Call My Agent! Staffel 2


Du kennst Dich doch aus mit Frankreich“, sagt der Chefredakteur, drückt mir eine DVD in die Hand und ist schon wieder verschwunden, bevor ich auch nur „Au contraire, mon capitain“ oder auch nur „M’enfin!“ sagen kann.

Eh bien. Die erste Staffel von „Call My Agent!“ war nominiert für den International Emmy 2016 als Beste Comedy-Serie. Mit französischer Comedy hatte ich mich zuletzt etwas schwer getan. Aber nach Durchsicht der 6 Folgen kann ich Entwarnung geben. Denn „Call my agent!“ hat nichts Schenkelklopferisches, ist eher Groteske oder Soap. Unterhaltsam, charmant und mit Witz, aber doch mit (fast) allen Elementen einer guten Soap.

Die Serie spielt in einer Schauspielagentur. Da sind die vier Teilhaber:

  •  die ältere, leicht verlebte Arlette, die von ihrer Erfahrung und ihren Erinnerungen lebt und ihren Schoßhund Jean Gabin nennt,
  • die (meistens) lesbische Andrea, die ihr ihre Hormone und ihr Temperament nicht immer im Griff hat,
  • der gutmütige Gabriel, der nicht nur mit dem Mädchen vom Empfang schläft, sondern diese auch noch als Schauspielerin groß herausbringen will und dann Opfer seiner eigenen Eifersucht wird und
  • Matthias, der unter der Trennung von seiner Frau leidet und trotzdem eine Affäre mit seiner exaltierten Sekretärin beginnt.

Aus finanziellen Gründen nehmen die vier einen potenten Geldgeber als neuen Teilhaber hinzu: den erfolgreichen Geschäftsmann Hicham, der auf seine hemdsärmelige Art den Laden umkrempeln will und damit für weitere Verwicklungen sorgt.

Die Ansagen des neuen Teilhabers stossen nicht auf uneingeschränkte Zustimmung

Und dann sind da noch die Klienten, Schauspieler deren Ego gestreichelt und deren Sonderwünsche erfüllt sein wollen. Und hier wird dann richtig geklotzt und nicht gekleckert. Denn jede Folge hat mindestens eine/n namhafte/n Schauspieler/in als zusätzliche Hauptfigur. Und um zu protzen heißen die Folgen nach ihren Stars: 1. Virginie Efira & Ramzy Bedia, 2. Fabrice Luchini, 3. Norman Thavaud, 4. Isabelle Adjani, 5. Guy Marchand und 6. Juliette Binoche (Es spricht für den Stellenwert, den Schauspieler in Frankreich geniessen, dass dort die Folgen nur die Vornamen der Protagonisten tragen).

Die göttliche Adjani und die tolle Juliette Binoche kennt wahrscheinlich jeder, das Gesicht von Guy Marchand kommt bestimmt auch noch vielen bekannt vor („Der Saustall“, „Das Verhör“, „Der Boß“) aber die anderen…?! Ramzy Badia ist ein bekannter französischer Comedian (der Averell Dalton aus dem Till Schweiger-Flop „Die Daltons gegen Lucky Luke“), Fabrice Luchini ist ein hoch angesehener Theater- und Filmschauspieler („Das Schmuckstück“) und Norman Thavaud ist ein YouTube-Star mit über 10 Millionen Abonnenten (⇒Norman fait des vidéos). Aber keine Angst, so wie man Staffel 1 nicht gesehen haben muss, um Staffel 2 zu verstehen, so muss man nicht alle französischen Stars kennen, um seinen Spaß zu haben.

Auch wenn Kritiker der Serien einen bissigen bis zynischen Blick auf die Branche attestestierten ist „Call my agent!“ letztlich doch ein gutmütiges Vergnügen ohne wirklich böse Charaktere. Alles Dramatische, all die kleinen und großen Katastrophen geschehen aus Versehen, durch Mißverständnisse und menschliche Schwächen. Erst beim großen Staffelfinale, das bei den Filmfestspielen in Cannes spielt, werden auch wirklich ernste Themen (#metoo) angeschnitten.

P.S.: Der auf dem Cover neben Adjani und Binoche zu sehende Christopher Lambert hat – im Gegensatz zu seinen Kolleginnen – nur einen Cameoauftritt als geiler, alter Bock, der versucht die jüngste Assistentin des Teams anzubaggern.

(rori)

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