{"id":1029,"date":"2004-06-12T05:33:02","date_gmt":"2004-06-12T03:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=1029"},"modified":"2022-06-02T00:14:48","modified_gmt":"2022-06-01T22:14:48","slug":"aennchen-von-tharau-bittet-zum-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/06\/aennchen-von-tharau-bittet-zum-traeumen\/","title":{"rendered":"\u00c4nnchen von Tharau bittet zum Tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/archiv\/images\/jameslast\/images\/cover\/aennchen_von_tharau_bittet_zum_traeumen.jpg\"\/><br \/>Das ist eine merkw\u00fcrdige Kreuzung: Gutenachtvolkslieder. Irgendwie scheint James Last Anfang der 80er-Jahre auf dem Weichzeichnertrip gewesen zu sein. Alles gepufft, in Watte geh\u00fcllt, wie durch einen Schleier. Und nat\u00fcrlich in Slowmotion.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die V\u00f6gel, die alle schon da sind, scheinen pastellfarbene Ballkleidchen zu tragen und wiegen sich sanft zu den \u2013 behutsam von einem leisen Drummer untermalten \u2013 Streicherkl\u00e4ngen. Und ein paar Fl\u00f6ten d\u00fcrfen auch nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Sound ist superdekadent, wenn man bedenkt, dass hier richtige, kernige Volkslieder zugrunde liegen. Aber es hat was! So\u00b4n bisschen Disco in \u201eAbend wird es wieder\u201c \u2013 aber nur ganz zart. Und wie sich alles aufl\u00f6st und sich verfl\u00fcchtigen will in Streicherar-Arabesken, bevor\u00b4s doch ein bisschen anf\u00e4ngt zu swingen. Wow.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin insbesondere Fan der ersten Seite. Die pl\u00e4tschert unwiderstehlich vor sich hin. Ist aber auch sehr abwechslungsreich! Mittendrin in \u201eAbend wird es wieder\u201c: eine freistehende Basslinie! Darunter zwar k\u00fchle Synthies, so wie in diesen Achtziger-Designer-Filmen. \u201eAmerican Gigolo\u201c und so. Was ja auch nur steht f\u00fcr: Yuppies, Dekadenz, Werteverfall, kaltes Chrom. Aber Mann, das ist mehr als Eighties. Und zwar in einem sehr coolen, prophetischen Sinn. Dekonstruktivismus bei James Last!<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schon schr\u00e4g, was \u00c4nnchen von Tharau im Laufe der Jahre so mitmachen musste. Sie ist ja so\u00b4n bisschen das Fundament, der Grundstein der Karriere von James Last. Jaja, ich wei\u00df: Non Stop Dancing, Non Stop Party&#8230; Aber trotzdem. Die ersten beiden \u00c4nnchen-Platten stehen wie ein Fels in der James Last-Brandung. Sie sind meinetwegen die Propheten, die Weisen aus dem Morgenland, die Autobahnschilder auf dem Weg zum Erfolg. Sie b\u00fcndeln alles, was James Last reich und ber\u00fchmt machen sollte: aus Bekanntem mit seinem Happy Sound den Nerv des Volks zu treffen. Aber man h\u00f6rt ihnen noch den Wagemut an. Auch wenn sie ein glatter, revolution\u00e4rer, k\u00fchner Durchmarsch sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt, 1981, muss sich die Recycling-Figur \u00c4nnchen noch mal recyceln lassen. Nicht zum ersten Mal, klar. Es gab ja auch schon \u201eSwinging \u00c4nnchen von Tharau\u201c. Und nun also \u201e\u00c4nnchen von Tharau bittet zum Tr\u00e4umen\u201c. Musikalisches Softeis. Die zweite Seite ist eher langweilig und eint\u00f6nig, auch ein bisschen d\u00fcster. Aber die erste Seite ist schon ein Fest, wenn man sich mal drauf eingelassen hat. Auch wenn die Instrumentierung \u00e4hnlich scheint: aber im Gegensatz zu den \u201eClassics up to date\u201c geht hier die Rechnung auf. M\u00f6glicherweise durch die kleinteiligeren Formen. Hier funktioniert die Abwechslung, hier darf sich James Last alle zwei Minuten an einer neuen \u00dcberleitung austoben und nach Herzenslust Solo-Ausfl\u00fcge und Arabesken einf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei hier keine Potpourris im gewohnten Sinne drauf sind, sondern exotisch ausgeschm\u00fcckte ganze Lieder in einzelnen Takes: \u00c4nnchen von Tharau, Der Mond ist aufgegangen, Alle V\u00f6gel sind schon da, Es waren zwei K\u00f6nigskinder&#8230; Schwelgen und genie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist eine merkw\u00fcrdige Kreuzung: Gutenachtvolkslieder. Irgendwie scheint James Last Anfang der 80er-Jahre auf dem Weichzeichnertrip gewesen zu sein. Alles gepufft, in Watte geh\u00fcllt, wie durch einen Schleier. 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