19. Juli 2010
Ich bin eigentlich sehr genau mit meinen Terminen. Ich trage jeden fein säuberlich, farblich nach objektiver Dringlichkeit und persönlicher Neigung abgestuft in meinen Agenda ein. Zu diesem Zweck führe ich ständig neun Rapidographen mit: jeweils drei grüne, blaue und rote in den Ausführungen 0,2, 0,5 und 0,7 mm. Rapidographen sind eigentlich nicht das geeignete Schreibmaterial, sie sind dazu da, gerade Linien entlang eines perfekt geeichten Lineals zu ziehen, wenn man damit schreiben will, gibt es ärgerliche Kleckse und Aussetzer, gar nicht davon zu reden, dass sie unglaublich empfindlich sind, ein hastiger Schwung, und die teure Spitze bricht ab. Deshalb schreibe ich auch in der Luft, das heisst, ich setze die Kanüle, aus der der millimeterdünne tintengetränkte Wildschweinborsten herausragt überhaupt nicht auf. Es erfordert ein ziemliches Geschick, sich in dieser Weise Termine zu vermerken, das klappt nur in immobilen Orten, und sogar da gereicht es nur dem Glasabsetzen des Kellners, um meinem Aufwand ein Ende zu setzen.
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