{"id":1040,"date":"2004-06-22T08:48:57","date_gmt":"2004-06-22T06:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=1040"},"modified":"2022-06-02T00:43:17","modified_gmt":"2022-06-01T22:43:17","slug":"copacabana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/06\/copacabana\/","title":{"rendered":"Copacabana"},"content":{"rendered":"\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/archiv\/images\/jameslast\/images\/cover\/copacabana.jpg\"\/><br \/>Endlich mal ein gutes Cover, meint der Chefredakteur. Ich finde, er soll ruhig mal nach Brasilien fahren und selbst nachgucken. Ich pers\u00f6nlich glaube n\u00e4mlich nicht, dass die Frauen da tats\u00e4chlich so kleine Hintern haben. Das ist doch gefaket.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Jedenfalls ist das eine super Idee mit dieser Platte. James Last und Latin, das passt immer. Damit hat er ja schon seine Hammond-Ausfl\u00fcge gerettet. Latin heisst auf solchen Platten immer: gro\u00dfe Fr\u00f6hlichkeit mit angenehmen, warmen Harmonien. Da wird die Melodie manchmal nebens\u00e4chlich \u2013 die Harmonien halten das Ding schon in einem angenehmen, irgendwie vertrauten Flu\u00df. Aber nat\u00fcrlich gibt es trotzdem Melodien: laute, durchdringende Melodien. Irgendwo zwischen Fanfare und Marsch. Kein Wunder, dass das klingt, als h\u00e4tte James Last nie was anderes gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, Latin-Musik ist einfach wie geschaffen f\u00fcr ihn und seine grandiose Band. Die r\u00fcttelt und sch\u00fcttelt sich, die \u00fcberschl\u00e4gt sich an den Percussions, die l\u00e4sst hei\u00dfe Lava aus sich herauskochen \u2013 und dann wieder eine Mischung aus sanftem Sonnenuntergang und Studio 54. Ja, es wird Sommer mit dem Copacabana Happy Dancing \u2013 wie die Platte mit vollem Namen heisst. Und soviel Rhythmus wie die Brasilianerinnen im Hintern hat die James Last-Band ja im kleinen Finger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte das Augenmerk auch noch mal auf das bemerkenswerte Cover lenken. Angesichts dessen, dass hier schon die \u00c4ra der James Last-losen Cover angebrochen scheint, ist das ein umso gelungeneres \u00a0Exemplar. Denn oft sehen die James Last-Cover in den 80ern nur noch Schei\u00dfe aus. W\u00e4hrend sie in den 70ern meist noch ihn selbst zeigen und irgendwie sympathisch und witzig wirken. Nun, dass man beim Thema Copacabana nicht widerstehen konnte, etwas anderes auf die H\u00fclle zu packen, liegt ja nahe&#8230; Ich als Frau kann ja den tollen, poppigen Copacabana-Schriftzug betrachten, den ich total super finde. Ich finde, allein f\u00fcr diesen Schriftzug hat die Platte einen Design-Grammy verdient. Da hat jemand sehr genial die Farben und Konturen des H\u00fcfttuchs aufgenommen. Fabelhaft, wie Dieter Thomas Heck und ich hier aus einem Munde t\u00f6nen!<\/p>\n\n\n\n<p>Yeah, meine Finger rocken im Latin-Takt \u00fcber die Tasten. Das tut ihnen auch mal gut. Zumal keiner im Raum ist, der sagt: Du hast ja \u00b4ne lustige Art, zu tippen! Das h\u00f6r ich im B\u00fcro st\u00e4ndig. Entweder ist es immer der gleiche Kollege, der sich jedes Mal von neuem lautstark beeindruckt zeigt. Oder es ist die Fluktuation von Kollegen und Praktikanten, die st\u00e4ndig neue Leute in den Raum schwemmt, die garantiert noch nie jemanden so haben tippen sehen. Zur Erl\u00e4uterung: ich tippe mit zwei Fingern der rechten Hand, w\u00e4hrend die linke Hand allein der Shifttaste vorbehalten ist. Und ich mache das ziemlich schnell. Am schnellsten geht es, wenn die Zimmertemperatur eine bestimmte Gradzahl nicht unterschreitet und niemand auf meine Finger glotzt und sagt: Tipp mal was. Ich m\u00f6cht Dich noch mal tippen sehen. \u2013 Dann geht es nicht. Dann f\u00fchlen sich meine Finger zu beobachtet. Aber mal im Ernst: warum soll das nicht gehen, mit zwei Fingern schnell zu tippen? Pianisten k\u00f6nnen irgendwann ihre St\u00fccke auch auswendig spielen. Ich bin sicher, G\u00fcnter Platzek h\u00e4tte sich nie \u00fcber meine Schreibweise gewundert. Der wusste, dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirken kann. Wirken? Wirkeln. So klingt das schon aktiver. Sch\u00f6pferischer. Denn ich meine nicht nur: wirken, sondern wirken im Sinne von \u201eetwas produzieren\u201c. Und daf\u00fcr passt Wirkeln besser. Dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirkeln kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder wie der Vibraphon-Spieler in \u201ePerhaps? Perhaps? Perhaps?\u201c. Der klingt toll. Und der Bass, Mannomann. Obwohl er auf dem kleinen Foto hinten einen zu engen Anzug zu tragen scheint, der Basser. Umso beeindruckender, wie toll er hier zupft. W\u00e4hrend an James Last der wei\u00dfe Anzug mal wieder sitzt, als w\u00e4r er speziell f\u00fcr ihn getackert worden. Und ich ahne, dass die Orgel von G\u00fcnter Platzek, leider im Halbdunkel verborgen, \u00a0verdammt spacig aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist diese Musik, die hier drauf ist, die man auch oft bei Tanzturnieren h\u00f6rt. Wenn zu stark geschminkte Damen mit zu straff nach hinten gesteckten Haaren und m\u00e4nnliche Schmierlappen den hei\u00dfen Rhythmen das letzte Quentchen Lebenslust austreiben, indem sie Tanzen wie schwere Akkordarbeit aussehen lassen. Diese Musik hier k\u00f6nnte \u2013 in gewissem Ma\u00dfe \u2013 auch Max Greger spielen. Hugo Strasser auch, aber bei dem kl\u00e4ng sie nicht so l\u00e4ssig. Nein, wirklich nach Easy Going und Strandleben klingt sie nur, und zwar nur, bei James Last!<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei ich zugleich warne: wer hier obsessive Ausfl\u00fcge in tripartige Sessions erwartet, der wird entt\u00e4uscht. Diese Platte macht Hummeln im Hintern wach, sie ist durchdrungen von gro\u00dfer Arrangier- und Spiellust. Aber sie ist kein H\u00f6llenritt wie manche Non Stop Dancing von Ende der 60er oder Anfang der 70er. Das Klang-Puzzle ist vergleichsweise understatementig: wie schon gesagt, warm und manifest. Aber nicht so, als h\u00e4tten die Last-Musikanten vergessen, ihre Gaga-Z\u00fcgler zu nehmen. Nein, das ist eine Latin-Platte, wie sie sein soll. Einen atemlos hindurchziehend und erst nach dem letzten Ton wieder loslassend. Mit allem, was Latin so hergibt an Percussions und Bl\u00e4sern, aber vergleichsweise weich. Und auch hier sch\u00f6n zu sehen, dass es eine Fassung des Titelsongs gibt, die sich h\u00f6ren l\u00e4sst: n\u00e4mlich eine ohne Barry Manilow. Auch wenn mir zwischen Strophe und Refrain dieser ganz hoch geblasene Ton fehlt. Wer macht den eigentlich sonst? Ist das eine Trompete? Eine Posaune? Eine Trillerpfeife ? R\u00e4tsel der Musikgeschichte\u2026 Wenn\u00b4s jemand wei\u00df: her damit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich mal ein gutes Cover, meint der Chefredakteur. Ich finde, er soll ruhig mal nach Brasilien fahren und selbst nachgucken. Ich pers\u00f6nlich glaube n\u00e4mlich nicht, dass die Frauen da tats\u00e4chlich so kleine Hintern haben. Das ist doch gefaket.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1186],"tags":[538],"class_list":["post-1040","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-james-last","tag-james-last"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Frl. 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