{"id":12015,"date":"2005-05-10T11:11:00","date_gmt":"2005-05-10T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12015"},"modified":"2022-05-10T10:21:14","modified_gmt":"2022-05-10T08:21:14","slug":"extremlesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/05\/extremlesen\/","title":{"rendered":"Extremlesen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Es sei einger\u00e4umt, dass Extremlesen im Vergleich zum \u2192<a href=\"http:\/\/www.hr-online.de\/website\/radio\/hr1\/index.jsp?rubrik=10166&amp;key=standard_document_4302104\">Extremb\u00fcgeln<\/a>\u00a0eine eher unspektakul\u00e4re Sportart ist. Es gibt auch noch keine Weltmeisterschaften, keine Rekorde, keine Regeln \u2013 bis auf eine. Man nehme wenigstens zwei B\u00fccher, wie sie in Thematik, Dramaturgie und Sprache unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnen und lese sie parallel. Hier zehn Seiten, dort zehn Seiten, und zwischendurch, vielleicht auf der t\u00e4glichen Zugfahrt, schm\u00f6kere man sich durch ein drittes Werk, Stella Blomkvists \u201eDer letzte Zeuge\u201c etwa (Rezension folgt).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei mir hat das mit Musik angefangen und wurde allgemein kopfsch\u00fcttelnd bel\u00e4chelt. Aber es machte mir wirklich nichts aus, dem getragenen Ton eines Eric Satie zu lauschen und dann, ohne musikhistorische Verschnaufpause, den New York Punk von \u201eTelevision\u201c in mich rein zu atmen oder, jetzt wird\u2019s noch extremer, alte Lautenmusik und moderne laute Musik track by track auf eine Cassette zu \u00fcberspielen, die dann bei l\u00e4ngeren Autofahrten jeden Mitfahrer zur Verzweiflung bringen konnte, der \u201enur Folkrock, du Arschloch!\u201c h\u00f6ren wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt also Extremlesen. Zur Zeit: James Ellroy und Wolf Haas im Doppelpack, der gute Bernd hat mir den Mund w\u00e4ssrig gemacht (von Wasser scheint er was zu verstehen), und bis jetzt h\u00e4lt die Lekt\u00fcre, was ich mir davon versprochen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber: Ist das wirklich so extrem, so diametral, so antipodisch? Wenn ich es mir recht \u00fcberlege: nein. Zwei Autoren, die ihren eigenen Stil entwickelt haben, ohne in Manieriertheit abzusacken, ohne diese beliebte Aufforderung in der Krimi-Disko mitzumachen, \u201eRedundance the same old fucking style, man!\u201c, diese Animation zum Schwenken des immergleichen tr\u00e4gen Textleibes, und am Ende applaudieren die Figuren, die an der Tanzfl\u00e4che rumstehen und \u00fcberreichen dir einen &#8222;Glau..&#8220;&#8230; glaubt man wenigstens, wenn man sich diesen Ringelpietz so betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriminalromane k\u00f6nnen also tats\u00e4chlich Literatur sein, auch wenn das mancher Autor nicht gerne h\u00f6rt, weil daraus ja, konsequenterweise, die Verpflichtung erw\u00e4chst, Krimis das zu geben, was sie brauchen und was ihnen zusteht: Sorgfalt. Arbeit. Feilen an der Sprache, Feilen am Plot. \u00dcberwinden von Genregrenzen, die einer gezogen hat, der zeitlebens in einem Kaninchenstall dahinvegetierte und deshalb die Welt in Rechtecke von der Gr\u00f6\u00dfe ebensolcher Kaninchenst\u00e4lle unterteilt. Krimis sind nicht das Ad\u00e4quat zum Plattenbau, meine Damen und Herren. Also wieder mal \u2013 oder zum ersten Mal \u2013 extremlesen. Das hilft. Vielleicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sei einger\u00e4umt, dass Extremlesen im Vergleich zum \u2192Extremb\u00fcgeln\u00a0eine eher unspektakul\u00e4re Sportart ist. Es gibt auch noch keine Weltmeisterschaften, keine Rekorde, keine Regeln \u2013 bis auf eine. Man nehme wenigstens zwei B\u00fccher, wie sie in Thematik, Dramaturgie und Sprache unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnen und lese sie parallel. 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