{"id":11948,"date":"2005-04-08T11:11:00","date_gmt":"2005-04-08T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11948"},"modified":"2022-05-09T23:48:20","modified_gmt":"2022-05-09T21:48:20","slug":"crime-school-lektion-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/04\/crime-school-lektion-10\/","title":{"rendered":"Crime School: Lektion 10"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Das \u201eweltweite Netz\u201c verdankt seinen Namen der M\u00f6glichkeit, auf Servern abgelegte Dokumente miteinander zu verkn\u00fcpfen. Diese vermittels der Seitenbeschreibungs-(nicht Programmier-)Sprache HTML leicht zu erlernende Technik ist Grundlage fast aller Krimi-Online-Projekte. Betrachten wir uns dazu ein exemplarisches Beispiel in Bild und Kommentar (die gelben Pfeile wurden von mir nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgt).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ende des vorigen Jahrhunderts begann der saarl\u00e4ndische Autor und Webdesigner Bernd Nixdorf (nicht identisch mit unserem flei\u00dfigen Sch\u00fcler Bernd!) mit der Publikation seines Krimis \u2192\u201eWho killed Johnny Blueswing?\u201c als, Zitat, \u201einteraktives Projekt\u201c. Inzwischen, wir befinden uns aktuell im 3. Jahrtausend, sind immerhin schon drei Kapitel davon im Netz (\u00fcber das Problem der \u201eRomanruinen\u201c \u2013 sch\u00f6nes Wort, \u00fcbrigens! \u2013 werden wir auch noch bei Gelegenheit reden m\u00fcssen).<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Grafiken und zaghaften Animationen kommt vor allem ER zum Einsatz: der Link. Zumeist \u00f6ffnet er, im \u201eFlie\u00dftext\u201c verborgen, wie in der ersten Abbildung, ein neues Fenster und gibt zus\u00e4tzliche Informationen zu einem Stichwort:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/hypertext_1.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Was als \u201eBonusinfo\u201c offeriert wird, k\u00f6nnte ohne weiteres in den eigentlichen Text integriert werden. Der Leser wird gen\u00f6tigt, ein separates Fenster zu \u00f6ffnen, die Information zu lesen, das Fenster zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas anders ist es beim n\u00e4chsten Link, den wir betrachten wollen: Auch er \u00f6ffnet ein neues Fenster, steht zwar nicht im Flie\u00dftext, bezieht sich aber auf eine Erw\u00e4hnung dort selbst. Er f\u00fchrt aus der eigentlichen Handlung hinaus auf eine, nun ja, Metaebene. Hier f\u00fchrt uns der Autor in seine \u201ePulptheorie\u201c ein.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/hypertext_2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dass der Leser nat\u00fcrlich auch hier gen\u00f6tigt wird, den Text zu verlassen, erw\u00e4hne ich jetzt zum letzten Mal. Es ist bei dieser Form von \u201eHypertext\u201c stets der Fall. Eine solche \u201ePulpgesetzsammlung\u201c auszulagern scheint mir zwar legitim, aber nicht zwingend. Sie lie\u00dfe sich, peu \u00e0 peu, ebenfalls in den eigentlichen Text integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Linkart f\u00fchrt uns nun vollends ins world wide web. Eine Gem\u00e4ldesammlung wird im Text erw\u00e4hnt. Man klickt den dazugeh\u00f6rigen Link, erh\u00e4lt eine Meldung (siehe unten), klickt sie weg und landet tats\u00e4chlich bei der Tate Galerie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/hypertext_3.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sollte man die M\u00f6glichkeiten des Netzes nutzen. Eine wirkliche Neuerung bedeutet dies indes nicht. Es erinnert mich vielmehr an den guten, alten Anmerkungsapparat, wo eine simple Bemerkung \u00e0 la \u201eWeil es regnete, betrat Herr X. die Tate Galerie und blieb so lange, bis es aufgeh\u00f6rt hatte zu regnen\u201c in einer Fu\u00dfnote uns die Tate Galerie n\u00e4herbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wahres Fensterfestival startet, wenn wir nun auf ein harmloses Buch-Icon klicken. Es \u00f6ffnet sich ein Fenster, das uns den Monitor des Computers des Mordopfers pr\u00e4sentiert, auf dem wir eine Liste mit Namen erkennen, von denen einige ausgew\u00e4hlte anklickbar sind und ihrerseits Fenster nach drau\u00dfen \u00f6ffnen, sei es nun zur Bild-Zeitung, zum William-Blake-Multimedia-Project und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/hypertext_5.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn das die Welten sein sollen, die mir die Lekt\u00fcre eines Krimis er\u00f6ffnet, dann danke. Erinnert mich stark an Computeranf\u00e4nger, die zum ersten Mal die F\u00fclle der Schriftarten von WORD kennenlernen und davon ausgiebig Gebrauch machen, bis der Seitenspiegel zu einer besonders schlimmen Form von Augenkrebs f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt das: Wieder dr\u00fccken wir einen Link, doch diesmal \u00f6ffnet sich kein neues Fenster. Stattdessen wird am unteren Rand der Seite ein Hinweis sichtbar, der u.a. davor warnt, einen bestimmten Knopf zu dr\u00fccken (die entsprechende HTML-Technik hei\u00dft \u201eFrames\u201c und vor ihr sei ausdr\u00fccklich gewarnt). Nat\u00fcrlich dr\u00fcckt man den Knopf und gelangt auf eine neue Seite (kein neues Fenster!), das uns dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, nat\u00fcrlich sei das nur ein Filmzitat gewesen, mithin ein kleiner Scherz.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/hypertext_4.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich habe nichts gegen Scherze. Kann sein, dass der Autor seinem Text nicht mehr getraut hat und deshalb eine kleine interaktive Stimmungsaufhellung f\u00fcr notwendig hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Betonen wir, dass es hier nicht um eine Kritik des Romans von Bernd Nixdorf geht. Er steht wirklich nur pars pro toto, und es gibt weit schlimmere \u201eKrimi-Projekte\u201c im Netz. Fragen wir uns lieber: Was bietet uns dieses Projekt, was uns ein herk\u00f6mmlich auf Papier angelieferter Text nicht b\u00f6te? Grafiken. Ein paar animierte Bildchen. Zusatzinformationen, die man im Text unterbringen k\u00f6nnte. \u201eTextfremdes\u201c Streunen in anderen Sujets. Einiges davon ist verzichtbar, einiges nur eine andere, mediengem\u00e4\u00dfere Darstellungsform. Ergo: Nichts Neues, nichts, was die Semantik des Textes tangieren k\u00f6nnte, nichts, was auch nur im Entferntesten danach riecht, hier werde \u201eeine Grenze \u00fcberschritten\u201c, \u201eein Genre aufgebrochen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Charakteristisch ist der Versuch, einen \u201einformativen Mehrwert\u201c anzubieten. Man nutzt die M\u00f6glichen des Mediums \u2013 aber nicht die M\u00f6glichkeiten des Textes.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Entlastung von Bernd Nixdorf und allen anderen Linkern sei allerdings gesagt, dass wir uns noch immer in einer Experimentierphase befinden. Noch ist alles erlaubt, noch lernen wir aus jedem Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00fclerkommentare wie immer hier. Sch\u00f6n w\u00e4re es auch, wenn ihr mir Links zu Online-Krimis jeglicher Spielart zukommen lassen k\u00f6nntet. Einfach so, mit oder ohne Kommentar, wie ihr wollt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eweltweite Netz\u201c verdankt seinen Namen der M\u00f6glichkeit, auf Servern abgelegte Dokumente miteinander zu verkn\u00fcpfen. Diese vermittels der Seitenbeschreibungs-(nicht Programmier-)Sprache HTML leicht zu erlernende Technik ist Grundlage fast aller Krimi-Online-Projekte. 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