Tag 15

Es geht mal wieder um Erinnerungen an analoge Zeiten. Und um ein Gerät, das heute eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Was nicht heißt, dass jeder richtig damit umgehen kann. Fragt nur im Schloß Bellevue nach.

Gekauft habe ich das Gerät – wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht (und das versucht es in letzter Zeit immer öfter) – Ende der 80er Jahre. Kulturbewahrer ereiferten sich über Anrufbeantworter wie heute über Smartphones und Twitter. Die anderen kauften sie.

Das war auch die Hochzeit der Anrufbeantworteransagetexte. Kurz oder lang, albern oder blöd. Hauptsache nicht 08/15. Achtköpfige Großfamilien hatten nicht nur alle Namen aller Bewohner an der Türklingel, nein, es durfte sich auch jeder – auch die sieben Monate alten Zwillinge Sandra und Jan – auf dem Band verewigen. Andere hielten das eingebaute Billigmikro vor die Box und nahmen ihre aktuelle Lieblingsmusik statt eines Ansagetextes auf. Wenn man bei denen anrief war man nie sicher, ob man auf dem AB oder in einer Bandprobe gelandet war.

Gut Vernetzte hatten Bekannte, die die Stimmen Prominenter nachahmen konnten. Und plötzlich wurde man beim Anruf bei netten, umgänglichen Bekannten plötzlich von einem de Niro-Ersatz derb angemacht: ““Redest Du mit mir? Du laberst mich an? Du laberst MICH an?? Kann es sein, daß Du mich meinst, Du redest mit mir? Ich bin der einzige, der hier ist…! Piiiiiiiep”.

Leute mit mehr Geld und weniger Ideen kauften sich fertig produzierte, „lustige“ Ansagetexte. Bully Herbig hat seine berufliche Laufbahn etwa zu der Zeit mit lustigen „Prominenten“-Sprüchen (Marke „Boris äh Becker“ & co) für den AB begonnen.

Mein Ansagetext war kurz und knackig. Geklaut aus dem Intro zu “Detektiv Rockford – Anruf genügt”. Telefonklingeln und dann: “Hier Jim Rockford. Bitte Ihren Namen und Ihre Rufnummer, ich rufe zurück” – 8 Sekunden und fertig.

Mein Panasonic KX-T1461 nutzte zwei Kassetten und war damit viel flexibler als Geräte mit blöden Aufnahmechips für 15 Sekunden Ansagetexte, die immer klangen wie bei Diogenes in der Tonne aufgenommen.

Mehr als ein Jahrzehnt leistete der KX-T1461 mir treue Dienste. Erst als sich meine Kommunikation mehr und mehr in Richtung E-Mail verlagerte, mehrten sich beim AB die Alterswehwehchen. Irgendwann liessen sich bestimmte Tasten auch mit freundlichen Hieben nicht mehr zu irgendwelchen Reaktionen bewegen.

Findige Bastler könnten das Gerät vielleicht reanimieren, den Ansagetext neu aufnehmen („Hier ist der Anrufbeantworter von Kai Dieckmann. Bitte schimpfen Sie nach dem Piepton“) und ein bisschen in Nostalgie baden…

Was: Anrufbeantworter KX-T1461
Wohin: Bastler. Sonst: Wertstoffhof
Ersparnis: 938g (ohne Netzteil und Kabel, aber mit zwei Kassetten
Neupreis: ca. 299DM
Alter: ca.22 Jahre