{"id":11956,"date":"2005-04-13T11:11:00","date_gmt":"2005-04-13T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11956"},"modified":"2022-09-10T03:33:51","modified_gmt":"2022-09-10T01:33:51","slug":"crimeschool-repetitorium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/04\/crimeschool-repetitorium\/","title":{"rendered":"CrimeSchool: Repetitorium"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Nein, diese Rasselbande g\u00f6nnt einem alten Mann keinen freien Tag mehr! Zuerst macht mir Sch\u00fcler Bernd Lust auf James Ellroy, den ich jetzt auch noch lesen muss, dann erw\u00e4hnt Sch\u00fcler Matthias so ganz nebenbei Chuck Palahniuks Roman \u201eFLUG 2039\u201c (kennt jemand das Buch? Ist das ein Krimi \/ Thriller? Lesenswert?), der eine interessante Zeitstruktur aufweise \u2013 und Sch\u00fcler Ludger macht einem sowieso st\u00e4ndig Appetit auf \u2192 <a href=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=109\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201erealit\u00e4tst\u00fcchtige\u201c B\u00fccher<\/a> , die nun gar den Wahlkampf in NRW beeinflussen k\u00f6nnen. F\u00fcr mich armen Pauker hei\u00dft das: \u00dcberstunden machen (die zahlt mir kein Kultusministerium) und einige Dinge repetieren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein von mir in der <a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/04\/crime-school-lektion-11\/\" data-type=\"post\" data-id=\"11954\">11. Lektion<\/a> eingef\u00fchrter Begriff muss zun\u00e4chst etwas pr\u00e4ziser formuliert werden. Wenn ich &#8222;Lesezeit&#8220; schreibe, meine ich selbstverst\u00e4ndlich nicht die Zeit, die jemand braucht, um ein Buch zu lesen. Genauer m\u00fcsste es wohl &#8222;Lese-Zeit-Richtung&#8220; hei\u00dfen. Sie beschreibt die an das Medium Buch gekettete Art, WIE ich lese: von der ersten bis zur letzten Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben uns daf\u00fcr interessiert, weil genau diese Lese-Zeit-Richtung in Hyperlinkkonstrukten au\u00dfer Kraft gesetzt wird, und meine These war nun die, dass so etwas bei Nicht-Krimis funktionieren kann, nicht aber bei Krimis.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat zun\u00e4chst nichts mit der Erz\u00e4hlzeit zu tun, also der Art, wie ein Autor innerhalb seines Textes mit der Zeit spielt. Und nat\u00fcrlich ist es auch richtig, wie Sch\u00fcler Bernd bemerkt, dass es Krimis gibt, deren Chronologie &#8222;haschiert&#8220; ist, ebenso wie viele Nicht-Krimis ohne Verlust nur von der ersten bis zur letzten Seite genossen werden sollten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e? : Krimis kann man parallel zur Zeit erz\u00e4hlen, es gibt sie chronologisch oder zeitbezogen haschiert und man kann das Ende an den Anfang stellen. Die einzige Chronologie die relevant ist, ist die des Erz\u00e4hlers. Ein Krimi &#8211; wie viele andere B\u00fccher aller Gattungen auch !!! &#8211; erh\u00e4lt seine(n) Spanunngsbo(e)gen, durch die vom Erz\u00e4hler gew\u00e4hlte Reihenfolge der Pr\u00e4sentation.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Doch es gibt Ausnahmen: Williiam S. Burroughs w\u00e4re eine, der mit seiner Cut Up &#8211; Technik Zeit- und Storyabl\u00e4ufe buchst\u00e4blich auseinander geschnitten hat (und, nota bene, h\u00e4ufig Elemente des Kriminalromans verarbeitet). Joyce w\u00e4re unbedingt zu nennen, auch Jean Paul. Ein merkw\u00fcrdiger Fall ist Thomas Manns &#8222;Zauberberg&#8220;. Die ersten Seiten muss man wirklich auch als erstes lesen (der Protagonist Hans Castorp trifft im Sanatorium ein und verliert ganz schnell jegliches Gef\u00fchl f\u00fcr die Zeit), doch dann ist Kreuz- und Querlesen m\u00f6glich. Ja, und am Ende dieser Lesezeit steht der Schluss, wenn Castorp brutal in die &#8222;Echtzeit&#8220; zur\u00fcckgerissen wir und in den Wirren des Ersten Weltkrieges verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuz und quer lesen ist also m\u00f6glich &#8211; aber nicht im Krimi, wenn er Krimi bleiben will. Und das ist merkw\u00fcrdig. Und das muss untersucht werden. H\u00e4ngt es mit der erz\u00e4hlten Zeit und ihrer Chrono-Logik zusammen? Mit Spannungsb\u00f6gen? Suspense? Und &#8211; k\u00f6nnte man diese Genreeigenart \u00fcberwinden, vielleicht \u00fcberlisten? Spannend. Das ist fast selbst ein richtiger Krimi, und eventuell spiele ich den Superdetektiv oder den B\u00f6sewicht oder, steht zu bef\u00fcrchten, &#8222;die lustige Figur&#8220;, sprich den Depp.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist euch \u00fcbrigens schon einmal aufgefallen, dass die Art und Weise, wie wir unseren Schulunterricht gestalten &#8211; als work in progress gewisserma\u00dfen, mit Versuchsreihen, an deren Ende Thesen best\u00e4tigt oder entkr\u00e4ftet werden, SO im Medium Buch gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re? Nur im Internet, wo Autor und Leser in &#8222;Echtzeit&#8220; dialogisieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Zeit im Krimi und Nichtzeit im Krimi. In der n\u00e4chsten Lektion beginnen wir mit der praktischen Analyse, wobei wir durchaus die in den Vorg\u00e4ngerlektionen untersuchten Texte (S \/ W, Nabokov, ja, auch den guten alten \u201eStopfkuchen\u201c, an dem sich Sch\u00fcler Ludger momentan abplagt) noch einmal unter dem besonderen Aspekt der sich formenden Zeit heranziehen wollen. Montag. Keinen Tag fr\u00fcher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, diese Rasselbande g\u00f6nnt einem alten Mann keinen freien Tag mehr! Zuerst macht mir Sch\u00fcler Bernd Lust auf James Ellroy, den ich jetzt auch noch lesen muss, dann erw\u00e4hnt Sch\u00fcler Matthias so ganz nebenbei Chuck Palahniuks Roman \u201eFLUG 2039\u201c (kennt jemand das Buch? Ist das ein Krimi \/ Thriller? Lesenswert?), der eine interessante Zeitstruktur aufweise [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[2330,2350],"class_list":["post-11956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-crime-school","tag-williiam-s-burroughs"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11956"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11956\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}