Eurockéennes 2011, die zweite

02.07.2011 (Tag 2)

Okay, neuer Tag, neues Glück. Der Pressebereich war noch immer so winzig wie gestern, aber dafür entdeckten wir endlich den tags zuvor vermissten VIP-Bereich. Er wurde nur verlegt, nicht gestrichen. Dort war das aus den Vorjahren bekannte bunte Treiben mit vielen Essens- und Getränkeständen, die u.a. sündhaft teure belegte Bio-Brotscheiben, Flammkuchen, Pizzen und international bekanntes holländisches Großsponsorenbier anzubieten hatten.

Foto: Cora Staab

In Sachen Verzehr können sich andere Festivals sowieso eine große Scheibe von den Eurockéennes abschneiden. Das Angebot war äußerst international und umfasste libanesische, senegalesische, spanische, türkische, argentinische, mexikanische, amerikanische, italienische und natürlich französische Spezialitäten.

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Anna Calvi

Die erste gesichtete Performance und auch gleich die erste Attraktion des Tages: Anna Calvi. Die Newcomerin, durchweg in allen Feuilletons und Musikgazetten gefeiert, wandelte am Nachmittag auf den Spuren von Polly Jean Harvey. Bei ihrem Edith Piaf-Cover „Jezebel“ gab sie sich als exzentrische Singer-Songwriterin, die sich nicht daran stört, auch anzuecken und dem Mainstream in die Suppe zu spucken. Gerade besagtes Piaf-Stück wurde vom einheimischen Publikum frenetisch bejubelt und mit „Bravo! Bravo!“ quittiert.

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Foto: Cora Staab

 

Kyuss Lives!

Kyuss leben bekanntlich wieder – zumindest zu Dreivierteln. Am frühen Abend stand John Garcia mit der teilwiedervereinten Band, ergo mit Bassist Nick Olivieri und Schlagzeuger Brant Bjork, auf der Strandbühne und plünderte den Backkatalog der berühmten Wüstenrocker. Der Wunschgedanke, Ex-Kyuss-Mitglied Josh Homme, der am selben Tag mit seinen Queens Of The Stone Age in Belfort Station machte, könnte doch vielleicht seinen drei ehemaligen Kollegen überraschend zur Hand gehen, ging leider nicht in Erfüllung. Aber auch so und trotz des sehr mäßigen Sounds waren Kyuss Lives! gut.

In Sachen Stoner Rock gab es noch eine erwähnenswerte Band auf dem Festival zu bewundern: Drums Are For Parades. Harter, treibender Wüstenrock mit Emo-Einflüssen. Eine bis dato unbekannte, aber überaus konzerttaugliche Mischung.

(kfb)

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Nachtrag zu Tag 1: Es sind drei deutsche Vertreter bei den Eurockéennes 2011: Boysnoize wurden im gestrigen Bericht sträflicherweise unter den Tisch fallen gelassen.

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Foto: kfb