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Glasgow Tagebuch: The last chapter

Wegen des grossen Interesses an der Weiterführung meines Tagebuchs und der ständig gestellten Fragen "Wann kommt denn der nächste Teil?" oder "Machste denn nix mehr für Dein Tagebuch?" habe ich mich entschlossen, dem Drängen der paar armen Seelen, die sich der Qual unterzogen haben, meinem Leben ein paar Wochen lang beizuwohnen und mir über die Schulter zu blicken, nachzugeben. Dieses letzte Kapitel ist für euch und zwar nur für euch. Gleichzeitig möchte ich mich für die gemeinsame Zeit bedanken und vielleicht habt ihr ja mal Lust, Glasgow einen Besuch abzustatten. Ich kann euch diese Stadt nur wärmstens empfehlen. Egal was man sucht, hier findet man es - ausser schönes Wetter. Ich denke da nur mal an den wunderschönen Travis-Hit "Why Does It Always Rain On Me?" Die kommen ja aus Glasgow und wissen daher, worüber sie jammern.

Es ist Sonntag, der 13. Februar 2000. Ich sitze auf meinen Bett. Auf meinem Schoss habe ich Claudios Laptop. Auf meinen Ohren sitzen wie so oft meine riesigen Kopfhörer, die gerade das erste und einzige Album von New Radicals in meine Gehörgänge blasen. Ein schönes Stück britische Musik. Ehrlich. Okay, ich war nie ein grosser Fan der Musiksene auf dieser Insel, doch nach fast einem halben Jahr hier hat sich meine Meinung dazu geändert. Ich kann ihr nicht mehr widerstehen und habe mich mittlerweile mit Oasis- und Blur-CDs eingedeckt, Robbie Williams meinen Anteil an seiner unerreichten Ausstrahlung gelöhnt und bin eben auch You Get What You Give von New Radicals völlig verfallen. Dauernd habe ich das Lied im Radio gehört und gedacht "Mist, auf welcher Robbie Willams-Scheibe ist das nur drauf?" Fehler, grosser Fehler sogar. Leider hatten viele der Radiomoderatoren das Stück nie angekündigt bzw. Interpret und Titel verraten. Meine Neugier wuchs und wuchs. So langsam fing ich an, alle möglichen Leute mit dem Summen der Melodie und des Nachsingens des Refrains Don't give Up / You Got A Reason To Live / Can't Forget / We Only Get What We Give zu nerven. Dennoch konnte mir keiner helfen, obwohl das bestimmt jeder gerne sofort getan hätte (Wer meine Gesangskünste kennt, wird wissen, wie ich das jetzt gemeint habe.). Jedenfalls bohrte sich dieser Song in meine Ohren und brannte sich in mein Gedächtnis ein. Irgendwann stolperte ich im Virgin Megastore über die Single, erblickte den Titel und dachte mir "Das könnte fast zu dem Song passen, den ich suche." Ich suchte das Album, blätterte im Booklet und siehe da: Volltreffer! Später fand ich in einem Plattenladen das Album zu einem günstigen Preis. Zu dumm, dass sich selbiges bereits einmal in meinem Besitz befand, ich es aber wegen Britpop-Ignoranz verkaufte. Wirklich zu dumm.

(Fast) rückblickend muss ich gestehen, dass mich die Zeit in Glasgow in musikalischer Hinsicht sehr geprägt hat und mein Geschmacksspektrum nunmehr um House und Britpop erweitert ist. Ganz zu schweigen von den Black Music-Platten, die ich hier gekauft habe: u.a. Isaac Hayes, Marvin Gaye, Blaxploitation-Compilations sowie eine Menge HipHop. Wohin soll das noch führen? Wird mir irgendwann alles gefallen?

Schuld an diesem Dilemma ist ohne Zweifel Glasgow und seine atemberaubende Club- und Pubszene. Trinkkultur ist bei den Schotten hoch im Kurs und hat absolute Priorität. Wie sonst soll man es im Winter in einem Land aushalten, in dem fünf Stunden am Tag die Sonne scheint und der Himmel stets all seine Schleusen weit geöffnet hat, damit der Boden ja seine Feuchtigkeit nicht verliert. Das drückt aufs Gemüt und zwingt zum Gang in die Kneipe. Schade nur, dass der Alkohol im Vergleich zu Deutschland erheblich teurer ist. Ein Pils, d.h. ein Pint, was im Mengenbereich von einem halben Liter liegt, kostet so zwischen sechs und acht Mark. Härtere Getränke sind natürlich teurer bzw. geringer dosiert, erfreuen sich allerdings grösster Beliebtheit.

Und was isst der Schotte so? Vieles, vor allem viel Frittiertes. Fish & Chips vor allem. Und die werden erst von Salz berieselt und dann in gutem, traditionellem Malzessig ertränkt. Wer jetzt schon würgen muss, sollte nicht so voreilig sein. Ich bin mittlerweile abhängig von dem Zeug und bin bereits darauf gespannt, was meine Freundin dazu sagen wird, wenn ich ihr in ein paar Wochen die ersten hausgemachten Fish & Chips serviere. Ich meine das ernst! Worauf ich besonders scharf bin, ist Chips & Cheese. Das sind fritierte Kartoffeln über die geriebener Cheddar Käse geschüttet wird. Die Krönung ist natürlich Salz und Essig - was auch sonst. Der Schotte an sich isst zudem gerne dicke, labberige Pizzen, deren Schachteln er in der Trunkenheit nachts auf dem Gehweg liegen lässt (ein Umweltbewusstsein haben die Schotten definitiv nicht, was erstaunt, ob der schönen Städte und der idyllischen Highlands). Weitere Leckereien sind Haggis (Magen gefüllt mit allem, was das tote Vieh an Innereien hergibt - würg! Ich hab's nie gegessen.), fritierte Burger, fritierte Würste und alles, was als ungesund eingestuft wird. Und wer Chips (im Sinne von Chio Chips und so) will, der sollte Crisps bestellen, ansonsten wird er nämlich ziemlich blöd angestarrt. Die besten sind natürlich die mit Salt und Malt Vinegar - wer hätte das gedacht.

Music made in Glasgow

Damit ihr nicht ganz unbedarft in die schottische Grossstadt reist, hier eine nicht komplette und auch nicht ultimative Aufstellung von Bands aus Glasgow, die ich im Laufe der Monate gesehen bzw. zu schätzen gelernt habe. Die Reihenfolge ist beliebig und sagt nichts über die Qualität der Band aus - sind sowieso alle fantastisch.

Mogwai: mein ganz heisser Favorit im Rennen um die Gunst; checkt meine Plattenkritiken aus und hört euch mal bitte in aller Ruhe Come on Die Young und Mogwai E.P. an, bitte; machten sich Anfang 2000 daran, Material für ihr drittes Album zu schreiben; keine leichte Aufgabe, denn CODY wird schwer zu toppen sein; ach so, ihre Albentitel Mogwai Young Team und eben CODY sind die Namen ehemaliger Glasgow Street Gangs (wen es interessiert)
Website: http://www.mogwai.clara.net

Arab Strap: eine grossartige Band, da gibt es nichts gegen zu sagen; vielen aber zu depressiv und seltsam, da manchmal der Drumcomputer zu Akustikgitarre und Schwermuttexten die Beats vorgibt.
Website: http://www.arabstrap.co.uk/frame.html

Primal Scream: veröffentlichten Anfang 2000 das letzte Album auf Alan McGees Creation Label; Exterminator wurde von der kompletten Fachpresse gefeiert; sind glaube ich wie Travis nach London umgezogen

Belle & Sebatian: auch nicht gerade die glücklichsten Kinder Glasgows, dafür aber interessante Indie-Musiker; wollen Mitte 2000 ihr neues Album veröffentlichen

Teenage Fanclub: werkelten Anfang 2000 in London im Studio, um ihr sechstes Album einzuspielen

Macrocosmica: habe ich als Vorgruppe von Zen Guerilla gesehen und haben mich weggeblasen; erinnerten mich zum Teil an Mogwai, kein Wunder, denn deren Gitarrist Brendan O'Hare war früher bei Mogwai und sogar bei Teenage Fanclub aktiv, flog aber nach vielen Auseinandersetzungen und einer Handgreiflichkeit raus; haben zwei Singles veröffentlicht, die ich nirgends finden kann

Travis: gingen alle auf die Glasgow School of Art und lernten sich beim Saufen im Pub kennen (wo auch sonst?); ihr Album The Men Who ist grossartig, vielen aber zu weinerlich - besonders Frauen (was ich nun gar nicht verstehen kann); wohnen jetzt in London; wurden vom NME zum Artist of the Year gekürt
Website: http://www.travisonline.com

Looper: früher nur das Nebenprojekt von Belle & Sebastians Bassist Stuart Davis, seit Anfang Februar Hauptinteresse; Stuart Davis hatte Ende 1999 mit Nalda Said einen wunderschönen und sehr bizarren (Liebes-)Roman veröffentlicht

Urusei Yatsura: abgefahrene Sonic Youth-mässige Band, die ich einmal live erlebt habe; obwohl das nicht unbedingt mein Steckenpferd ist, haben die Jungs kräftig gerockt

Baby Chaos: grosse Teile der Band theken im Nice'n'Sleazy; haben einen Deal mit EastWest und schon zwei Alben veröffentlicht; soll Punkrock sein und waren schon Vorgruppe der Toten Hosen (sogar in Saarbrücken); die Jungs sind allesamt nett - war mal mit ihnen einen trinken

Pariah: vier Jungs aus Glasgow und einer aus Edinburgh, der aber mittlerweile übergesiedelt ist; geniessen einen guten Ruf als Demo-Band und klingen meinem Verständnis nach verdammt klasse und haben Parallelen zu Mogwai [-->Hinternet-Interview mit Pariah - in englisch!)

Vielleicht werdet ihr mir nach dem Begutachten obiger Liste zustimmen, dass Glasgow besonders für die britische Musikszene emminent wichtig ist und immer dann, wenn diese gerade nicht weiss, was sie oder wohin sie will, mit neuen Ideen füttert. Nicht umsonst wurden auch Oasis hier im Glasgower Kultclub 13th Note Club von Alan McGee entdeckt und gesignt. Ist doch was, oder? Des weiteren gibt es zuhauf einflussreiche schottische Bands bzw. Künstler. Ich denke da im Moment an The Beta Band, Edwyn Collins, Rod Stewart (nee, an den denke ich eigentlich nicht), High-Fidelity Boards Of Canada, Jesus And Mary Chain, Sugartown, Cowboy Mouth oder Long Fin Killie. Wem das nicht genügt, der kann unter der folgenden Website sein Wissen über die Bedeutung der schottischen Musikszene auffrischen:
www.vacant.demon.co.uk/jockrock/bands/bandguide.html.
Sowieso sollte niemand hierherkommen ohne nicht mindestens drei der Bands in- und auswendig zu kennen, damit man das schottische Lebensgefühl schon vorher in sich aufgenommen hat.

Local Dealers

Wer verrückt nach Musik ist, dem sei auch an dieser Stelle gerne geholfen. Anbei zur Vorsorge und Orientierung eine Zusammenstellung cooler Plattenläden und auch der grossen Ketten HMV, Tower und Virgin. Immerhin locken die manchmal mit sehr guten Angeboten (besonders bei Videofilmen übrigens).

- Die Indies -

Missing Records: gibt es gleich dreimal in Glasgow, in der Great Western Road, Wellington Street und in der Oswald Street; gute Auswahl, nette und auskunftsfreudige Verkäufer
Website: http://freespace.virgin.net/missing.records/index.html

Fopp Records: zu finden in der Byers Road und schon etwas kommerzieller als Missing Records; hat auch stets gut sortiertes Mid Price-Programm am Start

Avalanche Records: in der Dundas Street, direkt neben einem der winzigen Celtic Glasgow Fan-Shops

Echo: in der Byers Road, direkt gegenüber der Hillhead Library; war ich einmal kurz drin und sah nicht schlecht aus; CDs waren nur umständlich gestapelt, so dass ein Durchforsten Nackenschmerzen bereitete

Dann gibt es noch einen kleinen aber feinen Plattenladen im Keller von Flip (Kleider, Friseur, Piercings etc.) in der Queen Street 70-72, dessen Name mir partout nicht mehr einfallen will. Den solltet ihr auch unbedingt aufsuchen.

- Die Dicken Brummer -

Die kommerziellen CD-Supermärkte mit Video- und Game-Abteilungen findet ihr im Stadzentrum. Ein kleiner Fussmarsch voneinader entfernt, könnt ihr sie gar nicht verfehlen, denn a) führt euch der Menschenstrom automatisch dorthin und b) sind die Dinger so gross, dass man sie wirklich nicht übersehen kann. Da hätten wir HMV (u.a. Argyle Street und Sauchiehall Street), Tower Records (u.a. Argyle Street) und Virgin Megastore (u.a. Argyle Street und Buchanan Street).

Ach so, CDs von Britney Spears, Steps und S Club 7 finden sich leider eh in jedem Laden, also auch bei den Indies. Wie gesagt, auf der Insel hat Pop andere Dimensionen als auf dem Festland. Dafür haben wir wahrscheinlich besser sortiertere Underground-Läden.

Football

Diese Stadt (oder gar das schottische Volk, das kann ich nicht beurteilen) ist fussballverrückt. Man hat hier zwei Möglichkeiten. Entweder man ist Fan von den Glasgow Rangers (http://www.rangers.co.uk/) oder vom "Aussenseiter" Celtic Glasgow (http://www.celticfc.co.uk/).

Rangers sind in etwa von ihrem Status mit Bayern München (keine Scherze, bitte) und Manchester United zu vergleichen. Ihr Stadion heisst Ibrox Stadium und liegt in selbigem Stadtteil. Kein Ort, an dem man nachts spazieren gehen sollte. Rangers haben Kohle und daher ein internationales Team, in dem gerade noch drei schottische Spieler Platz haben. Sie spielen immer oben mit und sind die beständigere Mannschaft, die auch international nicht so schlecht ist, aber mit Bayern und ManU doch nicht mithalten kann. Da fehlt halt noch ein bisschen was. Dreiviertel von Glasgow steht hinter den Rangers-Buben. Auch die Indierocker und coolen Musikfreunde vom Nice'n'Sleazy und anderswo. In München ist es ja so, dass die Coolen die Löwen unterstützen und die Ärsche die Bayern. Hier steht fast jeder hinter den Rangers. Es ist ihr ganzer Stolz. Und Rangers-Fans freuten sich im Februar 2000 ganz besonders, weil Celtic im Schottischen Cup die schlimmste und peinlichste Niederlage ihrer 112-jährigen Vereinsgeschichte verpasst bekam und daraufhin ihr Trainer Barnes gefeuert wurde. Zuvor wollte man mittels einer Telefonumfrage erfahren, wieviele sich den Rausschmiss von Barnes wünschen. Die 32%, die für ihn stimmten, so munkelt man, waren wohl alle Rangers Supporters - so werden die Fans hier genannt.

Celtic sind die mit dem schmaleren Geldbeutel. Ihr Stadion heisst Celtic Park und liegt nicht wie das Ibrox Stadium im Westen der Stadt und noch relativ einfach zu erreichen (nämlich mit der U-Bahn), sondern im fernen Osten inmitten des schlimmsten Viertels in das ich je meine Füsse gesetzt habe. Zu erreichen ist Celtic Park entweder zu Fuss (das machte ich als ich mir das Freundschaftsspiel gegen Bayern München anschaute), was nicht unbedingt zu empfehlen ist, da man sehr bedrohliche Ecken Glasgows passieren muss, oder mit Bus oder Taxi. Da gibt es Gebäude deren Fenster mit Lochblechen verbarrikadiert sind. Die Gärten indes sind mit Tonnen an Dreck und Müll übersät. Über dem Stadion kreiste während des Freundschaftsspiels ständig ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer und überall standen berittene Polizisten rum. Sehr seltsam das. Mir tun die Celtic Supporter, deren Vereinsfahne die Farben der irischen enthält und die sich fast zu 90% aus in Glasgow niedergelassenen Iren zusammensetzt, irgendwie leid und daher bin ich vom Rangers-Fan zum Celtic Supporter konvertiert. Celtic hat jeden Pfennig verdient. Wenn ihr deren Shops sehen könntet: kleine Läden, die Artikel hinter einer bis zur Decke mit einer dicken Glasscheibe abgeschirmten Theke und immer in abgelegenen Winkeln gelegen. Die Rangers-Shops sind gross wie Fussballfelder, mehrere an ihrer Zahl und prunkvoller und reichhaltiger ausgestattet. Da ist gleich klar, wer hier das Sagen hat und wer sich mit seinem Fantrikot besser nicht zu lange auf der Strasse blicken lässt. Dabei sollte angemerkt werden, dass an manchen Tage jeder dritte Fussgänger ein Trikot trägt. Ach so, komischerweise haben beide Clubs ein- und denselben Sponsor: NTL.

Und wer kein Fussball mag, der steht zumindest auf Rugby und trägt ein The Famous Grouse-Shirt (übrigens Schottischer Whisky, wen es interessiert), der offizielle Sponsor des schottischen Rugby-Teams. Leider sind besagte Sportfans nicht glücklich über die peinliche Niederlage gegen Italien im Six Nations Cup.

Alkohol, Exzesse & Konzerte

Nun, ein paar von mir getestete Bars, Discos und Clubs, die man bei einem Besuch in Glasgow nicht verpassen sollte. Allerdings muss ich euch warnen, denn hier hat Popmusik eine ganz andere und somit viel grössere Bedeutung, da kann es leicht passieren, dass einem bei manch einem Stück der Angstschweiss auf der Stirn steht. Ausserdem solltet ihr sobald ihr in Glasgow angekommen seid die Zeitschrift The List kaufen. Diese erscheint zweiwöchentlich und informiert ausführlich über alle Club-Events und Konzerte. Ausserdem hat sie ein übersichtliches Adressverzeichnis über alle relevanten Locations. Wer in Glasgow durch die Kneipen zieht, der sollte immer ein Auge auf junge Damen und Herren, die kleine Zettel verteilen, werfen; das sind Freipässe für die Discos, die in der Regel nicht immer billig sind.

- Bars -

Nice'n'Sleazy: mein zweites Zuhause; die nettesten Türsteher, die besten Bedienungen (männlich als auch weiblich); fast täglich Happy Hour (ein 4-Pint-Krug für 5.50); witziges Interieur im 70er-Jahre Stil; Sonntagnachmittags legt ein HipHop-DJ auf; im Keller ein Konzertraum mit gemütlichen Sitzgelegenheiten in puff-rot; Musik: total gemischt, aber viel local color und Indierock
Adresse: 421 Sauchiehall Street, Tel.: 333 9637
Website: http://members.xoom.com/nicensleazy/index.htm

Cul De Sac: ganz in der Nähe von der Glasgow University und daher immer voll von Studenten; ganz nett, besonders die Pub Quiz Night; Getränkepreise etwas teurer als in der City; rustikale Einrichtung komplett in dunkelbraunem Holz
Adresse: Ashton Lane, Tel.: 334 8899

The Gate: schlauchartige Bar in der Nähe des Nice'n'Sleazy; wesentlicher spiessiger (Leute wie Mobiliar), doch auch ein guter Unterschlupf zum Abhängen; manche Bedienung ist dumm und arrogant, aber damit muss man einfach leben; es lohnt sich trotzdem; Happy Hour-Angebote beachten
Adresse: Sauchiehall Street (auf derselben Strassenseite wie Garage und G2, nur etwas näher zum Stadtzentrum hin)

The Living Room: ein Geheimtip vielleicht, da dies der erste und einzige Pub ist, vor dem ein Kamin mit zwei uralten ledernen Ohrensesseln steht; vielleicht aber auch kein Geheimtip, da immer recht voll; Musik ist eher elektronisch, aber auch mal HipHop-lastig
Adresse: 5 Byers Road, Tel.: 339 8511

- Discos -

Queen Margaret Student Union: Pädophilentreff 100, bitte! Halbnackte, volltrunkene Damen (?), die auf ganz schlechte 80er- und 90er-Jare Popmusik abtanzen bis sie vor Trunkenheit umfallen; Niveau weit unter dem Nullpunkt; nur das Bier ist billig und an manchen Tagen bleibt einem nichts anderes übrig, als dorthin zu gehen, um noch ein Gute-Nacht-Bier zu schnappen.
Adresse: 22 University Gardens, Tel.: 339 9784

The Hive/Deep 6 a.k.a. Glasgow University Union: siehe Queen Margaret Student Union, mit dem kleinen Unterschied, dass hier die Frauen etwas besser aussehen; dafür fallen einem schon mal die Besoffenen vor die Füsse und man muss ihnen unter ihre verschwitzten Achseln greifen, um sie hoch zu heben; ach ja, hier sind die Toiletten besonders oft und eklig verkotzt
Adresse: 32 University Gardens, Tel.: 339 8697

Glasgow School of Art: ein etwas älteres und reiferes Publikum als sonstwo; nicht nur Kunststudenten übrigens, keine Panik; Donnerstags ist es besonders cool, da das Bier nur 1 kostet; Musik zwischen Pop, HipHop und Funk/Soul
Adresse: 167 Renfrew Street, Tel.: 332 0691

Trash: war ich nur einmal drin, als DJ Kool Herc, der true originator of HipHop aufgelegt hatte; sah aber nett aus (der Club, nicht Kool Herc); ist unter einer Kirche gelegen und macht die Sache damit irgendwie kultig; Musik rangiert von Funk, R'n'B bis House
Adresse: 197 Pitt Street, Tel.: 572 3372

The Garage: siehe Queen Margaret Student Union; wer unbedingt nicht alleine nach Hause gehen möchte, der sollte sich hier hinein wagen - selbst mich alten, fetten Sack haben hier Weiber anmachen wollen; ich war einmal da, das war mir genug
Adresse: 490 Sauchiehall Street, Tel.: 332 1120

The Velvet Rooms: war ich ebenfalls nur einmal und war ganz okay, wenn auch etwas klein; nix für Rumsteher wie mich, sondern eher was für die Tanzbären
Adresse: Sauchiehall Street, Tel.: 332 0755

Yang: (Deep) House und Funk bis dass der Arsch im Kreise tanzt; Donnerstags gibt es sogar eine phatte Ladung HipHop auf die Ohren; drei Floors und insofern sehr gemischtes Publikum wie Erlebnis
Adresse: 33 Queen Street, Tel.: 248 8484

- Clubs -

13th Note Club: der Lieblingszufluchtsort der Mogwai Crew; langt das als Beschreibung? Okay, im Keller ist der Konzertsaal (nicht so gross, wie sich das jetzt anhört), in dem regelmässig unglaublich gute Acts auftreten (z.B. Trans Am, Spirit Caravan, June Of 44); oben grossräumige Bar mit DJ-Pult und Fernsehleinwand zum Abhängen; am Wochenende bis 3 Uhr geöffnet
Adresse: 260 Clyde Street, Tel.: 243 2177
Website: http://www.13thnote.com

The Cathouse: drei Floors soviel ich weiss; Discoabende mit Indie, Rock, Elektronik und Pop; bei Konzerten immer recht laut und voll und stickig, aber auch als Kleinwüchsiger, der ich eben bin, kann man immer einen guten Blick auf die Bühne erhaschen; mein Eindruck sagt mir, dass das Publikum in der Regel recht Metal-lastig ist
Adresse: 15 Union Street, Tel.: 248 6606

G2: liegt hinter der Garage und ist besonders Mittwochs interessant, da hier oft kostenlose Konzerte stattfinden, die für BBC aufgezeichnet werden; Man Or Astroman? hatte ich zum Beispiel nicht sehen können, da der Andrang zu gross war, während bei Urusei Yatsutra nicht so viel los war; demnach lieber rechtzeitig erscheinen
Adresse: 474 Sauchiehall Street, Tel.: 353 3111 (hinter Garage)

King Tut's Wah Wah Hut: hier wurden vor Jahren Oasis entdeckt; das sollte doch schon genügen; ausserdem hat hier schon jede grossartige Band gespielt; Liveclub mit gemütlicher Kneipe; beides übrigens im Keller gelegen - bitte nicht vorbeilaufen!
Adresse: St. Vincent Street, Tel.: 221 5279

Weitere Infos zur Glasgower Nachtszene findet ihr natürlich im Netz unter der Adresse: http://www.cplweb.com

Ein kleiner Exkurs in Bezug auf die schottischen Trinkgewohnheiten sei mir an dieser Stelle erlaubt. Die schottischen Alkoholexzesse - Männlein wie Weiblein stehen sich hier in nichts nach - sind mit nichts von mir bisher erlebten Zechtouren zu vergleichen. Ich trinke ja wahrlich verdammt schnell, aber wenigstens bleibe ich beim Bier. Die Schotten beginnen ihr Aufwärmtraining mit ein paar Shots (Vodka, Whisky, Barcadi Breezer) und dann erst stürzen sie sich auf den Gerstensaft. Manche bleiben auch bei den harten Getränken und kippe sich in zwanzig Minuten mindestens fünf harte Drinks in den Rachen - vor allem die Damen scheinen am Wochende einen nicht zu löschbaren Durst zu entwickeln. Geld und die Tatsache, dass man zwischendurch mal kotzen muss, ändern am Trinkverhalten nichts. Hier lässt man dann schon mal 30 und zuckt nur kurz mit den Schultern. Je später der Abend desto unbegehbarer die sanitären Anlagen und desto strenger der Geruch von Magensäure in selbigen. Das schottische Durchschnittsalter ist nunmal sehr jung und wegen der vielen Universitäten in Glasgow, herrscht hier ein Überangebot an Jugendlichen. Und die wissen mit dem Alkohol leider nicht so umzugehen. Kotzen gehört hier dazu wie bei uns das ein oder andere Bäuerchen. Also nicht wundern, wenn es auf der Toilette etwas wild zugeht. Man sollte auch nicht mit der Stirn runzeln, wenn schon mittags getrunken wird, das ist alles normal und ist fester Bestandteil der Kultur. Nicht umsonst gibt es in manchen Dialektwörterbüchern seitenweise Ausdrücke, die mit dem Trinken verbunden sind. Es ist ja auch keineswegs ungewöhnlich, dass die Damen der Schöpfung hier trotz Schneesturm und Schneematsch auf dem Bürgersteig in Sandaletten, Dreiviertelhose, ärmellosem Top, dünnem Jäckchen etc. rumlaufen. In Schottland ist fast alles möglich. Nie wundern, einfach nie wundern...

Mit freundlichen Grüssen,

Kai Florian Becker

P.S.: Ich liebe Schottland und ganz besonders liebe ich Glasgow. Ich werde diese Stadt vermissen, wenn ich am 08. März in Glasgow-Prestwick (ungefähr 40 Minuten mit dem Zug von Glasgow entfernt) in den Flieger steige und zurück nach Saarbrücken fliege. Es war eine grosse Herausforderung, für Monate von meiner Freundin getrennt zu leben, aber wir haben es gemeistert (toi, toi, toi!). Dafür habe ich jetzt eine weitere Liebe in meinem Leben: Glasgow. Ich hoffe nur, dass ich dieses Mal pünktlich und unbeschadet in Saarbrücken ankomme. Ich fliege nämlich über London-Stansted. Da landet dann mal eine gekaperte Maschine oder fallen Frachtflugzeuge vom Himmel. Und meine Flugesellschaften sind RyanAir und Luxair. Eigentlich beides Profis, aber für so manch Überraschung zu haben. Warum? Nun, hier ist mein ganz persönlicher Erlebnisbericht.

Der Heimflug

Mit dem Taxi von der Wohnung zum Glasgower Bahnhof, von dort per Bahn (was auch sonst) direkt zum Flughafen Prestwick (von Glasgow International fliegt RyanAir nicht, da dort die Flughafengebühren zu hoch sind und sie somit die Low Price-Politik nicht aufrechterhalten könnten). Das klappte alles noch wie am Schnürchen. Stunden später sass ich gelangweilt in London-Stansted, trank mein erstes Pint, las Zeitung und starrte Löcher in die Luft. Zwischendurch mal ein Anruf nach Hause, um zu wissen wie gross doch die Freude ob des ersten Wiedersehens nach drei Monaten ist. Es wurde Abend. Ich hatte meine Wohnung um 9:30 Uhr verlassen, jetzt war es 19 Uhr. Ich schlenderte zum Gate und wartete auf den Aufruf zum Boarden. So wie alle anderen. Irgendwann war es kurz vor 20 Uhr. Der Flieger sollte schon in der Luft sein, als es mir zu bunt wurde und ich mal nachhakte, was da denn los sei. Einiges war das los, liebe Leut'. Der Flieger hatte einen technischen Defekt und stand noch immer in Luxemburg, meiner nächsten Anlaufstelle. Mittlerweile wurde das auch über die Lautsprecher durchgesagt. Der neue Abflugtermin war nun für 23:30 Uhr anvisiert. Klasse! Ich hatte schon fünf Stunden im Flughafengebäude totgeschlagen und nun das. Wir bekamen Essengutscheine und wurden in den Hauptterminal zurückgefahren. In der Zwischenzeit hatte ich Bekanntschaft mit Jörg aus Trier gemacht und mit ihm ein paar Pints getrunken. Die Gutscheine lösten wir nicht gegen Nahrung, sondern gegen mehr Alkohol ein. Der Frust war gross, die Langeweile nicht so. Schliesslich hatte Jörg ein Firmen-Handy und ein Firmen-Laptop. Letzteres versorgte uns, dank seiner eingebauten Lautsprecher und Jörgs MP3-Archiv, mit Musik und das inmitten einer Flughafenkneipe. Was die Leute um uns herum dachten, war uns soetwas von scheissegal, das kann mir keiner glauben. Es wurden eh immer weniger. Am Ende waren es noch vier Leute in der Bar und nur noch zwei Maschinen sollten starten. Wir taten das dann auch mal. Es war kurz vor Mitternacht. Dany war schon sauer und wahnsinnig enttäuscht, denn eigentlich wollten wir um Mitternacht auf ihren Geburtstag anstossen. Nach 40 Minuten waren wir in Luxemburg. Während Jörg tief und fest geschlafen hatte - der Whisky war schuld daran - ass ich zwei belegte Brötchen und versuchte mit Cola wieder zu klaren Gedanken zu kommen. Flieger landet, steht und schnell raus und Koffer abholen. Das ging alles gut. Dann mit der Stewardess in Verbindung gesetzt, denn der Anschlussflug nach Saarbrücken war natürlich nicht mehr da. Ein Taxi sollte mich und eine Dame, die in London arbeitet, nach Hause bringen. Was ja nicht schlimm ist, nur dann wenn der Taxifahrer konstant 80 km/h fährt und keine Anstalten macht, das Tempo zu forcieren. Dabei war ich zu dem Zeitpunkt schlappe 16 Stunden unterwegs. Fuck! Die Dame und ich smalltalkten, überzeugten den Fahrer davon, uns nicht am ausserhalb der Stadt gelegenen Flughafen abzusetzen, dafür lieber vor der Haustüre und ich klingelte zwischendurch bei Dany an, um festzustellen, dass die bereits im Land der weissen Krokodile war. Toller Abend. Um 3:30 Uhr war ich am Bestimmungsort und hatte meine Zukünftige endlich im Arm. Was für ein Trip. Aber das war erst der erste Teil der Geschichte, denn ich musste ja wieder nach Glasgow fliegen. Selbe Route, selbe Fluggesellschaften, neue Peinlichkeiten und Abenteuer.

Der Rückflug

Um 5:30 am frühen Freitagmorgen war mein Flieger (ein Viersitzer) bereit zum Abheben. Ich aber war noch im Terminal des winzigen Saarbrücker Flughafens und wurde über den neuesten Stand meiner Reiseroute aufgeklärt. Erst hiess es beim Einchecken, ich würde von Saarbrücken nach Luxemburg, von dort nach London-Heathrow (der Luxair-Flug nach Stansted war wegen Desinteresse an der Route gestrichen worden), von dort mit dem Bus zu London-Stansted und von dort mit dem Flieger nach Prestwick fliegen. Das war mir neu und ich war stinkesauer, dass mir das niemand im voraus mitgeteilt hatte. Ja, das hätte das Reisebüro erledigen müssen, nicht die Fluggesellschaft. Aha, haben sie aber nicht. Das Geld für die Busfahrt hätte ich dann vom Reisebüro einfordern können. Ich sass in der Wartehalle und erwartete den Aufruf, den Flieger zu besteigen. "Herr Becker bitte nochmal zum Luxair-Schalter kommen." Hier bin ich. "Gut, dass ich ihren Weiterflug gecheckt habe. Der RyanAir-Flug von Stansted nach Prestwick ist auch gestrichen." Was!?! "Keine Panik. (Anmerkung: Es war ja 5:30 Uhr in der Früh!) Sie fliegen jetzt nach Heathrow und von dort mit British Midland nach Glasgow International." Aha, wer bezahlt das bitteschön? "RyanAir übernimmt die Kosten. Ich stelle ihnen noch ein Ersatzticket aus und damit können sie dann weiterfliegen." Okay, dann mal hin. 10 Minuten später war alles fertig - besonders ich. Am Ende war das zwar die deutlich schnellere Variante, da ich eine fünfstündige Wartezeit in Stansted auf zwei Stunden in Heathrow reduzieren konnte, dafür musste ich vom Glasgower Flughafen ein Taxi nach Hause nehmen und 15 berappen. Man kann eben nicht alles haben und anscheinend kein Glück mit RyanAir und Luxair. Ihr seid somit vorgewarnt.

(kfb)

 

 


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