Der junge Inspektor Morse, Staffel 4

Neues von unserem aktuellen Lieblings-Inspektor, dem Mann mit dem Hang zum Grübeln und dem Gespür fürs Verbrechen.
Wo seine Kollegen an Unfälle glauben (wollen), da ahnt Morse schon Niedertracht und finstere Machenschaften („Zwei Ertrunkene an einem Tag. Das ist doch ungewöhnlich“). Und – spoiler alert! – hat am Ende immer recht.

Wir schreiben inzwischen das Jahr 1967. Die Serie hat weiter ihren anachronistischen, sepia-getönten Charme, aber ins beschauliche Oxford halten nun langsam Fortschritt und Wandel Einzug mit Farbfernseher, Computer, Kernkraftwerk, Rockmusik und den Ausläufern von Swinging London.

Auch im Privaten gibt es Veränderungen zu verkraften. Den Thursdays ist die Tochter und Morse die große Liebe abhanden gekommen. Darüber hinaus verhindern obskure Seilschaften die  Beförderung des jungen Inspektors. Das alles lastet auf dem Ermittlerduo Thursday/Morse. Ersterer bekommt viel Gelegenheit grimmig-brummig vor sich hinzustarren, letzterer ist nahe dran seine Nerven zu verlieren. Das Vater-Sohn-ähnliche Verhältnis der beiden stellt das auf eine harte Probe. Denn Kommunikation ist eindeutig nicht die Stärke der Protagonisten und so steht ständig Unausgesprochenes im Raum und sorgt für gereizte Stimmung.

All das aber hindert unseren Helden nicht daran, seiner Arbeit nachzugehen und in den vier, 90minütigen Folgen der Staffel 4 gleich mehreren Serienkillern (und einem potenziellen) das Handwerk zu legen. Morse ist aber kein geistiger Überflieger a la Sherlock Holmes. Und so sehen wir ihn immer wieder beim Nachdenken, Notizen machen, Notizen durchgehen, Zeugen befragen,… Das und die immer wieder eingesetzten langsamen Kamerafahrten, Stillleben und fast schon lyrisch wirkenden Schwenks unterstreichen: Polizeiarbeit ist ein langer ruhiger Fluß.

Licht ins Dunkel: Endeavour Morse // (c) ITV Plc

P.S.: Wie gewohnt etwas Erbsenzählerei zum Schluß. Denn dass der Computer ausgerechnet für ein Matt in einem Zug (das offenbar auch niemand seiner Betreuer oder der Zuschauer erkannt hat) 40 Minuten Bedenkzeit braucht ist vielleicht noch mit einem Programmierfehler zu erklären. Richtig falsch wird’s aber zu Beginn der ersten Partie wenn der Computer 1. d4 schreibt (in der damals in England noch gebräuchlichen beschreibenden Notation P-Q4) im dazugehörigen Diagramm aber 1.e4 zieht. Ts, ts…