Singlekritiken
2003
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The Ocean

Fogdiver EP

(Make my day records)

Das Berliner 7-Mann-Kollektiv The Ocean zimmern an ihrer künstlerischen Karriere. Per Anzeige nach und nach zusammengefunden, eigenes Studio mit Schlafplätzen gebaut, surrealistische Gedichtbände gelesen und eine MIDI-getriggerte Live-Lightshow ausgetüftelt.

Auf der komplett instrumentalen EP "Fogdiver" präsentieren sie Gitarrengebretter in einer Atmosphäre wie aus einem David Lynch-Film. Aggression und Kälte einerseits, Spielfreude und künstlerische Ambition anderseits sind die Eckpfeiler des Projekts. Musikalisch klingt das wie eine Mischung aus Hardcore und Postrock. Live und auf dem kommenden Album soll noch Gesang dazukommen, der auch schon auf dem 2002er Demo zu hören ist: Kreischen und Brüllen, was das Besondere der Band wieder reduziert. "Fogdiver" ist etwas sperrig, aber wer auf Hardcore oder Lynch steht, ist das ja gewohnt.

(sk)

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Fehlfarben

Alkoholen

(!K7/Wonder/Zomba)

Eines der überraschendsten Comebacks im Jahr 2002 gelang den Fehlfarben. Wer hätte allen Ernstes darauf gewettet, die Fehlfarben würden den Sprung zurück in die Popwelt derart grazil meistern? "Knietief im Dispo" war einer der Höhepunkte des letzten Jahres – und derer gab es je nach Standpunkt nicht wenige. Trotzdem konnten sie auf sich aufmerksam machen. Schöne Sache das.

Rechtzeitig zu ihrer Tour im neuen Jahr haben die Fehlfarben ein neues Lied eingespielt: das nicht unbedingt – Achtung, subtiler Wortwitz! – bierernste "Alkoholen". Ein stampfender Beat, ein amüsanter Text und paar schreddernde Gitarren genügten, um eine kleine Hymne zu schaffen, die sicherlich auch Nichttrinker erfreuen wird: "Alkoholen, wir gehen Alkoholen!". Und jetzt alle!

Auf der B-Seite finden wir den Album-Track "Die Internationale" und einen charmanten Remix des "Knietief im Dispo"-Songs "Sieh nie nach vorn". Dieser wurde mit selbstreflexiven Samples ihres alten Gassenhauers "Ein Jahr (Es geht voran)" in Szene gesetzt und etwas tanzflächenkompatibler gestaltet. Amüsant.

(kfb)

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The (International) Noise Conspiracy

Bigger Cages, Longer Chains

(Burning Heart/SPV)

Ein kurzes Hallo zwischendurch. Eigentlich hätte man nicht mit einem neuen Lebenszeichen der von Touren ausgelaugten Band gerechnet. Doch unverhofft kommt oft. Nur der Titeltrack ist bereits bekannt. Die restlichen Songs sind die vier neuen Stücke "Beautiful So Alone", "Waiting For Salvation", "A Textbook Example" und "When Words Are Not Working" sowie die großartige Interpretation des N.E.R.D.-Songs "Baby Doll". Hätte man erwarten können, die Band um den Ex-Refused-Sänger Dennis Lyxzén würde langsam aber sicher Bodenkontakt verlieren und dem Größenwahn verfallen, muss man ihr attestieren, dass diese EP das genaue Gegenteil vermuten lässt. Sie kennen ihren Weg und lassen sich von diesem nicht abbringen. Die vier bis dato unveröffentlichten Songs knüpfen dort an, wo das phänomenale Album "A New Morning, Changing Weather" aufgehört hatte. Zudem unterstreichen sie die Stilsicherheit der Band. Wobei sich hier und da leichte Jazz-Anleihen eingeschlichen haben, die aber weit davon entfernt sind, Nerven abzutöten. Lyxzén neigt außerdem weniger oft dazu, seine Stimmbänder überzustrapazieren und wie wild rumzuschreien. Er kann – wenn er will – auch singen.

(kfb)

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Singles 2002


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