Ostergruß

Als Kind habe ich mich gewundert, warum der mysteriöse Herr Karl Freitag justament und pünktlich vor Ostern auftauchte und mich zum Beten in die Kirche prügelte. Ostern war dann aber immer sehr schön, da gab es bunte Eier und süße Schokolade. Das ist bis heute so geblieben. Kein Mensch wirft zu Ostern das Internet an, ich mal ausgenommen. Ergo liest kein Mensch Blogs und noch mal ergo gibt es deshalb erst am schnöden Dienstag der nächsten Woche hier auf diesem Blog wieder Neues aus Kriminalien. Gute Blogerholung wünsch ich – und wenn ihr den Karl Freitag trefft, sagt ihm einen schönen Gruß von mir. Und lasst mir ein paar Eier übrig.

Renate Kampmann: Fremder Schmerz

Nein, der erste Eindruck täuscht. Zwar liegt es nahe, Renate Kampmanns Romane um die Rechtsmedizinerin Leonie Simon ins Segment der Pathologenkrimis abzuschieben, dort aber fänden sie nur bedingt ihren angemessenen Platz. Wohl wird auch bei Kampmann unermüdlich seziert und mit dem entsprechenden Fachchinesisch wahlweise LeserInnen-Bildung respektive –Ermüdung betrieben, doch die Absichten der Autorin sind profan. Ein Bild der deutschen Gegenwart will sie uns vermitteln. Was, wenigstens zum Teil, sogar gelingt.

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Volksbloggen -22-

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Wer nicht weiß, welchen Wochentag wir heute haben, der weiß es jetzt:. Mittwoch. Die werte Leserschaft ist wieder aufgefordert, hier kommentarmäßig ihren Senf zu hinterlassen. Tut euch bitte keinen Zwang an! Hier dürfen auch KrimiautorInnen für Ihre Werke hemmungslos Reklame machen – aber auch nur hier! Apropos: Wie findet ihr eigentlich die Internetauftritte unserer werten Krimischaffenden? Die Sites, die Blogs? Informativ, spannend – oder egozentriert (ganz wertfrei jetzt), langweilig? Würde mich mal interessieren. Und die Damen und Herren von der krimischreibenden Zunft vielleicht auch.

Vicki Hendricks: Cruel Poetry

Renata ist eine Sonne: Nur wer aber den rechten Abstand wahrt, den wärmt sie, wer ihr aber zu nahe kommt, der verglüht. Die sorgenfreie und ausgeglichene Frau ist jung, sexy und setzt scheinbar den besonderen Stoff frei, der alle, Frauen wie Männer, in seinen Bahn schlägt. Und Sex, Lust empfinden, Vergnügen spenden und Geld verdienen, ist wiederum der Stoff, der sie antreibt. Nicht, dass sie eine Strassendirne wäre, aber der gelegentliche Lustexzess allein oder gemeinsam mit ihrem Lover mit ausgewählten einzelnen Kunden oder Pärchen darf’s schon sein.

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Frank Göhre: Mo – Der Lebensroman des Friedrich Glauser

Wer schreibt, hat zwei Leben. Das eine besteht aus Daten & Fakten, das andere extrahiert sich im Werk und aus diesem heraus. Zwischen den beiden gibt es Verbindungen, doch ist diese Form kommuzierender Röhren weitaus diffiziler als in der Physik. Manchmal existiert ein drittes Leben, eine Brücke zwischen der Nüchternheit biografischer Tatsachen und dem poetisch Chiffrierten. Einen solchen Glücksfall hat Frank Göhre für Friedrich Glauser erschrieben.

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Bankenkrise

Wegen eines Fehlers in der Datenbank hatte die Kommentarfunktion kurzfristig ihren Geist aufgegeben. Inzwischen sollte das Problem wieder behoben sein. Auf geht´s, an die Tastaturen, marsch!
(der Admin)

Tipps & Trends zum Wochenende

Wohin am Sonntag? Was lesen wir im Spätsommer? Wird das Übernatürliche der neue Krimitrend? Und gibt es bald einen Blogger-Krimipreis? Fragen, auf die man im Folgenden erschöpfend Antwort erhält.
Sie spielen Fußball, sitzen in Aufsichtsräten und auf Bundeskanzlerinnen-Stühlen. Frauen sind, kein Zweifel, auf dem Vormarsch. Jetzt haben sie die letzte männliche Bastion erobert: das Herausgeben von Krimianthologien. Und damit nicht genug: Sie wagen sich auch an die Öffentlichkeit.

Im Rahmen der gestern begonnenen Leipziger Buchmesse liest Henrike Heiland ihre famose Kurzgeschichte „Der unglückliche Herr Dr. von und zu Wittenstein“ aus der Anthologie „Hell’s Bells“ (→Poetenladen Verlag). Und da es sich um ein kleines Theaterstück handelt, liest Frau Heiland nicht allein. Auch die zweite hessische Hoffnungsträgerin, Herausgeberin Christiane Geldmacher, kommt zu Wort, und als besonderes Bonbon wird der ebenfalls mit einem Geschichte in „Hell’s Bells“ vertretene Jürgen Albertsen als Leiche reüssieren. Hier die Daten für Ihren Terminkalender:

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Nicht entgehen lassen! Das lohnt sich! Und kost’ nix (im Gegensatz zum Krimijahrbuch 2008; das kostet 10 € und kann →hier bestellt werden).

Gute Nachricht für alle Freunde des gehobenen Schreibens über Kriminalliteratur. Der unvergessliche Ex-Herausgeber der unvergesslichen metro-Reihe im Unionsverlag, Herr Thomas Wörtche, wird im Spätsommer eine Art „Best Of“ seines umfangreichen Schaffens vorlegen. Und zwar im schweizer →Libelle-Verlag. Damit erfüllt er den sehnlichen Wunsch vieler Interessenten an der hierzulande eben nur sporadisch vorhandenen Krimikultur und wird diese, das steht zweifelsfrei fest, erheblich befördern. Einzelheiten zum geplanten Werk sind leider noch nicht bekannt. (via →Georg)

Apropos Wörtche. Der beliebt Kriminalliteratur auf ihre „Realitätstauglichkeit“ zu überprüfen und tut gut daran. Was aber besagt Realitätstauglichkeit? Dass alles auf dem Boden der durch die Aufklärung formierten und um sämtliches Übersinnlich-Abergläubische bereinigten Logik zu bleiben hat? Nun, wie der Zufall so spielt, habe ich gerade drei Romane gelesen, die mit dem Übersinnlichen, dem durch rationale Logik nicht Fassbaren zumindestens kokettieren. Bei Tran-Nhuts „Das schwarze Pulver von Meister Hou“ ist das ja noch verständlich, spielt der Roman doch zu einer Zeit und in einer Kultur, die solches Übersinnliche in ihr Denken aufgenommen hatte. Anders verhält es sich bei Linus Reichlin („Die Sehnsucht der Atome“) und Mikael Niemi („Der Mann, der starb wie ein Lachs“). Hier bleibt wenigstens unklar, ob es nicht doch etwas über der Wirklichkeit gibt.

Das Verblüffende: Alle drei Romane wissen zu gefallen. Und werden hier oder andernorts besprochen, so nicht →bereits geschehen. Dann wird man weitersehen. Ein neuer Trend? Beobachten und abwarten…

Beobachten sollte man auch das Krimipreis-Wesen, bei dem wir uns die naheliegende Ergänzung „Unwesen“ nur mühsam verkneifen können. Wie bekannt, droht ein neuer Krimipreis am Horizont, ein „europäischer“ gar, der Ripper Award, und hat im Kollegen Menke seinen härtesten und unerbittlichsten und nimmermüdesten Widersacher gefunden. Jetzt hat ein Krimiblog-Leser, Bjoern, einen →interessanten Vorschlag unterbreitet:

„Na, dann ist es doch Zeit für den Blog-Preis! Es kann doch nicht so schwer sein, daß sich die Krimi-Blogs mal zusammentun. Und ein interessantes Projekt wäre es auch.“

Ich gestehe, früher ebenfalls mit dem Gedanken geliebäugelt zu haben, einen solchen Preis zu initiieren. Allerdings nur ganz kurz. Denn wir würden damit unweigerlich in eben die Falle tappen, die solche Preisgeschichten stets aufstellen. Der Blogger-Krimipreis wäre eine weitere statistisch dominierte Geschmacks- und Zufallsveranstaltung, wogegen nichts zu sagen wäre; indes: Es gibt genug davon, da wollen wir nicht auch noch als „Juroren“ auftreten, obwohl sich das in der Biographie immer gut macht.

Aber die Idee hat auch etwas Reizvolles. Da wir armen Krimiblogger einen solchen Preis finanziell nicht unterfüttern könnten, würden wir unsere LeserInnen bitten, Kandidaten für den Preis vorzuschlagen. Aber genau das hätte seinen Preis. Wer einen Kandidaten benennt, zahlt mindestens 10 Euro (soviel kostet zufällligerweise auch das Krimijahrbuch, das hier bestellt werden kann!) auf ein Konto ein. Und der Gewinner, die Gewinnerin des Preises erhält dann die dort sich angesammelt habende Summe als Preisgeld… Hat was.

Immerhin hätte ich bereits einen schönen Namen: Jodokus-Donatus-Hubertus-Temme-Preis. Temme, das ist der erste deutsche Kriminalautor, der eine eigene Krimisprache entwickelt hat. Unter anderem. Und der durchaus „engagierte Literatur“ verfasst hat (worauf ich jetzt nicht näher eingehe; aber Google hilft hier entscheidend weiter). Und da man diesen Temme mit seinem Streben durchaus auch europäisch verorten kann, ja, unbedingt muss, wäre er auch ein passender Namenspatron für europäische Krimipreise…. Ludger würds freuen, mich auch, aber wir sind Realisten und wissen, dass es nicht so kommen wird.

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Pieke wird wild

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Nicht dass Pieke Biermann jemals lammfromm gewesen wäre… Angesichts der ideologisch dominierten Diskussion um Jugendgewalt- und kriminalität schwillt ihr aber ganz gehörig der Kamm. In ihrer neuen Kriminalreportage fragt sie bei Praktikern nach, was aus den „wilden Kerlchen“ wird, wenn sich die Staatsgewalt ihrer bemächtigt hat. Zu hören am Freitag, 14. März 2008, im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr (Wiederholungen Sonntag 13:45 und 18:45 und Montagnacht 04:45 Uhr), nachzulesen im TAGESSPIEGEL am Samstag, 15. März 2008. Dort eventuell unter einem anderen Titel. Oder, man braucht es kaum noch zu erwähnen, aufs Radio geklickt.

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Paul Lascaux: Salztränen

Wenn der Einwäger im Heimetli abhockt und mit den Bauern und Käsern sein Bätziwasser trinkt, seine Brissago raucht, während draußen das Chueli gar bitter muht, dann wissen wir, wohin es uns verschlagen hat: ins Glauserland. „Salztränen“ von Paul Lascaux ist also ein Schweizerkrimi, einer, über den man – der Autor hat’s mit dem Titel nicht anders gewollt – leider nur salzige Tränen heulen kann.

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Volksbloggen -21-

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Euer Tag. Habt eine Meinung, wenn ihr schon kein Krimijahrbuch haben wollt! Und wer eins haben will und schon bestellt hat, darf hier auch was sagen. Irgend etwas. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass ich im noch jungen Jahr 2008 verhältnismäßig viele Verrisse schreiben musste (und noch mehr hätte schreiben können; aber irgendwo ist Schluss). Schlechtes Krimijahr bisher? Kritiker schlecht drauf? Und wollt ihr überhaupt Verrisse? Oder lieber „Leseempfehlungen“? Morgen jedenfalls gibt es – einen Verriss.

Kritik des reinen Hellenbellens

Den für Saarländer typischen guten Krimigeschmack stellt wieder einmal Markus Walter auf seiner →Saarkrimi-Seite unter Beweis. Er hat die von der göttlichen Christiane Geldmacher herausgegebene Krimianthologie „Hell’s Bells“ zufällig in der Post gefunden und war bereits nach der Zurkenntnisnahme einer einzigen Geschichte hellauf (!) begeistert. Gut so, Markus! Etwas anderes wäre dir auch schlecht bekommen…

Wochenende eines Depressiven oder: Letzte Zuckungen eines Krimibloggers

Freitag, später Abend, Anruf TW: Entweder ich rücke eine „astreine Rezi“ raus – oder er wird den wunderbaren Band „Hell’s Bells“, von der noch viel wunderbareren Frau G. herausgegeben, gnadenlos zerreißen. Ich durchsuche seufzend meine Festplatten und finde eine Rezension von Tran-Nhuts „Das schwarze Pulver von Meister Hou“, die ich dem erpresserischen Papst zumaile.

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