{"id":11988,"date":"2005-05-04T11:11:00","date_gmt":"2005-05-04T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=11988"},"modified":"2022-05-10T01:50:48","modified_gmt":"2022-05-09T23:50:48","slug":"crime-school-die-3-ebene-3-varianten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/05\/crime-school-die-3-ebene-3-varianten\/","title":{"rendered":"Crime School: Die 3. Ebene &#8211; 3 Varianten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Das R\u00e4tselraten um die 3. Ebene hat Deutschlands Gehirne im Griff. Schrecklichste Dinge passieren: Bayern M\u00fcnchen wird deutscher Fu\u00dfballmeister, Herr Wolffson findet in einer alten Schublade einen h\u00fcbschen Vergleich, 17 Autoren, gerade von der &#8222;Criminale&#8220; abgereist, sterben an Weihrauchvergiftung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zeit, das R\u00e4tsel aufzul\u00f6sen? Ja und nein. Rekapitulieren wir kurz, was bisher geschah: Ich hatte eine \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/04\/die-erste-seite.php\">&#8222;erste Seite&#8220;<\/a>&nbsp;pr\u00e4sentiert und wenige Tage sp\u00e4ter eine \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/04\/crime-school-ha-reingelegt.php\">Fortsetzung<\/a>, die die Handlung von Seite 1 zur Fiktion in der Fiktion erkl\u00e4rte. Meine Frage war nun: Wie m\u00fcsste eine dritte, sich den vorherigen logisch anschlie\u00dfende, mit ihnen arbeitende Ebene aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Resonanz der Crime-Sch\u00fcler war \u00fcberw\u00e4ltigend. Ein einziger, Bernd (von seinen Klassenkameraden inzwischen &#8222;Bernd, der Streber&#8220; genannt, hat \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/04\/crime-school-die-3-ebene-na.php\">einen interessanten Vorschlag<\/a>&nbsp;gemailt. Anlass, die Daumenschrauben noch weiter zuzudrehen.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4mlich so: Ihr findet hier DREI (in Zahlen: 3) Varianten, die alle m\u00f6glich und logisch w\u00e4ren. Aber nur eine einzige verarbeitet tats\u00e4chlich alle M\u00f6glichkeiten, die sich aus dem bisherigen Text er\u00f6ffnen. Welche? Das solltet ihr herausfinden. Und, so ihr wollt,&nbsp;<a href=\"mailto:dpr@hinternet.de?subject=3%20Varianten\">hier<\/a>&nbsp;mailen. Auf geht&#8217;s!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Variante 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDas Firmenschild, auf dem in schn\u00f6rkelloser, metallicgl\u00e4nzender Schrift &#8222;UNIVERSAL CASTING GmbH&#8220; stand, war eine einzige&#8230;\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ach was! Schei\u00dfe! Warum m\u00fchte er sich damit ab? F\u00fcr wen opferte er sein Leben, indem er es in W\u00f6rter verwandelte? F\u00fcr die da drau\u00dfen? Es w\u00e4re zum Lachen, aber es ist zum Weinen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Er klappte das Notebook zu: SO! Stand auf, trat ans Fenster, \u00f6ffnete es, lehnte sich weit genug hinaus, um sich selbst vorzugaukeln, Selbstmord geh\u00f6re zu seinem eskapistischen Repertoire.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Hielt den Kopf in die Nacht. Nichts war zu sehen, zu h\u00f6ren, zu riechen, zu schmecken, zu f\u00fchlen, und f\u00fcr einen Augenblick dachte er: He! Es hat mich aus dem Universum katapultiert!<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Zu fr\u00fch gefreut. Er freute sich immer zu fr\u00fch. Eine Seite makelloser Prosa war ihm gelungen, ein fein gewobener Teppich, der durch die Dimensionen flog. Was hatte er erwartet? Dass man ihm daf\u00fcr postwendend den Nobelpreis per Email \u00fcberreichen w\u00fcrde? Nein. Ein klein wenig Bewunderung? Das ja. Und was hatte er geerntet? Kleinkarierte Kritteleien der Geschmackspolizei.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Aber er hatte sich ger\u00e4cht! So getan, als sei der Text nicht die erste Seite eines Krimis, sondern ein Text im Text, und auch die l\u00e4cherlichen Einw\u00e4nde seiner Kritiker waren von ihm souver\u00e4n zur Fiktion verdammt worden.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Sein Leben war eine Aneinanderreihung von Fehlinterpretationen. Was da als stinkende Leiche auf der Erde gelegen hatte, war die Menschheit selbst, nicht sein Vater, dieser gute Kerl. Wieder versagt, dieses von Dummheit wie von K\u00f6pfl\u00e4usen befallene Menschengeschlecht.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>W\u00e4rme kroch in ihm hoch. Es war Hass oder Leidenschaft, genau wusste er es noch nicht. Er spielte mit einer M\u00fcnze in seiner Hosentasche, bis das Geldst\u00fcck warm und feucht von Schwei\u00df war. Eine einzige, j\u00e4mmerliche M\u00fcnze. Er entschied, es sei wieder an der Zeit, seinen Vater um Geld zu bitten. Was blieb ihm anderes \u00fcbrig? Alles was er anfasste, blieb erfolglos. Und sein Vater w\u00fcrde ihm das Geld geben, ohne zu fragen, ohne zu kritisieren. Hatte ja genug.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Seufzend schloss er das Fenster, wappte sich gegen die K\u00e4lte, die er da drau\u00dfen vermutete und verlie\u00df seine Wohnung. Das Haus seines Vaters lag am anderen Ende der Stadt. Er w\u00fcrde laufen m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Variante 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>NEIN! Es stromerte wie eine Maschinengewehrsalve durch sein Kopf: NEINNEINNEINNEINNEINNEINNEIN&#8230;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das ist kein Roman im Roman. Sein Blick auf dem tonlosen Quark auf dem Bildschirm, bis die Augen flimmerten. Kein Roman im Roman, kein Film im Film, kein P\u00fcppchen im P\u00fcppchen. Wirr-klichkeit. Sehr n\u00fcchtern: Wirklichkeit Strichpunkt und sein Alter lag erschlagen (erschlagen? erschlagen) in der Wohnung, am Anfang des Endes des Weges allen Fleisches.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>W\u00e4hrend er aufstand, um den Fernseher auszuschalten (die Brotkr\u00fcmel vom Hemd wischen), trauerte er um sein Talent, unangenehme Dinge in die Fiktion zu verfrachten. Er sah noch, wie sein Vater, zwei Zentner Materienwelt, zu einer nebul\u00f6sen Gestalt im Roman im Kopf des Kindes geworden war. Nat\u00fcrlich der B\u00f6sewicht, und am Ende w\u00fcrden sie ihn am Arsch kriegen. Oder mittendrin erledigen. Ein Zauberschwert, das den Sch\u00e4del des Alten spalten k\u00f6nnte wie ein Kokosnuss, nur w\u00e4re dort weniger drin als hier. Dummheit ist Antimaterie, Grausamkeit auch, im Weltall tanzt die Antimaterie und am\u00fcsiert sich \u00fcber die Dinglichkeit.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ging nicht mehr. Keine Chance. Der Alte (jetzt ganz sachlich wiederholen) liegt, von fremder Hand ermordet, in seiner Wohnung, und morgen wird die Putzfrau kommen und froh sein, dass sie sich einen neuen Job suchen darf.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Suchen. Dummer Hund! Die Putzfrau wird als erstes in den Schr\u00e4nken nach der Kohle suchen. H\u00e4tte er doch machen sollen! Sein Vater hortete Geld f\u00fcr schlechte Zeiten, das er aber in den schlechten Zeiten niemals ausgab, weil es ja noch schlechtere Zeiten geben konnte. Die Putzfrau w\u00fcrde es finden, wahrscheinlich wusste sie l\u00e4ngst, wo es lag.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Er musste hin. Nochmal hin. Ganz in der Wirklichkeit bleiben, sich keine Story ausdenken, in der ein anderer (warum hatte der eben so gehei\u00dfen wie er hie\u00df? Ralf D\u00f6rke? Kannte er so einen? Und was sollte das mit der Firma? Der Mensch, der ein Hirn hat, ist doch schon ein bizarres Tier!)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Entschlossen verlie\u00df er seine Wohnung.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Variante 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>An die K\u00fcmmerlichkeit seiner Existenz dachte Ralf D\u00f6rke nur, wenn er vergessen hatte, dass ihm als Beamter in dieser turbulent gewordenen Arbeitswelt nichts von all dem Unangenehmen geschehen konnte, das einem aus den Zeitungen d\u00fcster entgegen grinste. Und, gesetzt den Fall alles ginge in die Br\u00fcche, was die S\u00e4ulen dieses Staates ausmachte, man ihn also, obwohl Beamter, entlassen w\u00fcrde, dann \u2013 verschw\u00e4nde mit dem reichlichen Gehalt auch die K\u00fcmmerlichkeit der Existenz. Wie letztere dann allerdings f\u00fcrderhin zu umschreiben w\u00e4re, daran wagte Ralk D\u00f6rke nicht zu denken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In einem Caf\u00e9 am Rande der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone (Er hasst Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Warum? Weil er sein ganzes Leben lang zu Fu\u00df gegangen war. Als Streifenpolizist, dann, nach dem Nervenzusammenbruch, als Klingenputzer einer Firma, die es nur dem Namen nach gab.) trank D\u00f6rke einen ziemlich d\u00fcnnen, daf\u00fcr preiswerten Kaffee, a\u00df ein Butterh\u00f6rnchen, verliebte sich in die Bedienung, rauchte eine leichte Zigarette und entliebte sich sofort wieder, als er sah, dass es am linken Ringfinger der Bedienung standesamtlich g\u00fclden gl\u00e4nzte.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>So gest\u00e4rkt setzte er seinen Weg fort. Ein Name stand noch auf seiner Tagesliste, nicht mehr weit war das, gleich um die Ecke, \u201eBornstein Immobilien\u201c, der Eigent\u00fcmer h\u00f6chstselbst. Aha, schon war er da, schnell noch die Krawatte zurecht r\u00fccken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die T\u00fcr stand offen. D\u00f6rke klopfte zaghaft, keine Antwort. Vorsichtig die T\u00fcr aufsto\u00dfen, hoffentlich geht das ger\u00e4uschlos. Es ging ger\u00e4uschlos.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eHallo?\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Keine Antwort. Mutig setzte D\u00f6rke einen Schritt in den Raum. Was er sah, glaubte er nicht. Was er nicht glaubte, gefiel ihm nicht. Was ihm nicht gefiel, war ein Mann, dessen Kopf im eigenen Blut lag wie ein Thunfisch im eigenen Saft. Mahlzeit.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das R\u00e4tselraten um die 3. Ebene hat Deutschlands Gehirne im Griff. Schrecklichste Dinge passieren: Bayern M\u00fcnchen wird deutscher Fu\u00dfballmeister, Herr Wolffson findet in einer alten Schublade einen h\u00fcbschen Vergleich, 17 Autoren, gerade von der &#8222;Criminale&#8220; abgereist, sterben an Weihrauchvergiftung.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[2368,2373],"class_list":["post-11988","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-3-ebene","tag-crime-shool"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11988"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11988\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}