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Jedem seine Zeitschrift

"Für Leute mit langen Haaren, die gerne rülpsen, gibt es Rock Hard, für Briefmarkensammler den Oldie-Markt, für komplett Bekloppte die Monatsschrift spex, die Vorruheständler lesen den Rolling Stone, und Leute, die sich überhaupt nicht für Musik interessieren, kaufen den musikexpress."

aus: Michael Rudolf: "Strictly verkehrt herum. Münchner Journalismus a la musikexpress/SOUNDS" in Jürgen Roth/Klaus Bittermann [Hg]: "Journalismus als Eiertanz" (Edition Tiamat, 1999)

Blutiger Bildschirm

"Und am Abend entdeckt einer der Bildtechniker, daß aus dem Maul der appetitlich angerichteten Kräuterforelle Blut fleißt, und das in der Großaufnahme"

aus: "Johann Lafers frische regionale Küche" (Naumann und Göbel, 1997)
"Die Kokoloresakzeptanz trägt wesentlich zur Freude an Gedichten und an Romanen und an Kurzgeschichten und auch an Theaterstücken bei"

Kurt Vonnegut in: "Zeitbeben" (Hanser, 1998)

"Das Fernsehen ist schon eine tolle Sache, weil man da miterleben kann, wie sich auf dem Kultursender 3sat Roger Willemsen irgendwie gierig auf seinem Sessel vorbeugt und einen blondgefärbten Burkhard Driest mit irgendwie aufgeregt kehliger Stimme fragt, ob er schon mal versucht habe, sich selber eine Masturbationsvorlage zu schreiben.
Das war doch wahrscheinlich ein großer Moment dieses Mediums: Roger Willemsen, sich mit einem nur ganz leicht pennälerhaft verschwitzten Satyrgrinsen mal eben in Verona Feldbusch verwandelnd, vielleicht nur so zur Probe. Und vielleicht war sein Gesprächspartner, falls das ein Gespräch gewesen sein sollte, auch gar nicht Burkhard Driest, es ist mir ehrlich gesagt vollkommen schnurz.
Robin Detje: Der Erste der niederen Sachsen in BZ 12.6.98

"Ganz unberührt davon bleibt die Tatsache, daß das Urteil gegen Egon Krenz juristisch unhaltbar ist: So wie Konstantin Wecker eben nicht für seine schrecklichen Lieder, sondern wegen etwas Kokain verurteilt wurde, beharkte man Egon Krenz auch nicht für sein päderastisches In-kurzen-Hosen-Herumlaufen mit der FDJ - er wurde für die Dummheit verurteilt, Honecker abzulösen und dann auf dufte zu machen. (Woraus man lernen kann: Schleime nie bei deinem Feind/ Du bist sowieso geleimt)

Wiglaf Droste: "155 Monate für Krenz" in taz

Those were the days, my friend

"Wir hatten keinen Sex in den 50ern. Niemand hatte Sex. Außer Elvis."

Kim Fowley in Pop-Odyssee - Die Beach Boys und der Satan (3SAT, 13.10.97)

Isch bin ein Börliner

"Ob in Los Angeles, Berlin, Moskau oder Sydney: Wer in den Großstädten dieser Welt herumstiefelt, muß darauf vorbereitet sein, früher oder später den Geruch gebratener Buletten in die Nase geblasen zu bekommen. Die Hackbrater mit dem goldenen M sind halt mittlerweile überall. Aber das kulinarische Einerlei hat auch sein Gutes: Falls sich ein Ami tatsächlich mal ins Ausland verirrt, muß er nicht gleich verhungern, bloß weil er genetisch bedingt keine fremden Sprachen erlernen kann."

Jörg Schieb: "Es lebe der Einheitsbrei", in: PC-Online 10/97

Krücken nach Babylon

"Wenn Jagger zum Mikro greift, Richards und Wood ihre Gitarren schrubben und Watts stoisch den Takt angibt, dann erst ist alles ganz vertraut, dann können rüstige Senioren sich zurücklehnen und erleichtert sein, daß es in einer Welt voller Laptops, Tamagotchis und Maggi Fix Produkten noch etwas gibt, woran man sich festhalten kann"
Marlon Wilhelm auf SR2 Kulturradio über die neue Rolling Stones-CD

Kalkutta liegt am Ganges...

"In keiner Millionenstadt der Welt sind die Mieten so billig wie in Berlin. Nach drei Wochen Wohnungssuche habe ich letztes Jahr über Inserat meine 100 Quadratmeter Wohung in gutbürgerlicher Umgebung gefunden, mit  Balkon, Parkett und Zentralheizung für 1.000 Mark. Für sowas kann man in Kalkutta lange suchen. Ja, es gibt sie immer noch, die 164-Mark-Wohnungen mit Ofenheizung und Toilette indisch (jenseits des Ganges).
Billige Mieten haben aber auch schlimme Folgen für die Stadt: Die schrecklichen Berliner Künstler, die seit Jahrzehnten rostige Eisenplatten zusammmenschweißen und es irre lustig finden, als schräge Dilletanten-Combo ihre Gitarren nicht spielen zu können, oder einen experimentellen Super-8-Film nach dem andern zu verwackeln oder Recycling-Mode aus Müllsäcken zu basteln. Zu Recht landen diese Künstler dann bei Arabella Kiesbauer als „Schrilli der Woche". Und das ist wohl die niedrigste Lebensform, in der man auf dieser Erde existieren kann. Diese Berliner Künstler können nur dank des billigen Wohnraums immer weitermachen. Denn von dem Schmarrn kann man natürlich keine teure Wohnung bezahlen ...
Ja, billige Mieten sind gefährlich."
Lorenz Schröter in JETZT - das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung, vom 21.07.97.

Heya Safari

"Bei einem Wasserloch fuhren wir - so dicht wie an einer Parkhauskasse - an einem Paar männlicher Löwen vorbei. (...) Sie schienen sich nicht um uns zu scheren. Einer erhob sich gelangweilt, ging ein paar Schritte, pinkelte und legte sich - ohne Rücksicht auf die Eleganz, die westlich erzogene Menschen so an der afrikanischen Wildnis bewundern - mitten in der Pisse wieder auf den Boden. Am Ende dösten die Löwen ein, ihre Köpfe unrhythmisch nickend, als würden sie bekifft alte Nirvana-Platten hören. Grunge-Löwen eben."
aus P.J.O'Rourke: Tete á tete in Tansania, in: Rollings Stone 7/97

Klingelingeling

"Dürfen wir Sie nackt fotografieren?" Mit der dreisten Frage muß man heutzutage rechnen, wenn es an der Haustür klingelt."
aus: Report Boulevard-Magazine, in: TV Spielfilm 14/97 

No future?

Fernsehen ist Zukunft, Fernsehen ist Leben
aus einem Pro 7-Trailer 

Echo der Berge

"Nein, in Deutschland existiert der Musikkapitalismus noch in seiner reinsten, unbehauenen Urform, hier herrschen wirklich noch die Gesetze des tiefen Ausschnitts und des zotigen Herrenwitzes (...) Hier trägt man dicke Brüste so, daß sie vorn aus dem Ausschnitt hüpfen, und der Moderator Axel Bulthaupt macht nachher während der Verleihung eine Bemerkung über Silicon Valley, und alle lachen und klatschen, selbst Henning Voscherau, der es ja eigentlich besser wissen müßte."
Christian Kracht: "Schau mal, da geht Gott" in Spiegel 11/97 

Faszinierend

"Auch Sven, der Gastgeber, ist offenbar ziemlich betrunken, er lallt und kann kaum noch geradestehen, als seine Mutter, eine kleine Mittvierzigerin mit blondiertem Haar, ihn anbrüllt. "Sven, du Arschloch, du kommst sofort rein jetzt!" schreit sie und droht mit Prügel. "Locker bleiben, Mama", lallt Sven zurück, doch das hätte er besser nicht getan, weil die kleine Frau nun auf ihn zuspringt und seinen Kopf mit jenem Nackengriff zu Boden zwingt, den Mr. Spock aus der Serie "Raumschiff Enterprise" früher immer anwendete, um seine Gegner zu lähmen. Das gewöhnliche Saturday night fever also."
Marc Fischer, "Die Nacht der Einsamen" in: Spiegel 10/97 

Der Rezensent im Labyrinth seiner Formulierungen

Zum Tode von Townes van Zandt dichtete ein gewisser WWS in der FAZ:
"Was auch immer Townes van Zandt von sich gab - Bluestöne, Country-Jodler, fragmentarische Rockrhythmen, traurige Balladen oder auch nur mit seinem schnoddrigen Texas- Drawl vorgetragene Stories: Alles wirkte wie morgengraue Spurensicherungen aus den Eingeweiden der Nacht, kleine unvollendete Kunstwerke aus dem Delirium tremens seiner schlechten Gesellschaft. (...) Townes van Zandt wird als Dylan Thomas der Rockgeschichte in Erinnerung bleiben, seine Werke als grandiose Labyrinthe der Einsamkeit. "
Wow! 

Abrüstung

"Ihre einzige Waffe: die Gerechtigkeit"
aus einem SAT.1-Trailer zu JAG, einem seriellen Top Gun-Viertaufguss. 
 

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