier nicht zuviele Salzstangen reinstecken, sonst gibt es unschönes Gebrösel. Meine Igel sind vergleichsweise langhaarig, aber ich bin sehr verliebt in sie. Allerdings hab ich mir fast den Arm gebrochen beim Versuch, die Kapern als Augen in die Eier zu stecken. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie das Dr. Ö-Team das hingekriegt hat. Und die Gretchenfrage ist doch, ob die Sachen im Dr. Ö-Foodstudio hinterher noch essbar waren. Oder ob da mit, sagen wir, Sekundenkleber gearbeitet wurde – denn das sind verdammt viele Salzstängchen und verdammt makellose Kapern-Augen auf den Eiern.

Ich bin außerdem Laie in Sachen „Salami“ und dachte mir beim Einkaufen: Och, Salami mit Kräuterrand ist bestimmt schick. Also haben meine Igel zum Teil mächtig Sommersprossen. „Igel im Grünen“ nennt sich das Rezept. Und damit wären wir beim Wesentlichen, nämlich beim „Grünen“. Das Ding ist nämlich, dass ich nach Abkochen des Kartenstapels kein Experte in Retrobüffets, sondern im Garnieren sein werde. Ich darf mal bitten, zu beachten, aus wievielen Rohren ich hier beim Dekorieren schieße: Salat, Petersilie, Mayonnaise, Gewürzgurken und Tomaten! Daneben sind die Igel Pillepalle. Und erst wenn der Teller zum dekotechnischen Gesamtkunstwerk gestaltet ist und ein Kilo mehr wiegt, fluten diese Kaltmamsell-Glücksgefühle durch die Adern, kann ich Euch sagen.

Jetzt gibt´s aber neben den „Igeln im Grünen“ noch die „Osternestchen“. Ich hab wohlweislich neulich eine Eierfärbtablette beiseite gelegt und muss sagen: das rote Ei ist denn auch das einzig Österliche an meinem Osternest. Hmpfgrmpf. Der Teig ist total lecker, sehr süß – und vor dem Backen alles schön mit Dosenmilch bepinselt. „Dosenmilch“ – lang nicht mehr gehört, was? Heißt heut Kaffeesahne und ist ungefähr so dahingerafft wie die Mayonnaise durch die Salatcreme. Was ich bepinselt habe, waren fingerdicke Teigschlangen, die ich vorher gezwirbelt und zum Nest geschlungen hab. Aus dem Ofen kam dann ein Fladen raus. Aber mit roher Gewalt kriegt man da ein Loch rein, in das das gekochte Ei passt. Ich geb zu, dass ich erst kurz vor knapp gemerkt hab, dass das Ei NACH dem Backen draufkommt, hüstel. Vielleicht hätte ich andernfalls Dr. Ö. wegen seelischer und anleitungstechnischer Grausamkeit verklagen können – und mein Anwalt hätte großmütig auf die Millionenzahlung verzichtet, aber auf das Rausrücken sämtlicher Holzscheiben und all der anderen Deko-Schätze aus der Rezeptkartenwerkstatt gedrungen. Haaaaach, Träume…

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