The Resentments – The Resentments

Der Begriff „Feierabend-Band“ mag vielleicht etwas abwertend klingen, aber im Prinzip beschreibt er genau den Ansatz, den die Resentments (gegen wen hegen die eigentlich ihren Groll?) mit ihrer Musik verfolgen: Sie fabrizieren diese eben ganz locker und entspannt, ohne Druck seitens einer Plattenfirma, die etwas „hypen“ muss. Die einzelnen Musiker stehen in der Regel bei namhafteren Solisten „im Brot“ oder verdienen ihr Geld als Studiocracks.

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Texas Baby

Yeeeehaw! Ab auf’s Pferd und dann ans Lagerfeuer? “Der neue Trend: County!” meint die Promotion-Agentur dieses neuen randvollen Samplers. “Wer letztes Jahr noch zu Elektro- und Housebeats getanzt hat, schiebt sich nun den Hut in den Nacken und reitet gedanklich dem Sonnenaufgang entgegen und wünscht sich eine Steelguitar herbei.” Diese Einschätzung ist wohl etwas neben der Spur. Nichtsdestotrotz interessieren sich seit dem Wiederaufstieg des inzwischen kurz nach seiner Frau verstorbenen Johnny Cash wieder mehr Leute für US-amerikanische Musiktradition.

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Fink – Letzter September

Letzten September war es, als Fink durch die Republik tourten. Und durch Orte, die „Rauchbar“, „Campustheater“ oder „Café Mokka“ heißen. Kleine Säle, die sich rocken lassen, ohne die Fink-eigene Poesie zu verlieren. Denn die ist es, die die Konzerte der vier Hamburger so herausragend macht. Auge in Auge mit den Fans erzählen sich die schrägen Geschichten und launigen Liebesballaden halt am besten.

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Calvin Russell – Rebel Radio

Das Unplugged-Live-Album „Crossroads“ war für Roots-Freunde aus allen Richtungen zugänglich, für das neueste Studiowerk von Calvin Russell muss man eine gewisse Liebe zum Country mitbringen. Wenn er alleine mit einer Gitarre auf einem Barhocker sitzt und singt, gefällt er mir besser, aber trotzdem sind auf „Rebel Radio“ ein paar nette Songs dabei. Immer dann, wenn er von den Country-Insignien abrückt und in den Blues-Rock überschwenkt wie bei „It Is What It Is“ und „I’ll Be Here In The Morning“, ist es recht kernig, was das Knautschgesicht hier abliefert.

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Am Telefon: Nils Koppruch (Fink)

Fink-Interviews sind was Schönes. Kurzweilig, ergiebig und entspannt. Sie haben nur einen Nachteil: der Journalist trägt die Telefon-Gebühren. Und die laufen bei Freiberuflern auf der Privatrechnung auf. Immer heißt es „Du wirst von der Plattenfirma angerufen“, immer sieht die Praxis so aus: „Kannst Du zurückrufen? Wir sind grad unterwegs“ resp. „Ich bin noch zu Hause, das wird sonst zu teuer“. Für mich auch. Aber was tut man nicht alles als guter Fink-Fan…

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Fink – Mondscheiner

Mondscheiner heißt eigentlich moonshine und ist ins Deutsche übersetzt illegal gebrannter Whisky. Die amerikanische Regierung macht je gerade mächtig Front gegen das illegale Schnapsbrennen, hebt Lager aus, zerstört den Fusel und verhaftet die Schwarzbrenner. Einige dieser Fusel sollen gar lebensgefährlich sein. Fink sind das nicht. Trotz aller Melancholie und schwarzem Humor in ihren Texten ist ihnen die Freude am Leben geblieben. Auch der Weggang zweier Musiker konnte die nunmehr wieder zum Quartett angewachsene Gruppe nicht erschüttern geschweige denn in den Tod treiben. Wer ein richtiger Cowboy ist, der kennt doch keinen Schmerz. Da heißt es Augen-zu-und-durch und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Wäre auch blöd gewesen einfach die Flinte ins Korn zu werfen und den Sattel für alle Ewigkeit an den Nagel zu hängen. Ich hätte sie vermisst, die Musik von Fink.

1998 auf der Popkomm schleifte mich Kollege Keimel mit auf ihr Konzert und plötzlich ging mir ein Licht auf. Country ist verdammt cool und sexy. Hundertprozentig Country ist das nicht unbedingt, was uns mit „Mondscheiner“ in die Stube flattert. Auch Pop und Indie Rock erfüllen den Raum. Jedenfalls ist der Hang zur berittenen Musik unüberhörbar. Die dazugehörigen Texte sind teilweise sehr abstrakt und bizarr und immer wieder wunderschön und wunderbar zum Zuhören geeignet. Nils Koppruch hat nicht nur eine gute Stimme, er hat zudem Charisma und beneidenswerte lyrische und (mit seinen Kollegen) musikalische Ergüsse zutage gebracht.

Fink
Mondscheiner
(L’Age d’Or/Indigo)

Fink – Loch in der Welt

Nach dem letztjährigen Debüt- Album „Vogelbeobachtungen im Winter“, das schon überall gehypt wurde, legen FINK aus Hamburg, mit „Loch in der Welt“ jetzt noch Einen nach, wenn nicht sogar noch Einen drauf.

FINK sind die legitime, deutsche Antwort auf „16 Horsepower“. Für die Unwissenden unter euch: Bei beiden Bands dient amerikanische Country- Musik als Basis für das Songwriting, das aber auch Rockeinflüße mit einbezieht.

Wurde der amerikanische Country auf dem ersten Album noch fast 1:1 übernommen, gelingt es FINK auf dem neuen Album, die bilderreiche Sprache desselben in eine eigene Sprache umzuwandeln. Und die ist nun einmal „Deutsch“. Aber es funktioniert trotzdem. FINK erzählen in ihren Songs Geschichten von entwaffnender Einfachheit und ergreifender Schönheit. Sänger Nils Koppruch balanciert mit seinem Gesang und seinen Texten konsequent auf dem schmalen Grat zwischen Wolf Maahn und Element of Crime, zwischen Garth Brooks und Merle Haggard oder einfach zwischen Dummheit oder Genialität. Und während er so die Mitte hält, setzt er immer wieder zu Höhenflügen an, um im nächsten Moment wieder volle Bodenhaftung zu haben. Und genau dadurch erhalten die Songs eine Spannung des Banalen und Privaten.

Dank FINK wird einem klar, daß das echte Action-Kino im Alltäglichen liegt und, daß der echte Horror gleich um die nächste Straßenecke geschlendert kommt. Das fängt dann gleich morgens um sechs mit dem Aufstehen an und endet, wenn überhaupt, mit dem letzten Drink auf Pump an der Theke der „netten“ Banhofskneipe. Diese Platte solltet ihr eigentlich immer hören. Zumindest aber solange, bis die Kühe nach Hause kommen.

Fink
Loch in der Welt
(iXiXeS-records/Indigo)

Sixteen Horsepower – Low Estate

„Hillybilly“ nannte man Anfang des Jahrhunderts in den USA einen Bewohner der Appalachen – und meinte damit wenig schmeichelhaft soviel wie „Hinterwäldler“. Der Begriff stammt übrigens noch aus den zwanziger Jahren, als Plattenfirmen anfingen, mit dem Etikett „Hillybilly“ für weiße amerikanische Volksmusik zu werben und sich so von der vermeintlich kommerzielleren Country & Western-Stilart abzusetzen.

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David Munyon – Acrylic Teepees

Steve Earle hat Townes van Zandt einmal als besten Songwriter der Welt bezeichnet, und ich bin versucht, dasselbe von David Munyon zu sagen. „Acrylic Teepees“ gehört zum Besten und Anrührendsten, was ich seit langem gehört habe!

In erster Linie ist Munyon der klassische Fall eines Singer-Songwriters – mit sonorer Stimme, dem üblichen Akustikgitarren-Gezupfe und hin und wieder rockigen E-Gitarren. Wenn da nicht noch sein ausgeprägter Hang zum Country-Pathos wäre – und ganz ohne Zweifel hat dieser Mann den Blues! Also, amerikanischer gehts gar nicht mehr (natürlich singt er auch noch über diverse Insignien des „American dream“, zum Beispiel über Autos etc. …).

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Tarnation: Gentle Creatures

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Countrymusik vielen als Inbegriff von Rückständigkeit, reaktionärem Denken oder schlicht künstlerischer Verirrung. Diese Zeiten haben sich inzwischen geändert, nicht zuletzt dank vieler junger Musiker, die einer angestaubten Musikrichtung wieder Leben einhauchten. Eine dieser vielen neuen Bands, die unverkrampft Tradition und Moderne mischen heißt TARNATION.

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