{"id":11855,"date":"1996-05-09T11:11:00","date_gmt":"1996-05-09T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11855"},"modified":"2022-08-22T01:35:27","modified_gmt":"2022-08-21T23:35:27","slug":"ruf-doch-mal-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/05\/ruf-doch-mal-an\/","title":{"rendered":"Ruf doch mal an!"},"content":{"rendered":"\n<p> &#8222;Vorbei&#8220;, dachte Andrej, als das Schiff internationales Gew\u00e4sser erreichte, &#8222;aus und vorbei. Und dabei, vielleicht w\u00e4re alles ganz anders gekommen, damals im Sommer &#8217;95, wenn ich nur&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"264\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dampfer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12637\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dampfer.jpg 380w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/dampfer-145x101.jpg 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ja, wenn! Schlagsahne hatte gefehlt und Kiwis. Wie h\u00e4tte er die Schei\u00dftorte fertig kriegen sollen? Die Torte sollte die Gastgeberin milde stimmen. Immerhin n\u00e4herte sich die Party dem dritten Tag. Die Wohnung war voller leerer und halbleerer Bierflaschen. Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der G\u00e4ste schlief jetzt, schlief sich frisch f\u00fcr die neue Nacht. Wanda und Sven standen engumschlungen auf dem Balkon und schauten rechts am Haus entlang hin\u00fcber zur Bucht. Die T\u00fcrme Danzigs gl\u00e4nzten in der Abendsonne.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Ich geh runter und kauf was, soll ich einem was mitbringen?&#8220;, rief Andrej ins Wohnzimmer. &#8222;Warte, wir wollen sowieso raus, Sven mu\u00df zu Hause anrufen, also Kiwis und Sahne, ja?&#8220; Und schon war das junge Gl\u00fcck im Fahrstuhl.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fernsehen kamen Nachrichten. Irgendein deutscher Au\u00dfenminister legte einen Kranz nieder. &#8222;Zehn Minuten hin, zehn Minuten zur\u00fcck, sagen wir mal eine halbe Stunde&#8230; Dann nochmal zwanzig Minuten und die Torte ist fertig. Um elf kommt Magda vom Flughafen, fr\u00fchestens! Bis dahin ist die Wohnung halbwegs in Schu\u00df. Zum Baden reichts auch.&#8220; Andrej lie\u00df Wasser in die Wanne ein, legte eine alte Boy-George-Schnulze auf und machte sich mit dem Wischmop \u00fcber den K\u00fcchenboden her.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam einer und sagte, dem Schweizer ginge es schlecht. Er hatte aufs Sofa gekotzt und war ohne Besinnung. Irgendetwas stimmte nicht und man einigte sich darauf, den Notarzt zu rufen. Wanda und Sven waren nach immerhin vierzig Minuten noch nicht zur\u00fcck. Also beschlo\u00df Andrej,schnell r\u00fcber zum Non-Stop- Shop zu laufen. Von da aus konnte man anrufen, und den beiden Turtelt\u00e4ubchen w\u00fcrde er unterwegs Beine machen mit der Sahne&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Shop war zu und von Wanda und Sven keine Spur. Der n\u00e4chste offene Laden war ein paar Stra\u00dfen weiter. Wenn Andrej Magdas K\u00e4fer nahm, konnte er in zw\u00f6lf Minuten zur\u00fcck sein, inklusive Kiwis und Anrufen. Die Autoschl\u00fcssel klimperten in der Tasche. Auf der Schnellstra\u00dfe war einiges los. Der Verkehr flo\u00df jetzt in die andere Richtung. &#8222;Ebbe&#8220;, dachte Andrej und freute sich \u00fcber seinen sch\u00f6nen Einfall. Dann erinnerte er sich daran, da\u00df er das Badewasser nicht abgedreht hatte. Im gleichen Augenblick rumpelte<br \/>er gegen den wei\u00dfen Kleinbus, der vor ihm angehalten hatte. Der Fahrer machte Probleme, obwohl der Wagen nichts hatte, wollte Geld und drohte, mit dem Autofunk die Polizei zu rufen. &#8222;Magda bringt mich<br \/>um&#8220;, dachte Andrej noch, als neben ihm der Schnellbus zum Hafen hielt. Sein Unfallkontrahent war mit dem Funk besch\u00e4ftigt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Jahre sp\u00e4ter, als Polen mit feierlichem Brimborium den Beginn des neuen Jahrtausends und den Eintritt in die EG feierte, ankerte Andrejs Frachter im Gdingener Hafen. Die Mannschaft hatte frei und so ging es mit dem Taxi erst einmal zum Danziger Hauptbahnhof, dann zu Fu\u00df in die mit trinkenden und feiernden Menschen verstopften Stra\u00dfen der Altstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Bierzelt am Gr\u00fcnen Tor traf Andrej dann Wandas Schweden von damals. Man bego\u00df das Wiedersehen und Sven erz\u00e4hlte, wie der Schweizer schlie\u00dflich doch wieder zu sich gekommen w\u00e4re. Er h\u00e4tte gebadet und dann weitergetrunken. Die Torte hatten sie \u00fcbrigens mit Pfirsischen gemacht, der Shop war zu gewesen, aber egal&#8230; Auf jeden Fall, als der K\u00e4fer wieder aufgetaucht war, mit der Beule vorne, war schon klar, da\u00df Andrej irgendeinen Mist gebaut hatte und erstmal untergetaucht war. &#8222;Aber, Andrej, du h\u00e4ttest dich melden sollen. Magda hat sich solche Sorgen gemacht, sie h\u00e4tte dir alles verziehen&#8220;, f\u00fcgte Sven mit vorwurfsvoller Stimme hinzu. Vor zwei Jahren hatte Wanda dann das Fliegen an den Nagel geh\u00e4ngt und einen S\u00fcdafrikaner geheiratet. Sie lebte jetzt in Kapstadt. Vor einem Monat noch war eine<br \/>Karte von ihr gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter war Andrej unterwegs nach Venezuela. &#8222;Vielleicht h\u00e4tte ich sie doch anrufen sollen&#8220;, dachte er, w\u00e4hrend er an der Microwelle vorbei aus dem K\u00fcchenfenster starrte. In grauer D\u00e4mmerung verschwammen Land und Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ferngespr\u00e4ch kostet weniger als sie denken!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"102\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/ruf-doch-mal-an.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12638\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/ruf-doch-mal-an.png 150w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/ruf-doch-mal-an-145x99.png 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Leider konnten wir keine der gro\u00dfen Telefongesellschaften daf\u00fcr gewinnen, uns unsere Idee einer literarischen Werbeanzeige abzukaufen. Sollten Sie jedoch an einer literarischen Werbeanzeige (m\u00f6glich w\u00e4ren auch Auto, Klamotten oder Parf\u00fcm) interessiert sein, dann E-mailen Sie uns das doch einfach. Wir antworten bestimmt!<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Vorbei&#8220;, dachte Andrej, als das Schiff internationales Gew\u00e4sser erreichte, &#8222;aus und vorbei. Und dabei, vielleicht w\u00e4re alles ganz anders gekommen, damals im Sommer &#8217;95, wenn ich nur&#8230;&#8220; Ja, wenn! Schlagsahne hatte gefehlt und Kiwis. Wie h\u00e4tte er die Schei\u00dftorte fertig kriegen sollen? Die Torte sollte die Gastgeberin milde stimmen. 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