Helge Schneider and the Firefuckers: Eiersalat in Rock

Der Einstieg in die aktuelle CD („Eiersalat in Rock) des Konzeptkünstlers Helge Schneider könnte nicht pointierter sein. Der Opener „We are the Firefucker“ setzt betont ein betont luftiges, intimes und dynamisches Klangbild ab. Insgesamt muß gesagt werden, daß bei allen Rezensionen des Komponisten Schneider immer wieder die klangtechnische Komponente zu kurz kommt. Die Aufnahmephilosophie von Schneider orientiert sich an dem One-To-One Verfahren, das im 26-Bit-Verfahren abgemischt wird, wodurch die Musiker besonders feinsinnig interpretiert werden. Die Wucht der Orchester-Tutti wechselt sich mit feinsinnigen Schwelltönen der Solisten und zeigt Schneider als jenen entdeckungswerten Künstler, der uns auch schon Werke wie „Dahumm“ abgeliefert hat.

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Tom Petty: Echo

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Tom Petty, in meinem Besitz hab ich einen Billig-live-Mitschnitt der bekannten Petty Hits (Into the great white open,…) und „Wildflowers“ von 1994 und jetzt eben die aktuelle „Echo“. „Echo“ hab ich mir eigentlich nur zugelegt, weil mir „Wildflowers“ mit knarrziger, zeitloser Musik im Gedächtnis ist. Alte Bekannte trifft man ja manchmal auch ganz gerne. Wie bei alten Bekannten fragt man sich dann hinterher oft, sag mal war der immer schon so? Ja genauso war der früher!

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Live: Chris Knox

München/Substanz 19.10.1998

Eingefleischte Provinzler (zugegebenermaßen bin ich einer davon) schauen mitunter doch neidisch auf das Kulturangebot der großen deutschen Metropolen. Wenn sich dann doch die Gelegenheit ergibt sich in solchen Zentren des medialen Angebots zu bewegen, dann greift man doch gerne zu. So hab ich mir dann eine Ladung Neuseeland-Pop-Noise, den guten Chris Knox nämlich, gegönnt. Straßenkarte rausgenommen, Zielort München-Südbahnhof anvisiert und erfolgreich erklommen. Die erste Schlacht ist geschlagen, das Auto ist geparkt (das ist ja schon was für die Leut aus der Provinz). Das Substanz selbst ist dann eher eine Enttäuschung. Auch in München spielen durchaus gute Leute auf kleinen Bühnen, mit kleinen Anlagen vor relativ wenig Leuten. Soviel zur Provinz, kommen wir zu Chris Knox.

Chris Knox gehört in die Schublade Neuseeland – Flying Nun. Auf dem Flying Nun Label (80% der Veröffentlichungen kann man blind kaufen) erscheinen neuseländische Bands in einer Anzahl, das man den Eindruck gewinnt, daß Neuseeland nur aus Schafen und Musikern besteht. Munter wechseln die Musiker zwischen verschiedenen Bands hin- und her und machen doch immer wieder diese wunderbar schräge und doch schöne Popmusik, die dann auf Samplern oder regulären Alben erscheint. The Clean, The Chills, Talldwarfs David Kilgour und eben Chris Knox sind einige Namen aus den Veröffentlichungen des Labels. Chris Knox ist vielleicht der schrägste Vogel unter den genannten, was er dann auch im Substanz in München unter Beweis stellt. Er beginnt das Konzert damit, daß er sich zunähst mal auszieht! In Shorts und französischen Strandschlappen schnallt er sich dann die Ovation E-Gitarre (!!!) um und schrammelt sich, als eine Art neuseeländischer Bob Dylan durch das Konzert. Bewaffnet mit Kopfmikro, Drumcomputer und Gitarre und mit einem Humor, der nicht aus Deutschland kommen kann, singt er seine Texte vom Notenständer ab und bietet nicht gerade das, was man schon mal als professionelles Konzert gesehen hat (aber vielleicht nie sehen wollte).

Eigentlich steht ein wichtiger Satz schon am Anfang des Konzertes (noch bevor er die Hose auszieht und lange bevor er zu singen anfängt). „He Leute: In der letzten halben Stunde ist hier mehr Musik aus Neuseeland gelaufen, als in Neuseeland selbst gespielt wird“ (Den gleichen Eindruck hatte ich auch immer bei den sogenannten Neo-folk Bands aus San Francisco) Vollkommen unkompliziert wird der Zuschauer Teil des Konzertes: „Soll ich die Gitarre etwas lauter machen? So? Laut genug?“ Ich kann mir nicht vorstellen, daß Mick Jagger so eine Frage stellen würde. Dann irgendwann steht Chris Knox mit seiner Gitarre zwischen den Zuschauern und rockt ganz heftig auf E-Dur, das kann man sich bei Keith Richards auch nicht mehr vorstellen. Ich bin dann immer wieder ganz gerührt, wenn neben dem schrägen Geschrammel eine Popmelodie erstrahlt, die nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Zwischen den Liedern macht er immer mal wieder darauf aufmerksam, daß es anschließend noch wunderbare Platten von ihm zu kaufen gäbe „Nur fünundzwanzik Mak“. Ich hab mich dann auch brav angestellt und zwei Exemplare gekauft. Chris Knox hat dann noch jeweils ein Bildchen draufgemalt und ich bin gutgelaunt nach Hause gefahren. Klein aber mein.

(fw)

Sheryl Crow: The Globe Sessions

Das CD-Cover bringt es schon zum Ausdruck, die Platte „The Globe Sessions“ ist klar auf eine Person zugeschnitten: Sheryl Crow. Vorn das Gesicht, hinten ist sie ganz zu sehen, nachdem Aufklappen sieht man sie halb. Legt man die Platte auf geht es weiter, die Stimme von Miss Crow ist eindeutig im Vordergrund, der Rest der Band macht seinen Job. Naja macht auch Sinn, Frauen sind in der letzte Zeit weit oben in den Charts und Sheryl Crow ist ja eh ein Star.

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Steve Wynn: The Suitcase Sessions

Die Firma NORMAL hat zwei Geschäftsbereiche, zum einen verdient die Bonner Firma mit ihrem Mailorder Vertrieb ihr Geld, zum anderen stellt NORMAL RECORDS auch ein Plattenlabel dar. Neben der Neuseelandfraktion The Chills, The Clean sind die Australier Beasts of Bourbon, Kim Salmon und die San-Francisco-Leute Chris Cacavas und Swell auf oder über NORMAL Records in Deutschland erschienen. Seit geraumer Zeit erscheint nun bei NORMAL Mailorder eine limitierte Sonderedition („Return To Sender“) von NORMAL Künstlern, die altbekanntes oder neues Material in besonderer Form präsentieren. Angefangen hat das ganze mal á la Unplugged, mittlerweile spielt die Form eine untergeordnete Rolle, häufig ist es Archivmaterial oder Livemitschnitte der Künstler. Allen gleich ist, daß es von der jeweiligen Platte nur 2000 Kopien gibt und das sie in Deutschland exklusiv nur über NORMAL Mailorder zu beziehen sind.

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Hannah Marcus – Faith Burns

„Na klar bespreche ich die“, hab ich bei der letzten Redaktionssitzung laut getönt und den Rest der coolen Gang nicht mehr an die Scheibe rangelassen. War ja auch irgendwie berechtigt, hab ich doch Hannah Marcus schon mal live gehört und Normal-Records und Neo-Folk gehören eh zu meinen Favorites. Um es gleich zu sagen: So richtig warm werde ich nicht mit der Platte und im Winter ist dies ja besonders wichtig. Aber eins nach dem anderen.

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Frank Wagners Inselplatten

Die 10 Platten, die man aus seiner Plattensammlung mitnehmen würde, wenn man auf eine einsame Insel müßte. Platten die einem ans Herz gewachsen sind, die man einfach nicht zurücklassen könnte, weil sie ein Teil der eigenen Biographie sind. Vielleicht sind es nicht die besten zehn Platten der Welt, aber zumindest einige meiner liebsten.

  1. Joni Mitchell : „Shadows and Lights“
    Eine Platte bei der es für mich unmöglich ist einen einzelnen Song herauszugreifen. Vielleicht die beste Band der Welt, was das technische Können angeht. Die Autorität von Joni Mitchell sorgt dafür, daß dies nichts schadet und führt dazu, daß sich alle anderen Bands mit Frauenstimme an dieser Platte messen lassen müssen und (fast) immer scheitern.
  2. James Taylor: „Greatest Hits“
    Auch heute kann ich noch jede Textzeile dieser Platte mitsingen. Natürlich ist das Hippieschmalz und wehleidiges, selbstgefälliges Gejammere. Aber wo, wenn nicht auf der einsamen Insel, soll man solches Zeug denn sonst hören.
  3. Yo La Tengo: „Elekctr-O-Pura“
    Auch bei Yo La Tengo ist es schwer aus ihren Gesamtveröffentlichungen eine Platte herauszugreifen. Neben den guten Songs und vielem anderen mehr ist es für mich einfach die unpeinlichste Gitarrenarbeit in den Neunzigern.
  4. Beatles, The:“Sgt. Pepper’s Lonley Hearts Club Band“
    Letztendlich in den Top Ten, weil ich auf „A Day In A Life“ nicht verzichten will. Hat nichts damit zu tun, daß sie von den meisten Leuten genannt wird.
  5. Silver Jews: „Starlite Walker“
    Diese Platte hat mir, stärker noch als die Pavement Veröffentlichungen, den Weg für alternative amerikanische Rockmusik bereitet.
  6. Velvet Underground, The: „The Velvet Underground & Nico“
    Die vier sonnenbebrillten Gestalten (Mo Mucker ging ja immer als Junge durch) und die elfenhafte Nico sind für mich speziell mit diesem Album die 60er Jahre, noch mehr als die Beatles.
  7. Go-Betweens: „1978-1990“
    Auch hier kann ich jede Liedzeile mitsingen. Best Popsongs ever. Hier ziehe ich das „Best of“ Album den regulären Veröffentlichungen vor.
  8. Rockers Hi-Fi: „Mish-Mash“
    Weil sie mir wahrscheinlich den Einstieg in die elektronische Muisk der ausgehenden Neunziger Jahre ermöglichen, wird in zehn Jahren ein Klassiker sein.
  9. Eddie Cochran: „Best of“
    Eine gute Rock´n Roll Scheibe sollte natürlich mit auf die Insel gehen. Die Wahl fällt eher zufällig auf den guten Eddie. Hier wäre vielleicht ein guter Sampler die bessere Wahl (mit Jerry Lee „The Killer“ Lewis, Carl Perkins, Chuck Berry und dem King etc.)
  10. Young, Neil: „Harvest“
    Neil Young ist natürlich als Gesamtwerk bedeutend, aber wenn ich schon wählen muß, dann doch den Hippie.

G. Love & Special Sauce – Yeah It´s That Easy

Der G-Punkt der Liebe und seine Specialsauce habe eine neue Platte gemacht und alles dreht sich um Philadelphia. So wird im Song I-76 ausführlichst über die Philadelphia 76ers berichtet. Angefangen von den Legenden Moses Malone und Julius Erving („Dr. J“) steht vor allem Charles Barkley („Sir Charles“) im Vordergrund („Charles Barkley dissed Larry Bird“). Auch die aktuellen Stars Allen Iverson (Rookie of the year 96/97) und Jerry Stackhouse finden Erwähnung. Das haben sie ja auch verdient, bedenkt man doch, daß die 76ers in der letzten Saison das sechstbeste Offense-Team der Liga waren (100,2 Punkte pro Spiel). Damit waren sie sogar besser als die Lakers! Mit der grottenschlechten Defense (106,7 Punkte pro Spiel) war das Erreichen der Playoffs natürlich unmöglich. Ob es in diesem Jahr besser wird, bleibt zu bezweifeln. Zwar wurden mit Jim Jackson von den Dallas Mavericks und Terry Cummings von den Seattle Supersonics zwei halbwegs ordentliche Leute verpflichtet, aber ob sie der Defense den nötigen Halt geben?

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Chris Cacavas: Anonymous

Irgendwann in den Achtziger haben Dan Stuart und Chuck Prophet den guten Chris „Chez“ Cacavas einfach nicht mehr zu den anstehenden Aufnahmen der gemeinsamen Band Green On Red eingeladen. So hat der Keyboarder der Band gedacht, daß in allem Schlechten auch etwas Gutes steckt, sich seine schlummernden Solopläne zu Herzen genommen, die Gitarre gepackt, die Stimme geölt und eine Platte gemacht (Chris Cacavas & Junkyard Love – s/t; 1989 Heyday Records). Mit den Junkyard Love hat er dann weitere 3 Platten aufgenommen (plus zwei Return-To-Sender-Veröffentlichungen beim Mailorder Label Normal).

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Luna – Pup Tent

Gute Gitarrenarbeit ist im Zeitalter der digitalen Vertonung von Emotionen zu einem Suchen nach Nuggets in schlammigen Wasser geworden. Wie einst die alten Goldschürfer durchwühlt man seinen Claim, wobei die Hoffnung auf neue Funde täglich schwindet. Findet man denn doch einen solch funkelnden Klumpen, so ist die Freude um so größer. Aber genug mit dem Fabulieren, mit „Pup Tent“ von Luna ist endlich mal wieder eine Bandplatte herausgekommen, die solche Freude aufkommen läßt.

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The Hooblers: Can You Do This

In der Popmusik gibt es nichts Neues mehr, dieser Satz ist so banal, wie meist wahr. Häufig liegt es noch nicht einmal am Wollen und am Können der Musiker, sondern eher an den Marktgesetzen. Will man kommerziellen Erfolg haben, muß das Produkt vergleichbar, in Schubladen sortierbar sein und für den Kunden einen hohen Wiedererkennungsgrad haben. Ist die Platte trotzdem clever gemacht, dann stört dies auch die ehrliche Seele eines kritischen Vielhörers nicht. Nehmen wir beispielsweise die Plagiatmeister von Oasis, die es mit solchen Methoden schafften sich für eine Weile in unseren Herz hineinzuschmeicheln. Einen Hit kann man als Rechtfertigung für Diebstahl gelten lassen.

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Bowery Electric – Beat

Bowery Electric – Beat (1997, CD) - Discogs

Einst bei My Bloody Valentine kamen die Leute und wollten diese Platte umtauschen, weil die CD leiern würde (den Kassenzettel hatten sie natürlich dabei). Erst nach stundenlangen technischen Ausführungen konnten die Timingschwankungen als Stilmittel entlarft werden. Desweiteren gingen die Käufer mit der melancholisch anmutenden Erkenntnis nach Hause, daß es im CD Zeitalter ein Leiern nicht mehr geben kann.

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Pat Thomas – New Directions In Music By Pat Thomas: Valium

Irgendjemand hat mir gesteckt, daß der gute Pat Thomas vor den Aufnahmen zum Album „New Directions In Music By Pat Thomas: Valium“ unsanft von seiner Freundin abserviert wurde und sie nun Ex nennen darf. Ob dies der entscheidende Einfluß war oder ob er sowieso neue Wege im Rahmen der Pat Thomas Musik gehen wollte, am Ende steht ein Brocken von Album, an dem man erst einmal zu würgen hat. Da ist nichts mehr von dem Etikett „Neo-Folk“ und den damit verbundenen sanften Harmonien, sondern Pat zeigt uns seine schmutzigen Straßen von San Francisco.

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Die Single-Connection II

Im Zeitalter der digitalen Tonerzeugung und Tonverarbeitung hat die CD das Vinyl massenmäßig längst verdrängt. Ein Relikt der vergangenen Zeit ist demzufolge auch die Single (Übers.: kl. Schallplatte). Trotzdem hat sich der Begriff aus der Vinylzeit auch in das CD-Zeitalter gerettet. War die Vinyl-Single ganz klar eine Scheibe mit zwei Liedern und auf 45 abzuspielen, so werden unter dem Begriff CD-Single ganz unterschiedliche Formate und Produkte zusammengefaßt. Gemeinsam ist ihnen die Größe, die der eines CD-Albums entspricht, dies aber auch nur, weil sich die 3-Inch-Mini-Single auf CD nicht durgesetzt hat. Die Singles von Rockers Hi-Fi, Blur, Fun Lovin´Criminals, Dinosaur Jr. und den Radar Bros. zeigen wie bunt die Single-Welt sein kann.

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You Am I: Hourly, Daily

Es gibt einen Haufen guter Bandnamen. YOU AM I gehört sicher nicht dazu, das klingt sowohl auf englisch, als auch in deutsch (Du bist Ich) ziemlich scheiße. Normalerweise haben die Australier doch immer Stil. YOU AM I sind ein Trio und kommen aus Australien, klingen aber nicht so und sind dort allerdings schon groß, so ging das aktuelle Album „Hourly, Daily“ auf Platz 1 der Aussie-Albumcharts. Nicht umsonst erscheint das Album bei Warner Bros. und ist eine clever gemachte Produktion.

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Yo La Tengo: I can hear the heart beating as one

Nach der B-Seiten Veröffentlichung („it smells like a B-Side“) „Genius and Love = Yo La Tengo“ gibt es nun das reguläre Album der alten Tante Yo La Tengo. Das Werk ist ganz poetisch mit „I can hear the heart beating as one“ betitelt. Der Cosmos von Yo La Tengo ist begrenzt, Veränderungen spielen sich nur im marginalen Bereich ab, unerwartete Dinge gehören nicht zu den bevorzugten Lebensgefühlen. Nukleus der seit 1984 bestehenden Band ist das Ehepaar Georgia Hubley (Drums, Voc) / Ira Kaplan (G, Voc), ergänzt um den etwas fülligen James McNew am Bass, der nach wechselnden Besetzungen so etwas, wie ein festes Bandmitglied zu sein scheint, was auch seine wachsendes Bedeutung bei den Songs erklären könnte. Das Idyll wird durch Produzent Roger Moutenot ergänzt, der nun auch schon seit Jahren dieses Job macht. Bei Yo La Tengo ist alles etwas langsamer und gemütlicher, man könnte anders aber auch sagen, sie sind in ihrem seelischen Gleichgewicht. Na ja, sie machen ja auch keine twenty-something-Musik sondern eher thirty-and-more.

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