{"id":11049,"date":"2001-07-15T11:11:00","date_gmt":"2001-07-15T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11049"},"modified":"2022-06-07T15:06:48","modified_gmt":"2022-06-07T13:06:48","slug":"2raumwohnung-kommt-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/07\/2raumwohnung-kommt-zusammen\/","title":{"rendered":"2raumwohnung &#8211; Kommt zusammen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/m.media-amazon.com\/images\/I\/81KYD6ZWWrL._SL1200_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/m.media-amazon.com\/images\/I\/81KYD6ZWWrL._SL1200_.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"250\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das erste, was man wahrnimmt, ist die Stimme. Auf der Schwelle zwischen Unschuld und Laszivit\u00e4t. Lakonisch und aufreizend phlegmatisch. Jungm\u00e4dchenhaft naiv seit rund zwanzig Jahren, mit einem Hauch von Mickey Maus. Die Stimme von Inga Humpe ist eine Chiffre des Deutsch-Pop. Jedem, der in den Achtzigern jung war, ist sie ein St\u00fcck Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemessen an ihrem Oeuvre ist Inga Humpe (Ex-Neonbabies, Ex-D\u00d6F, Ex-Humpe&amp;Humpe, Produzentin, Songwriterin und Solok\u00fcnstlerin) eine Grande Dame deutschen Liedguts. In Wahrheit verh\u00e4lt es sich aber wie mit Madonna und Britney Spears: die \u00c4ltere l\u00e4sst die J\u00fcngeren alt aussehen. Und 2raumwohnung, das Projekt von Inga Humpe und ihrem Lebensgef\u00e4hrten Tommi Eckart, ist an Leichtigkeit und Esprit kaum zu \u00fcberbieten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit &#8222;Wir trafen uns in einem Garten&#8220; fing alles an. Was als Werbemusik der Ost-Zigarettenmarke &#8222;Cabinet&#8220; begann, wurde bald von Berliner Radiostationen popul\u00e4r gemacht und schlie\u00dflich als Single ver\u00f6ffentlicht. Ein nonchalant hingeschrammelter, swingender Ohrwurm. Die zweite Single, &#8222;Nimm mich mit&#8220;, wurde gemeinsam mit J\u00f6rn-Uwe Fahrenkrog-Petersen komponiert, seinerzeit Keyoarder bei &#8222;Nena&#8220;. Und tats\u00e4chlich: &#8222;Nimm mich mit&#8220; ist das missing link zwischen Neuer Deutscher Welle und Schlager. \u00dcppig arrangiert, Elektronik und Akustik-Gitarre kombinierend, mit unwiderstehlichem Handclapping unterlegt. Der Song, den Stereolab gern geschrieben h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun das ganze Album: &#8222;Kommt zusammen&#8220;. Aus dem die beiden vorab ver\u00f6ffentlichten Singles wie Inseln herausragen. Vorbereitend waren sie nur in zwei Punkten: in ihrem Minimalismus und ihrer Romantik. Beides begegnet beim H\u00f6ren der \u00fcbrigen Liedern immer wieder, trotzdem macht der Longplay die Singles zu Au\u00dfenseitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Monotone Beats, simple Elektronik-Bausteine, zarte Akustik-Gitarre und fragile Pop-Melodien sind der kleinste gemeinsame Nenner von &#8222;Kommt zusammen&#8220;: unkompliziert, klar und melodi\u00f6s. Bei 2raumwohnung verschmelzen New Wave, LowFi und Songwritertum. Die eigentliche Dom\u00e4ne der Berliner hei\u00dft ohnehin &#8222;Der perfekte Popsong&#8220;. Und davon finden sich auf &#8222;Kommt zusammen&#8220; gleich mehrere.<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalisch erfinden 2raumwohnung das Rad zwar nicht neu, bedienen sich aber geschickt und stilsicher bekannter Sounds. Club-Music, Lounge-Pop, Space-Kl\u00e4nge und Singer-Songwriter-Intimit\u00e4t &#8211; alles findet sich, originell kombiniert, etwa zum schr\u00e4gen Anarchismus des Titelsongs: Maultrommel zu wummerndem Bass und trockenen Beats. Oder in der sanften Melancholie der futuristischen Liebes-Ballade &#8222;2 von Millionen von Sternen&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Selten gingen Coolness und Charme eine solch enge Verbindung ein, wie bei 2raumwohnung. &#8222;Kommt zusammen&#8220; k\u00f6nnte eine Frischzellenkur f\u00fcr deutschen Pop sein, wenn andere sich anstecken lie\u00dfen. Vom Understatement der Songs darf man sich nicht t\u00e4uschen lassen, sie machen das Album nur noch hinrei\u00dfender\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste, was man wahrnimmt, ist die Stimme. Auf der Schwelle zwischen Unschuld und Laszivit\u00e4t. Lakonisch und aufreizend phlegmatisch. Jungm\u00e4dchenhaft naiv seit rund zwanzig Jahren, mit einem Hauch von Mickey Maus. Die Stimme von Inga Humpe ist eine Chiffre des Deutsch-Pop. Jedem, der in den Achtzigern jung war, ist sie ein St\u00fcck Heimat. 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