Verona – probeweise

Das Fernsehen ist schon eine tolle Sache, weil man da miterleben kann, wie sich auf dem Kultursender 3sat Roger Willemsen irgendwie gierig auf seinem Sessel vorbeugt und einen blondgefärbten Burkhard Driest mit irgendwie aufgeregt kehliger Stimme fragt, ob er schon mal versucht habe, sich selber eine Masturbationsvorlage zu schreiben.

Das war doch wahrscheinlich ein großer Moment dieses Mediums: Roger Willemsen, sich mit einem nur ganz leicht pennälerhaft verschwitzten Satyrgrinsen mal eben in Verona Feldbusch verwandelnd, vielleicht nur so zur Probe. Und vielleicht war sein Gesprächspartner, falls das ein Gespräch gewesen sein sollte, auch gar nicht Burkhard Driest, es ist mir ehrlich gesagt vollkommen schnurz.

Robin Detje: Der Erste der niederen Sachsen in Berliner Zeitung 12.6.98

Guildo

Guildo Horn – Superstar. 71% aller Deutschen halten ihn für ein Medienprodukt und wie sollten sie auch nicht. Nach dem Sieg in der nationalen Vorausscheidung war die Berichterstattung heftiger als man sie bei einem neuen Golfkrieg hätte erwarten können. And the hype goes on and on and…

Nach der Walpurgisnacht der Abend des (Hexen-)Meisters: Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, war es soweit – die Zeitenwende im Personenkult. Früher widmete man diesen Tag dem bekanntesten Sohn der Stadt Trier: Karl Marx. Heute hat Trier einen anderen bekanntesten Sohn und der hat sich diesen Tag gleich mit unter den Nagel gerissen.

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Duffy – I love my friends

So kanns gehn: da ist man Frontman einer der zugkräftigsten Bands der 80er, aber schon wieder draußen, noch bevors richtig losgeht. Stephen Tin Tin Duffy war in der Pop-Geschichtsschreibung bislang kaum mehr als eine Fußnote in der Duran Duran-Story. Einzig 1985 konnte er auch mal selbst smashen mit einem Song namens „Kiss me“. Der traurige Verlauf einer typischen One-Hit-Wonder-Karriere? Mitnichten!

Zwar ward Duffy, der sich selbst als „kreatives Stehaufmännchen“ bezeichnet, seither nicht mehr in den Charts gesehen, aber von der Musik konnte er gottlob nie lassen.

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Jan Garbarek Group

26. April 1998, Saarbrücken/Kongreßhalle

Helge Schneider

24. April 1998, Saarbrücken/Garage

Chris & Carla

17. April 1998, Berlin/Passionskirche

Willard Grant Conspiracy

7. April 1998, Straßburg/La Laiterie

MC Solaar

24. März 1998, Saargemünd/Salle de l’hotel de ville

Zep – titeuf: Ganz schön spannend

Früher war es ziemlich einfach zu erkennen, ob ein Film, in den man hineingezappt hat, eine amerikanische oder eine französische Produktion war. Amerikanische Fernsehbadezimmer waren immer antiseptisch clean, die französischen charmant schmuddelig. Diesen Charme haben sich auch einige französische Comics bewahrt. Zeps „titeuf“ ist einer davon.

‚titeuf‘ ist ein kleiner, die Grundschool (respect!) besuchender Dreikäsehoch, der jedoch im Gegensatz zu seinem inzwischen in die Jahre und ins Kino gekommenen amerikanischen Counterpart „Dennis“ seinen Lebensinhalt nicht darin sieht, die Eltern oder den lieben Nachbarn zu ärgern. titeuf hat ganz andere Probleme, die in seinem Alltag gemeistert werden wollen: Wie soll man mit den aufkeimenden Hormonen klarkommen, wenn einem die Eltern ständig vorhalten, daß man für alles mögliche zu klein ist? Und wenn dann die Infos im Aufklärungsunterricht kommen ist das auch mal grade so spannend wie eine Erdkundestunde. Irgendwas stimmt doch da nicht!

Und eben damit schlägt sich titeuf rum, rauszukriegen, was da nicht stimmt! Ein harter Job zugegeben, aber titeuf schlägt sich durch. Na eigentlich steht er nicht selten im letzten Panel mit einer dicken Backe da, auf der sich fünf Finger abzeichnen, die er als Antwort auf eine durchaus ernst gemeinte Frage erhalten hat. Es bleibt verwirrend – Erwachsene sind einfach verwirrend!

Zep, eigentlich Philippe Chappuis, hatte diese Zeit der Verwirrung wohl noch gut vor Augen, als er titeuf ins Leben rief. Sympathisch schnoddrig läßt er den Kleinen Seite für Seite die bewegendsten Fragen der Menschheit angehen. Okay, Chappuis One-Pager sind nicht immer der Knaller schlechthin, aber für die schwächeren wird man durch andere vollends entschädigt, die den Nagel auf den Kopf treffen.

(bg)

Zep
TITEUF - Ganz schön spannend
Carlsen 16,90 DM
ISBN 3-551-73331-7

Convard/Siro: Polka – Demokratie

Nachdem der von Polka im ersten Band aufgedeckte Organschacher zum Sturz der Regierung geführt hat, ist Paris im Jahre 2038 nicht nur total verdreckt und desolat, sondern auch im Wahlfieber. Doch da scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Ein Gremium von altehrwürdigen grauen Eminenzen, die sich selbst als letzte redliche Hüter einer bürgerlichen Demokratie sehen, befürchten Schlimmstes. Um Licht in die dunklen Machenschaften der antretenden Kandidaten auf das Präsidentenamt zu bringen, schalten sie eine Person ein, deren offizielle Existenz getilgt ist, die aber gewieft und loyal ist, diese Aufgabe zu übernehmen – den Ex-Bullen Polka. Und richtig, irgendwas ist arg faul im Staate Frankreich.

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