{"id":11960,"date":"2005-04-15T11:11:00","date_gmt":"2005-04-15T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11960"},"modified":"2022-05-10T00:21:17","modified_gmt":"2022-05-09T22:21:17","slug":"arnaldur-indridason-menschensoehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/04\/arnaldur-indridason-menschensoehne\/","title":{"rendered":"Arnaldur Indridason: Menschens\u00f6hne"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3785715560.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Alle bislang in deutscher Sprache vorliegenden Krimis des Isl\u00e4nders Arnaldur Indridson orientieren sich an einem identischen Zeit-Handlungsschema. Ein Verbrechen geschieht (oder wird entdeckt), dessen Ursachen in der Vergangenheit liegen. So etwas wird auf Dauer fad, und ich gestehe freim\u00fctig, dass ich sp\u00e4testens beim dritten Roman eines solchen &#8222;Maschenautors&#8220; aufh\u00f6re, mich f\u00fcr seine zuk\u00fcnftigen Produkte zu interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Indridson ist das anders. &#8222;Menschens\u00f6hne&#8220;, eigentlich der Deb\u00fctkrimi des Autors, aber nur Nummer Vier der deutschen Ver\u00f6ffentlichungschronologie, fesselt, obwohl man die Dramaturgie rasch durchschaut und die Handlung einer erkennbaren &#8222;Musterl\u00f6sung&#8220; zusteuert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Fast zur gleichen Zeit kommt es in Reykjavik zu zwei Todesf\u00e4llen: Der schizophrene Daniel st\u00fcrzt sich aus dem Fenster einer psychiatrischen Klinik, und der alte Lehrer Halldur wird mitsamt seiner Wohnung grausam verbrannt. Die Beziehung zwischen den beiden wird schnell ersichtlich. Daniel war Halldurs Sch\u00fcler und, obwohl erst Anfang Vierzig, der vorletzte \u00dcberlebende seiner Klasse. Halldur wiederum, Eigenbr\u00f6tler und Junggeselle, hatte p\u00e4derastische Neigungen, was ihn erpressbar machte und zum willf\u00e4hrigen Erf\u00fcllungsgehilfen bei einem zynischen pharmakologischen Experiment.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Fall \u00fcbernimmt der deutschen Lesern schon wohl bekannte Erlundur, ein \u00e4lterer, privater Probleme wegen bisweilen depressiver Ermittler der Reykjaviker Polizei. Doch jetzt gelingt es Indridson durch einen einfachen Kunstgriff die drohende Eindimsionalit\u00e4t seines Krimis abzuwenden und auf eine komplexere Ebene zu heben. Denn nicht nur Erlendur ermittelt, auch Daniels Bruder Palmi sucht nach den Hintergr\u00fcnden der aktuellen Todesf\u00e4lle und des mysteri\u00f6sen Sch\u00fclersterbens der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine, Palmis Ermittlungen sind das Element, in dem sich Indridson sichtlich am wohlsten f\u00fchlt: die Schilderungen von Menschenschicksalen, kurze Biografien wie Snapshots, aber beeindruckender als langseitige gequ\u00e4lte Psychogramme. Und das Ende seines Romans, das eigentlich ein Horrorszenario darstellt, wird in gewisser Weise tr\u00f6stlich, ja, fast macht es das, was geschehen ist, ungeschehen und markiert einen neuen Anfang. F\u00fcr Sch\u00fcler der Crime School ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr \u201eArbeiten mit der Zeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMenschens\u00f6hne\u201c markiert den w\u00fcrdigen Start der Indidrason\u2019schen Romanproduktion. Stilistisch nach wie vor nicht immer ohne Makel (liegt\u2019s vielleicht an der \u00dcbersetzung?) und, was das Zeichnen der Spannungsb\u00f6gen betrifft, ein ganz klein wenig hinter den Folgekrimis zur\u00fcck, werden solche kleinen Schw\u00e4chen locker kompensiert.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Arnaldur Indridason: Menschens\u00f6hne. L\u00fcbbe 2005. 345 Seiten, 18 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle bislang in deutscher Sprache vorliegenden Krimis des Isl\u00e4nders Arnaldur Indridson orientieren sich an einem identischen Zeit-Handlungsschema. Ein Verbrechen geschieht (oder wird entdeckt), dessen Ursachen in der Vergangenheit liegen. 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