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Schuiten/Peeters: Mary

Die geheimnisvollen Städte

 
 

In den achtziger Jahren begann die große Rezession in der Comicbranche. Die geburtenschwachen Jahrgänge und eine veränderte Interessenlage der Jugendlichen sorgten dafür, daß das Angebot an Kioskware zunehmend dünner wurde. Im Gegenzug dazu etablierte sich jedoch der Autorencomic, der sich an ein älteres Publikum wandte. Der Comic war erwachsen geworden, sein Publikum auch. Durch diese Entwicklung war es auch möglich, die Inhalte und die Form auf ein intellektuelleres Niveau zu heben als dies bis dato der Fall gewesen war (von Ausnahmen wie Hugo Pratt einmal abgesehen). Die Alben wurden umfangreicher und anspruchsvoller.

In diese Zeit der frühen Postmoderne und der Vorliebe für Kunst und Design fielen die ersten Veröffentlichungen des Autorengespanns SCHUITEN/PEETERS, das eben diese Tendenzen in ihren Arbeiten einfließen ließ. Ihre große Vorliebe galt jedoch der Architektur. Es entstanden Alben wie "Das Fieber des Stadtplaners", "Der Turm" und "Der Archivar", die den Ruf der beiden als Erneuerer des europäischen Comics begründeten.

Nun liegt ein weitere Neuerscheinung der beiden vor: "MARY - Die geheimnisvollen Städte". Mary, die Tochter des Patriarchen von Rathen verliert nach der Fahrt mit einer Achterbahn die Besinnung. Als sie wieder erwacht, scheint sie der Schwerkraft zu spotten und kann nur noch schräg stehen und zwar in einem Winkel, der jeden anderen Menschen zu Fall bringen würde. Was zunächst für einen Trick, eine Marotte von Mary gehalten wird, erweist sich als Phänomen, das die Wissenschaft vor ein Rätsel stellt.

Nur der exzentrische Gelehrte Wappendorf glaubt eine Erklärung gefunden zu haben: ein unsichtbarer Planet in Erdnähe, dessen Gravitation sich auf die kleine Mary auswirkt. Um diese These zu überprüfen unternehmen die beiden eine Reise in den Weltraum, indem sie sich der Technik von Jules Verne bedienen, den sie später auch noch persönlich treffen.

Im Prinzip vertreten die beiden dasselbe Konzept wie Umberto Eco in seinen Romanen: Das Kombinieren traditioneller Aspekte zu einem eigentümlich zeitlosen Konzept, das andererseits schon wieder dem Zeitgeist von gestern entspricht. "MARY - Die geheimnisvollen Städte" ist ein Album, das ganz in die Tradition der beiden Autoren hineinpaßt. Neo?-Klassizistische Architektur bildet das Dekor, vor dem eine Geschichte spielt, die auf utopische Romane und Klassiker der Weltliteratur zurückgreift. Nichts Neues, wenn man bereits andere Alben von Schuiten/Peeters kennt. "Schon wieder!", werden die einen sagen, "Gott sei Dank", die anderen.

(th)

Cover v. Mary

 



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