Win-win Situation

„Er ist einer der beliebtesten und kompetentesten Moderatoren Deutschlands. Gemeinsam mit ihm werden wir nicht nur die Marke ‚ran‘ erstklassig präsentieren, sondern auch die journalistische Kompetenz von Sat.1 weiter ausbauen.“

Sat.1-Geschäftsführer Guido Bolten

Der erste Satz gilt nur in einem Deutschland fernab unserer kleinen Gemeinschaftspraxis. Aber das mit dem Ausbau der journalistischen Kompetenz stimmt wohl. Nicht nur für Sat.1, sondern auch fürs ZDF.

Nachtrag:

Mit der Verpflichtung des “Flach-Plauderers’ (turi2) entwickelt sich Sat.1 immer mehr zur “Bad Bank’ des deutschen Fernsehens

blogmedien.de: Abwrackprämie für Kerner

Schön wär´s

Zu den Plänen für Schmidts Zukunft sagte Kogel: „Wir haben ganz klare Vorstellungen, wo wir hinwollen.“ In einem Wahljahr „will man Schmidt auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert“. Es gehe darum, „die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt, vergleichbar mit dem US-Polit-Komiker Jon Stewart – aber eben Harald Schmidt.“

So war es Ende letzten Jahres zu lesen.
Auch wenn hier keiner so recht dran glauben mag, schön wär´ es schon, wenn Schmidt nach seiner Frühlings- und Sommerpause nur halb so viel Energie an den Tag legen könnte, wie Stewart in seiner Abrechnung mit den Finanz“gurus“ von CNBC.

Jetzt wein‘ doch endlich, du blöde Kuh!

Wissen Sie, Reich-Ranickis Sendung war immer Rummelfernsehen, jeder Zuschauer hat gehofft, vielleicht bin ich dabei, wenn Karasek Reich-Ranicki erwürgt. Das war Catchen im Schlammbad.

Lesetipp: Charles Lewinsky, Schweizer, ex-Fernsehmann und Buchautor („Talkshow“, „Mattscheibe“) im SZ-Wochenendinterview (→„Scheiße, ich schalte um“) über Verbrauchsware Mensch, Shitpoint und den kleinen Unterschied:

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Rausschmeissen!

Es ist entlarvend, dass das ZDF den unfairen Kritiker Reich-Ranicki für seine ahnungslose Pauschalkritik mit einer Sendung belohnte, die Kritikerin Heidenreich für ihre begründete Pauschalkritik aber bestrafte, indem es ihr die Sendung wegnahm.

(…)Aber natürlich kann das ZDF statt auf unbequeme Menschen wie Heidenreich in Zukunft noch konsequenter auf Moderatoren vom Schlage eines Johannes B. Kerner oder Markus Lanz setzen, die natürlich nie etwas gegen den Sender sagen würden (aber seinem Image mit jeder Sendung, die sie moderieren, mehr schaden).

Stefan Niggemeier: →Das ZDF hat´s nicht begriffen

Veronica Ferres?

Stefan Niggemeier stellt in der FAZ ↑50 Fragen an das Fernsehen wie

18. Was würde passieren, wenn man Marco Schreyl seine Moderationskarten wegnimmt?

28. Wird es in absehbarer Zeit wieder Tage geben, an denen Johann Lafer nicht im ZDF zu sehen ist?

41. Warum sehen die meisten Comedians nur lustig aus?

49. Wie ist Sibylle Weischenberg ins Fernsehen gekommen? Und vor allem: Wie kommt sie wieder raus?

Showpopulist

Stefan Raabs Show geht als eine der erfolgreichsten im deutschen Fernsehen als eindeutiges Argument gegen die Demokratie durch. Wenn Raab sich in seiner überheblichen, dummdreisten Art über die unbeholfene und nicht gerade souveräne Sprecherin einer Kleinstpartei lustig macht und ihre Forderung nach einem Grundeinkommen – keineswegs ihre Erfindung, sondern eine seit langem diskutierte Alternative für den Sozialstaat – als lächerliches Hirngespinst darstellt und sich das Publikum dabei feixend auf die Schenkel klopft, dann möchte man lieber nicht dabei sein, wenn der Dumpfionär und seine Anhängerschaft über viel weiter reichende Gesellschaftsmodelle abstimmen müssten.

Johnny Haeusler: →Der Maulwurf aus diesem Internet

Atemlos

Na gut, die Frau [Senna] kann vielleicht singen. Moderieren aber kann sie nicht – es sei denn, moderieren wird neuerdings dadurch definiert, jemanden so schnell sprechen und nach jedem Satz so hörbar nach Luft schnappen zu lassen, dass der Notarzt im Studio schon ganz nervös auf seinem Stuhl herumrutscht.

Peer Schader in der FAZ über die neue ProSieben-Show „Singing Bee“: ↑Schiefer die Töne nie klingen

Alle Jahre wieder

Puh, RTL & Co, da weht Euch aber der amtskatholische Zornesatem direkt ins Gesicht. Einige Bischöfe haben in ihre Fernsehzeitschrift geschaut und waren nicht amüsiert wie der Spiegel zu berichten weiß.

Für den neuen Münchner Erzbischof Reinhard Marx sind derartige Actionthriller zu Ostern nicht akzeptabel: „Ich schaue mir so etwas nicht an“, erklärte er mit Blick auf Filme wie „Sudden Death“ oder „Stirb langsam“ am Karfreitag.

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Kinski, übernehmen Sie!

In der Süddeutschen von heute zu lesen (aus Anlass der – auch gefühlt – tausendsten Sendung von Johannes B. Kerner):

Bald wird Johannes B. Kerner, 43, die Leitung seiner Kochsendung (Freitagabend) abgeben. Es mache ihm keinen Spaß, immer dieselben Fragen zu stellen. Und wenn nur einmal die Schauspielerin Nastassja Kinski in seine Talkshow komme, dann würde er aufhören. Sagt Kerner.

Kerner

Stöckchenspringer

Das scheint eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit zu sein, dass nach solchen Entgleisungen wie der von DJ Tomekk ein gemeinsamer öffentlicher Wettlauf beginnt, mit dem sich möglichst viele Leute so lächerlich zu machen versuchen, dass die auslösende Dummheit dagegen fast verblasst.

Stefan Niggemeier in seinem Blog über die → Höchststrafe für DJ Tomekk

Und dann kommt, unvermeidbar wie eine Lawine – Michel Friedman.

Simulation von Echtheit

Natürlich ist Cicero ein überragender Sänger; sein Stück lag, was Arrangement und Vortrag anging, weit über dem Durchschnitt. Aber Swing ist eigentlich eine popmusikalische Antiquität, für die man historisch empfänglich sein muss. Für Westeuropa ist der Glenn-Miller-Sound der des Aufbruchs, der Liberalität, für Osteuropa erst einmal kurios. „Frauen regier’n die Welt“ ist ein ironischer Titel; Cicero macht Wirtschaftswunder-Pop für die Wir-sind-wieder-wer-Deutschen. Hierzulande scheinen sich Frauen dieses gespaltene Bewusstsein leisten zu können, einen Sänger anzuhimmeln, der ihnen mit Augenzwinkern versichert, dass er auf Emanzipation so wenig Lust hat wie ein Kind aufs Zähneputzen.

Daniel Haas im Spiegel: ↑ Heulsusen regier’n die Welt

Glücksverdummt

(…) selbst die gute alte Klimakatastrophe ist nichts gegen das glücksverdummte Dauerschwadronieren über Kinder, Küche und Kabinett. Aber gut, warum nicht. Glück macht dumm und wer glücklich ist, dem geht der Mund über. Kinder machen nach einer alten Vorschrift besonders glücklich, also muss noch viel mehr gequasselt werden als sonst schon im deutschen Fernsehen.

Willi Winkler in der Süddeutschen über Mutterglück auf allen Kanälen

Movers & shakers

Es gibt Sender, die will in unserer Gemeinschaftspraxis niemand freiwillig sehen. Sender wie Super RTL, TM3 oder Sat1. Und dann gibt es Sender, die hier niemand anschaut, auch wenn er/sie es wollte. Sender wie der ZDF Theaterkanal, Der Schmuckkanal, Bibel TV und Wein TV. Sender für die man so häßlich klingende Dinge wie Set-Top-Boxen oder Pay-Tv-Abonnements benötigt.


Zu diesen Sendern gehört auch Sat.1 Comedy, in aller Bescheidenheit „die erste Adresse für gute Unterhaltung und Programmvielfalt“ genannt.

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So jung und schon so rostig

Dank Internet können wir heute schon zitieren wie die taz morgen den Tatort von übermorgen („Der Tote vom Straßenrand“) verreisst:

So unverbindlich wurde schon lange kein Plot im „Tatort“ mehr zusammengeschraubt. Der Saarländische Rundfunk ist ja sehr stolz darauf, das jüngste Ermittlerteam am Start zu haben. Blöde nur, dass es wie aus dem Ersatzteillager des Wochenendkrimis zusammengebastelt wirkt.

Gelebte Langeweile

Für das Expertentum

American Football, ARD, 4./5.2.2007

„In 233 Länder“ hören wir, wird der Superbowl übertragen, aber nur die ARD hat einen American Football-Experten namens Boris Becker. Ok, die Frisur sah selten so scheiße aus und er kann einen punt return nicht von einem kickoff return unterscheiden. Aber auf Weisheiten wie

„Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft, die die meisten Punkte macht, auch gewinnt“

möchten wir auch in Zukunft nicht verzichten. Also, ARD, weniger Geld für Kommentatoren, die eh die Hälfte der Zeit daneben liegen („so lange man in Ballbesitz ist kann der Gegner nicht punkten“ – noch nie was von safety gehört?) und arme Reporterschweine, die im strömenden Regen reportieren müssen, dass sie auch nichts Genaues wissen und stattdessen noch mehr Geld für Promiexperten à la Bobbele und co.

Reliefpfeiler

Ach, ZDF! In deiner wahnsinnig aufregenden Spielshow „Sudoku“ stellt man doch tatsächlich die Frage

Was ist kein Anagramm?
a) Anna
b) Rentner
c) Lagerregal
d) Sudokus


Und der österreichische Charmebolzen Christian Clerici („Ich dachte, Sudoku sei ein Reisgericht“) erläutert für die Ungebildeteren noch, dass ein Anagramm ein Wort sei, das von vorne wie hinten gelesen gleich ist.

Anagramm mit Palindrom verwechselt? Muß dir nicht peinlich sein, ZDF. Hat ja eh keiner gesehen.

Ole

Sag mal, Beckmann, darf man einen Trainer wie den der spanischen Nationalmannschaft, der gerne flucht und seine – also die spanische – Mannschaft einen richtig flotten Stiefel spielen lässt wirklich mit Otto Rehagel vergleichen?

Wir sagen: Nein!

gez.: Kommando Hans Meyer

P.S.: Bei ARD-Gewinnspielen muß man nicht mitmachen. Hört also auf, hier nach dem Spitznamen von Helmut Schön zu suchen!

P.P.S.: Die Antwort ist natürlich c) Der Mann mit der Mütze. Siehe auch Udo Jürgens: „Der Mann mit der Mütze“.