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Der Blues heilt alle Wunden

Dr. Feelgood in Regensburg, 19.01.1998

Totgesagte leben bekanntlich länger. "Status Quo", Eric Clapton, Peter Green und viele andere waren eigentlich schon in der Versenkung verschwunden, bis sie der Revival-Trend wieder in die Charts und auf die Bühnen brachte.

Leider ging dabei oftmals der zündende Funke verloren, zum Glück gibt es aber Ausnahmen. 1967 wurde die englische Blues- und Folkband "Dr. Feelgood" gegründet, den vorläufigen Schlußstrich unter die Bandgeschichte zog der Tod von Mastermind und Sänger Lee Brilleaux 1994.

Die diesjährige Clubtour wurde mit Spannung erwartet, da kein Mitglied der Originalbesetzung mehr in der Band spielt. Dennoch haben die vier Musiker, die in der Alten Mälzerei in Regensburg prima Partystimmung verbreiteten, das Prädikat "Feelgood" verdient.

Sänger Pete Gage, Gitarrist Steve Walwynn, Bassist Phil Mitchell und Drummer Kevin Morris, alles Herren im besten Alter, spielten prächtig auf. Und zwar Blues vom Feinsten, lebendig, ebenso ausdrucksstark wie technisch versiert.

Das Schöne am Blues ist ja, daß alles am richtigen Platz ist. Der Baß bestimmt die Mitstampf- oder Mitklatschfrequenz, Gitarre und Gesang träumen mal schrill, mal energisch von schönen Frauen und einem abenteuerlichen Leben, das Schlagzeug hält Leib und Seele zusammen.

Nach zwölf Takten beginnt das Ganze von vorne. Immer wieder. Als hätte es nie eine andere Musik gegeben, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wer den Auftritt am Montag erleben durfte, darf sich glücklich schätzen: Wer weiß, vielleicht werden solche Konzerte immer seltener und seltener - bis nur noch der Griff zur LP bleibt. Ein schrecklicher Gedanke.

(ms)

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