V.A.: Comfort Zone

Chill Out, Lounge, oder Home Listening- alles Begriffe, die einen Musikstil umschreiben, bei der man auf grund der schwebenden Flächen, eines langsamen, dezenten Rhythmus und Tupfer klassischer Instrumente, wie Rhodes Piano, Trompete und Stimme, ausruhen kann. Das ganze wird dann noch leicht jazzy durch das sparsame Verwenden von Jazz Akkorden angemalt. Natürlich darf die Elektronik moderner Geräte wie Nordlead nicht fehlen. Voilà, fertig ist die Sosse! Natürlich schmeckt so ein Süppchen selten deftig, sondern allzuoft wird der Beigeschmack fade, denn mittlerweile überschwemmt der Chillout Sector den Markt mit Samplern wie diesem. Es beschleicht mich das Gefühl von Beliebigkeit, Geblubber und Gedaddel auf Teufel komm raus….Nur nicht aufregen- schließlich höre ich ja Chill Out.

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Orbital: The Altogether

Alle Jahre wieder bescheren uns die Gebrüder Hartknoll eine neue Lektion wie sich elektronische Musik in England anzuhören hat – großspurig, ravend, ohne minimale Ausflüge auskommend. So die Bestandsaufnahme bis dato. In Verbund mit den anderen Größen der Insel so wie Underworld, Prodigy und den Chemicals sind Orbital einen Tick weniger Hauruck und versuchen doch eine Menge Abwechslung in ihr Programm einfließen zu lassen.

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DJ Krush: Zen

Japans Altmeister DJ Krush mit seiner Shaolin Weisheit in Form von Breaks und Rap hat wieder Speck angesetzt- will sagen, dass er den Pfad der Tugenden seines Vorgänger – Albums „Kakusei“ verlassen hat und das bloße Beatgefrickele mit Fleisch versehen hat. Und was für welches! Die Augenschmaus – Legende der Brand New Heavies N`Dea Davenport könnte die Gallionsfigur bilden und steuert ihr sexy Organ „With Grace“ bei (welch ein blödes Wortspiel).

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Ruby: Short-Staffed At The Gene Pool

Es ist fast eine Gesetzmäßigkeit, dass Künstler, die mit ihrer Erstveröffentlichung einen bahnbrechenden Erfolg hatten und dann in der Versenkung verschwanden, um dann Jahre später noch einmal mit einem heiß erwarteten Nachfolger aufzutrumpfen, zum Scheitern verurteilt sind. So geschehen bei den Stone Roses (noch im Rahmen), Goldie (nicht mehr im Rahmen) und – um ein nationales Beispiel zu nennen – Liquido (war meiner Meinung noch nie im Rahmen – die Verkaufszahlen sprechen hier aber eine andere Sprache).

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Oval: Oval Kommers

Eine Geschichte, bei der sich der Handlungsstrang nicht von selbst erklärt, ist selten für diejenigen ein Vergnügen sich damit beschäftigen, die kein Interesse an Hintergründigkeit hegen. Die fünf Ws der klassischen Journalistenschule sollten für Fastfoodinformationsverarbeiter sofort lesbar sein. Deshalb können solche Zeitgenossen sowohl diese Rezension überspringen, als auch das Sujet missachten, denn die Geräuschwelt des Ovalmasterminds Marcus Pommer ist ohne Hintergrundsinformation schwer verdaulich.

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Squarepusher: Go Plastic

Nach „Music is rotten one note“, dem 70-er Fusion Soundalike mit Kellerproduktion und Liveinstrumenten hatte ich Tom Jenkinson aus dem Auge verloren, erzählte mir jemand, das darauffolgende Album sei doch recht gewöhnlich und langsam und vielleicht gab es auch Spannenderes zu dem Zeitpunkt. Auf alle Fälle kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, warum ich nach „Music is…“, die mit seiner Bitches Brew – Aura eine Art unpopulärsten Retro zelebrierte, nicht weiter für ihn interessierte.

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VA: Input 64

Wer ihn sich damals gekauft hat und das Teil mit Spielen über Datasette gefüttert hat braucht diesen Beitrag der Tonkultur nicht unbedingt, es sei denn die Ladezeit zum reinen Musikhören wäre dem interessierten Liebhaber zu lang. Seit Spex (03/01) und Intro die Ministeck und 8 – bit Pixelästehetik auf das Schild einer neuen Retrocoolness gehoben haben schau ich auch öfters mal auf den Flohmärkten nach diesen braunen Plastikkasten mit Riesenfloppy und Joystick. Zugegeben war ich als die Dinger damals auf den Markt kamen eher genervt von den pickligen Strebern, die in der Schule zu Mathe auch noch Basic lernten und von dem Ding angefixt waren.

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Supreme Beings Of Leisure: s/t

Wie eine launische Diva, die alles verspricht, aber nichts davon hält. Bei Supreme Beings Of Leisure kann man den Namen beim Kinde nennen, denn wie ein solches verhält sich die Musik zum Etikett, das darauf verweist, dass der Käufer luxuriöses Klanggut erwirbt. Mit anderen Worten, schön, aber nicht essentiell.

Das kurzweilige Vergnügen ohne Haltwertszeit hat alle Ingredenzien zu einer Muzak, die den Thirtysomethings der Max- und Arabella Kiesbauer-Generation gerade gefällt, wenn’s mal etwas progressiver sein darf: A bisserl trip hoppy, a bisserl orientalisch, „…die Frau hat echt ’ne coole Stimme, erinnert irgendwie an…“, auch Gitarren und handwerklich sauber.

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Mouse On Mars: Idiology

Mouse On Mars waren bis zur zweiten LP „Iahora Tahiti“ eine dubbige Angelegenheit, die auf einem englischen Indielabel namens „Too Pure“, mit solch illustren Namen wie Laika, Stereolab und dem PJ Harvey-Erstling 1994 eine E.P. namens „Frosch“ herausbrachten und damals meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zogen. MOM sind seitdem eine Ausnahmeerscheinung, da sie bei jeder Folgeveröffentlichung regelmäßig zu den Lieblingen der Journaille gekürt werden, und das nicht nur im Heimatland. Deutsche Experimentalelektroniker haben in England ja Props ohne Ende. Da kommt sofort der ganze Kraftwerk-, Krautrock- und Can-Schwall rüber („Oh, you are Tschörman, hohoho, so you must know funfunfun on se Autobahn huah huah huah.“ – So kann es einem ergehen, wenn man in einem Pub zu laut quatscht…)

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Nash Kato: Debutante

Nach den Schweizer „Placebo-sound-alikes“ Chewy verschafft das kleine sympatische Label B-track einer Stimme Platz auf dem europäischen Markt, die in den Neunzigern großen Einfluß auf meine Wahrnehmung amerikanischer Musik hatte. War ich bis in die Mitte dieser Decade nicht entfernt an 70er Glam-/Poserrock à la Cheap Trick interessiert, änderte sich dieser Zustand mit der Veröffentlichung von Urge Overkills „Supersonic Storybook“ auf einem meiner Lieblinglabels dieser Hochphase amerikanischer Indielabels: „Touch and Go“.

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Wagon Christ: Musipal

Auf dieses Label passt Luke Vibert aka Wagon Christ wie der Papst zum Vatikan. Die Gründer des Zen-Imperiums, Coldcuts Matt Black und Jonathan More, gingen wohl in den Tagen ihrer Pioneerarbeit mit einer gleichsam ungestümen Leidenschaft an die Arbeit, die das Zusammenschneiden vieler kleiner Samples zu Loops, die eigentlich nicht zusammenpassen, beinhaltet. Auch Herr Vibert schustert sich so seine Stücke, meistens unterlegt von einem Hip-Hop-Groove oder sonstiger Breakbeatrhythmik gesellen sich Kinderhörspielkasetten zu den Jungle Brother´s „I House You“ (Cris Chana), oder Jazzbecken zu Acidbasslines („Tomorrow Acid“).

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Ruby: Grace (Remixe)

Der Frage nachgehend, welcher Musikstil wirklich genuin aus den Neunzigern ist, fällt mir neben Drum`n´Bass sofort als zweites Trip Hop ein (sicherlich gibt es noch mehr, aber ich schreibe hier von Brainstorming). Massive Attack, Portishead, Bristol, 1995, mein Auslandaufenthalt in Newcastle und die Freitagabende mit „The White Room Sessions“. Eine Frau mit blauer Haarpracht steht vor der austauschbaren Band und zieht mich mit ihrer Präsenz vor der Glotze in den Bann. Ihre etwas herrisch gurrende, mal dunkle, mal kieksende Stimme, die blasse Haut, das elegische Vor-und-zurückwippen, der Sound, der damals noch neu war…all dies schießt mir durch den Kopf als diese E.P. in meine Hände fällt.

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Tortoise: Standards

Ja, ist noch alles da, was Tortoise vor zwei Jahren mit „TNT“ zu einer Konsensband im Musik-für-Musiker-Lager gemacht hat. Man kann sich immer noch an John McEntires unverwechselbaren Schlagzeug, Marimba- und Vibraphonespiel erfreuen und der Bass trägt das Miniorchester mit seinem warmen Wummern wie gewohnt über so manche Improvisationsklippe. Dennoch ist „Standards“ das Gegenteil von einer Platte, die man gemäß dem Titel im Jazzkontext als die Interpretation von Klassikermaterial verstehen würde. Man bekommt weder „Raising The Roof“ oder „Weeping Willow“, noch die Reinterpretation von Tortoise eigenem Material zu hören, sondern eine etwas andere, abstraktere Version der alten Tortoise.

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Muschihaus Volume Two

Ein so bescheuerter Name für einen House-Sampler, inklusive Cover und Bedienungsanleitung, sprich Promozettel, habe ich schon lange nicht mehr in den Händen gehalten. Wie alt ist eigentlich die Promofrau, wenn sie glaubt durch ein ständiges „phett und phonky“-Geschreibsel, diejenigen, die sie bemustert, überzeugen zu können. Die Sprache der Kids ist dann doch nicht sooo platt und die Menschen, denen Waschzettel samt CD in die Wohnung flattert, meistens weniger kiddy, ey Alde, is nich persönlich gemeint!

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Vienna Scientists III

In „Lost In Music“ zur Gattung „Trip Hop und Down Beat“ bezeugte ein gewisser Richard Dorfmeister, dass Wien die loooongsooomste Staaadt in der gonzen Welt sei. Wenn man sich die Sampler – Reihe Vienna Scientists bis zu dem dritten Teil anhört, dann wird dieser Eindruck bestätigt.
Auf der nun vorliegenden Veröffentlichung, die mit dem Untertitel „A mighty good feeling“ versehen ist, wird der bekannte Stil aufgelockert, und zwar durch eine handvoll Up-tempo-Stücke, die meist jazziger Natur sind. Für die Fraktion, die nur Chill-out will, ist der Nu Jazz-Fusion-Anstrich im Latingewand wohl viel zu häääktisch! Ich persönlich finde, dass eine Compilation mehr braucht als Gedaddel auf hohem Niveau („Tosca“).

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Q and not You: No Kill No Beep Beep

Mehr aus Neugierde als gezielt Ausschau haltend hörte ich in diesen Dischord Release (schon der einhundertdreiundzwanzigste) rein und ohne irgendwas Großartiges zu erwarten bekam ich die Schublade vor lauter Frische nicht mehr zu. Wie ein Fisherman´s Friend die Atemwege putzt, so putzt mir dieses schwarze Scheibchen schon seit Tagen den Dreck aus dem Gehörgang, den so mancher halbgarer Kompromiss, den man hört, weil es ja mal wieder an der Zeit wäre sich was Neues zu kaufen, hinterlassen hat. In besagten Fällen ist dann lediglich die Verpackungen neu, der Inhalt…naja.

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Sand 11: s/t

Ein Label, das stets mit elektronischem Intelligenzpop zu überzeugen wußte, hier mit keiner Ausnahme. Schon die Namen der Mitglieder des Duos, Jimi Siebels (Ego Express) und Pascal Fuhlsbrügge (Kolossale Jugend – und Lage Dor-Mitbegründer), sind vorbelastet, so dass man enttäuscht wäre, wenn die Herangehensweise an poppige Housemusik so platt wäre, dass die zwölf Stücke nicht auch Platz für einen Diskurs über leichte Kost im Kühlregal des Popallerlei bieten würde. Kein House für die Großraumdisko, aber dennoch mit Massenappeal. Das Urteil verhält sich wie Obstgarten zu überzuckerten Puddings: Leicht und nicht zu süß; ja man kann diese Platte oft genießen, ohne daß sie einem wegen zu penetranter catchyness nach mehrmaligen Hören anödet.

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Kreidler: Kreidler

Die Band, die mich bei Erscheinen ihres Debuts „Weekend“ an eine rockigere, deutsche Version von Chicagoer Postrockern wie Tortoise erinnerte, wirkt auf ihrem dritten Album melodienselig und verspielter denn je, fast so als ob Sensorama ihr Album „Love“ nocheinmal mit Band eingespielt hätten.
Was Kreidler als Band ausmacht ist der Einsatz eines Schlagzeugs und eines Basses, die beide sehr stoisch und patternorientiert das rhythmische Grundgerüst für allerlei flächige, zärtliche und intim-anheimelnde Sounds bereitstellen. Hier wird nicht mit Muskeln geprotzt, sondern stets versucht, den Zuhörer mit Detailsuche zu konfrontieren. Schon gar nicht kann von einer gewissen Improvisierfreude gesprochen werden, wie es zum Beispiel bei Tortoise der Fall ist.

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