{"id":11973,"date":"2005-04-27T11:11:00","date_gmt":"2005-04-27T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11973"},"modified":"2022-05-10T00:55:29","modified_gmt":"2022-05-09T22:55:29","slug":"bad-times","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/04\/bad-times\/","title":{"rendered":"Bad Times"},"content":{"rendered":"\n<p>K\u00fcrzlich in der \u2192\u201e<a href=\"http:\/\/www.moz.de\/showArticle.php?OPENNAV=aktuelles&amp;SUBNAV=kultur&amp;ID=55478\">M\u00e4rkischen Oderzeitung<\/a>\u201c: Man parliert \u00fcber den \u201edeutschen Krimi-Boom\u201c. Keine \u201eUn-Literatur\u201c mehr, auch deutsche Krimis haben jetzt eine Chance, und eine Buchh\u00e4ndlerin stellt fest, die Leser bevorzugten &#8222;Storys mit Happy End, wo am Schluss die Ordnung wieder hergestellt wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit so belanglos. Dann aber kommt Friedrich Ani zu Wort. Ich muss gestehen, dass ich noch nichts von ihm gelesen habe, aber das wird nachgeholt. Denn Ani scheint jemand zu sein, der zumindest denken kann, und dann sollte es auch mit dem Schreiben einigerma\u00dfen hinhauen. Ani also sieht das alles skeptischer:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Manche Krimiautoren h\u00e4tten keinerlei literarischen Anspruch und w\u00fcrden es gerade mal schaffen, &#8222;die Haupts\u00e4tze einigerma\u00dfen hinzukriegen&#8220;. Der deutsche Krimi m\u00fcsse &#8222;noch einen gro\u00dfen Schub bekommen, um relevant zu werden&#8220;. Er vermisst den &#8222;literarischen \u00dcbermut&#8220; der Autoren, die kein anderes Ziel h\u00e4tten, &#8222;als einen Mordfall relativ verzwickt aufzubrezeln&#8220;, sagt Ani.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><br \/>Dass er nun die Konsequenzen zieht und in n\u00e4chster Zukunft wohl keine Krimis mehr schreiben wird, auch aus dem \u201eSyndikat\u201c ausgetreten ist \u2013 das scheint mir einerseits zwar folgerichtig, andererseits ist es jedoch schade. Wieder eine n\u00fcchterne Stimme weniger.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn er hat Recht. Was uns da meistens stilistisch pr\u00e4sentiert wird, ist unter aller Kanone, und das betrifft nicht nur deutsche Autoren. Wenn ich an Herrn Mankell und andere alte Schweden denke, kommt mir das kalte Grausen. Daf\u00fcr kann man nicht nur notorisch unterbezahlte und leicht unmotivierte \u00dcbersetzer verantwortlich machen. Der Fisch stinkt aus allen Himmelsrichtungen. Den Lesern ist es wurscht, solange Happy End und Ordnung stimmen, ein Urteil, das durch Beobachtungen in einigen sogenannten \u201eKrimi-Foren\u201c best\u00e4tigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Verlage? Die Lektoren? M\u00fcssten die nicht kopfsch\u00fcttelnd den Rotstift z\u00fccken und mit der Ausmerzung wenigstens der gr\u00f6bsten stilistischen und dramaturgischen Schnitzer beginnen? Ach, vergesst es. Ich hatte ich letzter Zeit \u2013 es mag Zufall sein oder nicht \u2013 Gelegenheit, mich mit einigen Autoren zu unterhalten, die gerade auf der Suche nach einem Verlag sind. Keine \u201eDeb\u00fctanten\u201c, sondern ausgewiesene K\u00f6nner, DEUTSCHE Krimiautoren, die ja angeblich boomen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was da so an Begr\u00fcndungen f\u00fcr Absagen reinkommt, es ist nicht zu fassen. Ein Text sei \u201ezu unterhaltsam\u201c oder, \u201egro\u00dfe Klasse, aber leider nichts f\u00fcr unsere Kunden\u201c. Hammer: \u201eDer Roman ist wunderbar, nur der Autor ist zu alt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat man noch Worte? Was f\u00fcr Gestalten sitzen eigentlich momentan in deutschen Verlagen? Ich mag\u2019s mir lieber nicht vorstellen. Wie aber bei solchen Protagonisten so etwas wie ein Markt f\u00fcr anspruchsvolle, unterhaltsame und gut geschriebene Krimis entstehen soll, ist mir schleierhaft. Leser, die sich mit Mist begn\u00fcgen, solange nur die anspruchslosesten Formalit\u00e4ten stimmen, Lektoren, die hirnrissigste Ma\u00dfst\u00e4be anlegen, um Literatur zu beurteilen. Und eine Kritik, der das alles eh am Arsch vorbeigeht. Mein altes Vorurteil, dass der liebe Gott all jene, die zu nichts Vern\u00fcnftigem taugen, Germanistik studieren l\u00e4sst, best\u00e4tigt sich wieder einmal. Zum Gruseln ist das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich in der \u2192\u201eM\u00e4rkischen Oderzeitung\u201c: Man parliert \u00fcber den \u201edeutschen Krimi-Boom\u201c. 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