Alex Chilton: A Man Called Destruction

Mit 16 Jahren hatte Alex Chilton seinen ersten und größten Erfolg. Mit seiner Band THE BOX TOPS und dem Stück „The Letter“ gelang ihm gleich zu Beginn seiner Karriere ein Nummer 1 Hit in Amerika. Anfang der 70er spielte er mit BIG STAR einige exzellente Platten ein, die damals zwar keiner kaufen wollte, die ihm heute aber Kultstatus – vor allem in Kollegenkreisen (siehe z.B. „Alex Chilton“ von den Replacements) – sichern.

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Ice-T: Who Gives A Fuck

„Who Gives A Fuck“ ist der deutsche (?) Titel von Ice-T’s „The Ice Opinion“. Bereits die Überschriften der einzelnen Kapitel („Gesetz des Dschungels“, „Verbrechen und Strafe“, „Männer, Frauen und Sex“, „Rap: Die Kunst, Scheiße zu reden“) zeigen, daß Ice T hier zum großen Rundumschlag ausholt. Von der Kindheit im Ghetto über seine Zeit als Gangmitglied („Die Gangkultur ist auf die Spitze getriebene Männerfreund- schaft“) und als Zuhälter („Aber um ein guter Zuhälter zu sein, muß man auch seine eigene Superhure sein“) und seinen Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Rapper Amerikas spricht er über sein bisheriges Leben. Dabei sieht er sich selbst aber stets nur als Beispiel für die Probleme und Möglichkeiten seiner schwarzen „Brüdern und Schwestern“.

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Scott Walker: Tilt

Vor fast 30 Jahren war Scott Walker mit den Walker Brothers ein weltweit gefeierter Teenie-Pop-Star. Vor mehr als 10 Jahren erschien seine letzte Solo-LP „Climate of hunter“, die – wie er selbst scherzhaft meinte – schlechtestverkaufte Platte in der Geschichte der Plattenindustrie.

Seine neue CD „Tilt“ treibt die Nicht- Kommerzialität jetzt noch einen – oder zwei – Schritte weiter. Alles, was dem Zuhörer den Zugang erleichtern könnte, fehlt hier: keine eingängigen Melodien oder eindeutigen Geschichten mehr, kein durchgängiges Klangbild. Stattdessen wirft er seine Hörer in ein Wechselbad von Klängen, abrupten Dynamikwechsel, pendelt zwischen bedrohlichen Percussionsounds und großen Streicherarrangements hin und her.

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Tindersticks: Tindersticks

Die Tindersticks sind ein Beispiel dafür, daß manche Musiker auch heute noch in die Metropolen ziehen müßen, damit „etwas“ aus ihnen wird. Ursprünglich aus Nottingham – also: musikalischer Provinz – gelang ihnen erst in London der Weg zur Kultband (mit einigen Kultsingles) und dann zur vielbeachteten Debüt-LP. Und das, obwohl die Tindersticks sich beharrlich unmodern geben. Daran hat sich auch mit ihrer zweiten CD nichts geändert.

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Sugartown: Swimming In The Horsespool

„You broke my heart…“ mit diesen Worten beginnt die Debüt-CD von SUGARTOWN, einem Duo aus Glasgow. Und bereits mit diesem ersten Satz stecken SUGARTOWN den Rahmen für die gesamte CD ab.
„Swimming In The Horsespool“ ist erschienen auf Marina-Records, einer kleinen, feinen Plattenfirma aus Hamburg, die spezialisiert ist auf neue britische Bands mit Hang zu ruhigen Songs und großen Gefühlen (Bathers, Cowboy Mouth, Paul Quinn). Und auch SUGARTOWN präsentieren auf „Swimming In The Horsepool“ bittersüße Lieder über zwischenmenschliche Probleme und Sehnsüchte, darunter auch zwei Coverversionen von Willie Nelson und Velvet Underground.

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Ted Hawkins, der ewige Straßenmusiker

„Ich war schon viele Male tot, aber ich war einfach zu stur, um liegen zu bleiben.“

(Ted Hawkins – zu Lebzeiten)

Seine Musik, eine Mischung aus Blues, Soul und Country, war vor allem geprägt durch seine rauhe, stark an sein großes Vorbild Sam Cooke erinnernde, Stimme und eine Ausdrucksstärke in der sich wohl all die Niederlagen und Nackenschläge seines Lebens widerspiegelten.

Foto Ted Hawkins

Hawkins wurde am 28. Oktober 1936 in Lakeshore, Mississippi geboren. Er wuchs in äußerst ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater machte sich früh davon, seine Mutter war Alkoholikerin. Mit 12 Jahren kam er in eine Besserungsanstalt. Das Beste was ihm dort widerfuhr war wohl ein Besuch der New Orleans Legende Professor Longhair, ein Besuch, der in Hawkins die Liebe zur Musik weckte. Im Alter von 15 Jahren wurde er in die berüchtigte Parchman Farm State Strafanstalt in Mississippi eingewiesen, weil er eine Lederjacke aus einem Harley-Davidson Laden gestohlen hatte.

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Quinn and the Independent Group: Will I Ever Be Inside Of You

Nachdem Scott Walker uns schon seit Jahren seine neue Solo-LP schuldig bleibt, schickt sich jetzt Paul Quinn an, die vakante Stelle des Bombast-Schnulzen- Sängers-für- gehobene-Ansprüche anzutreten. „Will I Ever Be Inside Of You“ kommt daher mit Stücken bis zu 9 Minuten Länge, so viel Theatralik in der Stimme, wie Scott Walker in seinen herzergreifendsten Zeiten und jeder Menge Herz-Schmerz- Thematik.

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The Grassy Knoll: s/t

Eine Platte wie diese macht es dem Kritiker alles andere als einfach. Alle Stücke auf dem unbetitelten Debüt von The Grassy Knoll sind instrumental (geben also nichts her für hochintellektuelle Textinterpretationsversuche). Der Gruppenname The Grassy Knoll (zu deutsch etwa: Grashügel) ist genauso nichtssagend wie das Cover (ein Grashügel? Ha ha!). [Ja, der Hügel spielt eine Rolle in den Verschwörungstheorien um die Ermordung JFKs – das bringt mich aber inhaltlich auch nicht weiter]. Und zur Gruppe selbst gibt es außer ihrem Herkunfsort San Francisco keinerlei biografischen Angaben oder Fotos.

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Cowboy Mouth: Life As A Dog

Marina Records aus Hamburg ist ein Label,das in seiner noch jungen Geschichte schon einige bemerkenswerte Veröffentlichungen vorzuweisen hat: zunächst die manchmal etwas kunstbeflissenen Bathers, dann zuletzt das wunderbar pathetische Comebackalbum von Paul Quinn und nun der Erstling von Cowboy Mouth. Hinter diesem – bei Bob Dylan entlehnten – Gruppennamen stecken Sänger Grahame Skinner, früher Kopf der schottischen Popband Hipsway und Douglas MacIntyre, früher als Gitarrist bei Love & Money zugange.

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Texas Bohemia – Polkas, Waltzes, Schottisches

In america our dreams all come true
And all the girls are beautiful, too
In america we’re happy to be
To work, to plant, to know that we’re free
Beautiful, yes it’s beautiful
It’s my beautiful america

(Adolph Hofner: „Krasna Amerika“)

„Ohne Adolph (Hofner!) kein Elvis.“
(Thomas Meinecke)

Eine CD für Leute mit Geschichtsbewußtsein. Eine CD für Leute, die frei von irgendwelchen Berührungsängsten sind, denn hier heißen die Titel nicht nur „Edelweiß“ oder „Zwei wie mir zwei“ (KNUTSCH BAND!), nein die Bands auf dieser CD klingen auch so. Nach Oktoberfest, Bier und fettigen Würsten. Blaskapellen, Quetschkommoden und Hawaiigitarren, mal schwungvoll zum Mitschunkeln, mal schräg- quäkend.

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Frank Laufenbergs Rock- und Poplexikon

Frank Laufenberg, der Ulrich Wickert unter den Pop-Nachschlagewerk-Produzenten hat wieder zugeschlagen. Ausgerechnet er ist der erste, der ein „Rock- und Poplexikon auf CD-ROM“ herausbringt.

Heißt es.

Zunächst einmal ist das ganze die Umsetzung seines bereits seit einiger Zeit erhältlichen, zweibändigen „Rock- und Pop- Lexikons“ – ergänzt um all das, was in einem Buch keinen Platz findet: Musik, Interviews, Fotos, Cover, etc… Dazu eine bunte und gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche.

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Vince Bell: Phoenix

It made me strong, to be on my own.
It never did me no harm, to live all alone.
Now and then in the color of the evening
drunken in a bar room, with the fan turning,
I come to miss a few

(Sun & Moon & Stars)

Vince Bell ist ein amerikanischer SingerSongwriter der leiseren Sorte. Er arbeitete schon mit Sangeskollegen wie Townes van Zandt (auf dessen neuer CD „No Deeper Blue“ man ganz ähnliche Texte wie o.g. finden kann) und Guy Clarke zusammen und kann auf „Phoenix“ gleich eine ganze Sammlung prominenter Freunde und Mitstreiter wie Victoria Williams, Lyle Lovett oder John Cale präsentieren.

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