Der letzte Huelsenbeck

An allem ist zu zweifeln.“ Noch bevor die Story beginnt, wird schon mal gewarnt. Dem kuscheligen Gefühl, Bescheid zu wissen, soll’s hier an den Kragen gehen. Und in diesem Punkt werden Leser und Protagonisten im selben Boot sitzen. „Der letzte Huelsenbeck“, der Debüt-Roman von Christian Y. Schmidt, ist die Geschichte eines circa 60jährigen Mannes, der sich an eine Episode seiner Jugend erinnert: die Amerikareise 1978 mit einer Gruppe von Freunden, genannt „Die Huelsenbecks“, wobei: Freunde? Eher eine Clique oder Gang.

Der „Held“ hat eigentlich ein interessantes Leben: Reisejournalist, kommt rum in der Welt, heiratet eine Chinesin – obwohl er keine Ambitionen hat, ein bürgerliches Leben zu führen – , hat sogar Geld,  ist aber trotzdem kaputt und unglücklich. Und kann einfach nicht von seiner Vergangenheit lassen, den „Huelsenbecks“, die wild wie die Dadaisten sein wollten. Die Erinnerungen des Erzählers sind es definitiv. Vor allem entwickeln sie sich ganz anders, als man denkt. Sehr spannend, sehr unterhaltsam. Ein turbulenter Ritt, gewürzt mit trockenem Humor. Ein Schelmenroman, allerdings ein über weite Strecken sehr trauriger. weiterlesen

Leselinks I

Ab jetzt und in schön unregelmäßigen Abständen Gefundenes rund ums Thema Buch.

Wired: ↑The Unofficial Thomas Pynchon Guide to Los Angeles – and vice versa

Der Telegraph berichtet vom  Harrogate crime writing festival und der Guardian speziell über die immer wieder diskutierte Frage: ↑Why does crime still have such unpardonably low literary status?

Der in den Artikeln schon erwähnte George Pelecanos wird auch noch andersweitig interviewt. Einmal mit Schwerpunkt auf seine Mitarbeit bei der Fernsehserie „The Wire“  (↑Interview with George Pelecanos) und einmal einfach mit einem Standardfragebogen: ↑ One Minute With: George Pelecanos

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Dystopian monopoly-mongers

Don’t listen to…

Nach all dem Heidelberg und all den empörten Autoren und Verlegern hat Mark Gimein mal ein paar Argumente pro Google Books.

Even after Google has scanned their books, rights holders can at any time exclude them from Google’s services. They can allow Google to display the whole book, excerpts, or nothing at all. The only right they lose if they accept the agreement that Google signed last year with associations of publishers and authors is the right to sue Google for copyright violations simply for adding their books to its electronic files. Google’s critics have been spectacularly unsuccessful in getting actual writers or publishers to step up and explain how Google’s efforts might harm them.

In Defense of Google Books

[via immateriblog]

Pandoras Büchse, offen

Fritz Effenberger nimmt sich auf Telepolis noch mal den „Heidelberger Appell“ vor

Was uns aus der Reuß-Tirade gegen digitale Publikationsmedien entgegenschlägt, ist kaum verhüllte Technophobie.

und formuliert einen eigenen „Augsburger Appell“:

Ich fordere daher die politischen Kräfte in unserem Land auf, nicht weiter über naive, da technisch unwirksame Verbote nachzudenken, sondern über die aktive Gestaltung des Urheberrechts in einer Zeit des technischen Umbruchs: Jeder Bürger kann sich heute via digitaler Weitergabe jedes Buch, jeden Film, jedes Musikstück besorgen, ohne dass dies technisch verhindert oder mitverfolgt werden kann; der Preis für die Verhinderung oder Aufdeckung wäre die Zerstörung des Internet, wie wir es kennen. Die Gesetze müssen dieser Realität entsprechend reformiert werden, der Urheber muss die ihm zustehende Vergütung erhalten

Geistiges Eigentum als Heidelberger Postkartenidylle