Simulation von Echtheit

Natürlich ist Cicero ein überragender Sänger; sein Stück lag, was Arrangement und Vortrag anging, weit über dem Durchschnitt. Aber Swing ist eigentlich eine popmusikalische Antiquität, für die man historisch empfänglich sein muss. Für Westeuropa ist der Glenn-Miller-Sound der des Aufbruchs, der Liberalität, für Osteuropa erst einmal kurios. „Frauen regier’n die Welt“ ist ein ironischer Titel; Cicero macht Wirtschaftswunder-Pop für die Wir-sind-wieder-wer-Deutschen. Hierzulande scheinen sich Frauen dieses gespaltene Bewusstsein leisten zu können, einen Sänger anzuhimmeln, der ihnen mit Augenzwinkern versichert, dass er auf Emanzipation so wenig Lust hat wie ein Kind aufs Zähneputzen.

Daniel Haas im Spiegel: ↑ Heulsusen regier’n die Welt

Monaco, Grand Prix, NRW

„In Monaco ist alles gut organisiert, und sicherlich – wenn gleich die Gedenkminute beginnt – wird man nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt des verstorbenen Fürsten gedenken.“ Ich überlege, ob Kai Ebel die Relevanz der schillernden Grimaldi-Familie nicht ein klein wenig überschätzt. Aber, hey: davon lass ich mir das herrliche TV-Wochenende doch nicht verderben. Erstmal bin ich beeindruckt: die Gedenkminute beginnt, und wer in Monaco (und auf der ganzen Welt) keine hässliche Schirmmütze abnehmen kann, der zieht sich pietätvoll die verspiegelte Sonnenbrille vom Gesicht. Das hat Style.

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Guildo

Guildo Horn – Superstar. 71% aller Deutschen halten ihn für ein Medienprodukt und wie sollten sie auch nicht. Nach dem Sieg in der nationalen Vorausscheidung war die Berichterstattung heftiger als man sie bei einem neuen Golfkrieg hätte erwarten können. And the hype goes on and on and…

Nach der Walpurgisnacht der Abend des (Hexen-)Meisters: Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, war es soweit – die Zeitenwende im Personenkult. Früher widmete man diesen Tag dem bekanntesten Sohn der Stadt Trier: Karl Marx. Heute hat Trier einen anderen bekanntesten Sohn und der hat sich diesen Tag gleich mit unter den Nagel gerissen.

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