{"id":12077,"date":"2000-07-14T11:11:00","date_gmt":"2000-07-14T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12077"},"modified":"2022-06-06T01:36:50","modified_gmt":"2022-06-05T23:36:50","slug":"musikbuecher-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/07\/musikbuecher-vi\/","title":{"rendered":"Musikb\u00fccher VI"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">A href, Freunde! Mit diesem orientalischen Gru\u00df melde ich mich nach einer l\u00e4ngeren Zeit des Schweigens wieder einmal mit neuen Musikb\u00fcchern, die sich wie immer dadurch auszeichnen, dass sie schon steinalt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber halt! Eine Ausnahme. In b\u00e4lde erscheinen wird die erste deutschsprachige <strong>Joni-Mitchell<\/strong>-Biografie, ein Werk von au\u00dferordentlicher literarischer Klasse, philosophischem Tiefsinn und aberwitzigstem Witz. Der nicht genug zu lobende Starcluster-Verlag wird die gut 200, mit vielen unglaublichen Fotos gew\u00fcrzten Seiten as soon as possible herausbringen, l\u00e4cherliche 49 Mark 80 daf\u00fcr verlangen und expressement versenden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eigentlich sollte dieses epochale Oeuvre bereits im M\u00e4rz auf die Welt daniederkommen, indes: Der Drucker sah sich au\u00dferstande, ein solch ungew\u00f6hnliches Buch n\u00fcchtern zu drucken, geriet er doch bei jedem gelesenen Wort (und selbst Drucker lesen bisweilen) in eine solche Extase, dass ihm der Sinn nach allem M\u00f6glichen stand, blo\u00df nicht nach drucken. Aber es kommt!<\/p>\n\n\n\n<p>Und gerne w\u00fcrde ich euch an dieser Stelle mehr Lobpreisungen posaunen, doch, leider: Ich darf nicht. Habs n\u00e4mlich selber geschrieben, dieses Meisterwerk (es hei\u00dft \u00fcbrigens \u201e<em>Joni Mitchell und einige ihrer Zeitgenossen<\/em>\u201c und kann \u00fcber starclustermusic.com auch im WWW vorbestellt werden!). Als Autor mu\u00df ich nat\u00fcrlich bescheiden sein und also beende ich diese Ausf\u00fchrungen mit der von der Monty-Python-Seite geklauten Aufforderung: \u201ebuy or piss off!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kehren wir also zur Normalit\u00e4t des Musikbuchrezensenten zur\u00fcck. Bibliophilie geh\u00f6rt nicht unbedingt zu den Merkmalen dieses Genres. Meist erscheinen die Dinger als billige Broschuren (Ausnahme: die erste deutsche <strong>Joni-Mitchell<\/strong>-Biografie, die auf bestem Papier gedruckt und gebunden sein wird).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Ausnahme ist \u201e<em>Beneath The Diamond Sky. Haight-Ashbury 1965-1970<\/em>\u201c (Bloomsday Publishing 1997) von <strong>Barney Hoskyns<\/strong>, dessen Los Angeles-Sittengem\u00e4lde dieser wilden Jahre in einer <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/musik\/buch\/musikbuch4.php#hoskyns\">fr\u00fcheren Ausgabe<\/a> unserer Reviews schon geb\u00fchrend gelobt wurde. Jetzt also Haight-Ashbury, San Franzisco mithin, das Herz der Hippiekultur. Das Buch wie gesagt ist eine Augenweide, sehr bunt, sehr gut bebildert, und der Text h\u00e4lt dieses Niveau.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick geht es, wie schon in Hoskyns Los-Angeles-Buch, um die Geschichten der pr\u00e4genden Musiker; in SF also um Jefferson Airplane, Quicksilver Messenger Service, Santana, Moby Grape und andere. Doch w\u00e4hrend Hoskyns erz\u00e4hlt, entsteht etwas anderes: ein Soziogramm der Hippiekultur, der Siege und Niederlagen, der Triumphe, der Irrfahrten, des Niedergangs einer Bewegung, die eine neue Kultur des Zusammenlebens begr\u00fcnden wollte und am Ende an der alten scheiterte, von ihr aufgesogen wurde. Hoskyns l\u00e4\u00dft Zeitzeugen erz\u00e4hlen, stellt Zusammenh\u00e4nge her, schweift ab &#8211; das alles spricht f\u00fcr sich, und die Fotos illustrieren das auf ihre Weise perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleiner Minuspunkt: Durch die opulente Gestaltung h\u00e4lt sich die Textmenge in Grenzen. Zu manchem m\u00f6chte man mehr erfahren. Besonders jungen Lesern d\u00fcrfte so manches an Hintergrundwissen fehlen, ohne dass so einige Passagen des Buches schwer zu verstehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber daf\u00fcr gibt es wiederum andere B\u00fccher, die kurz, knapp und kompetent die Geschichte der Rockmusik ausbreiten. Zum Beispiel \u201e<em>A Time To Rock. A Social History of Rock\u00b4n\u00b4Roll<\/em>\u201c von <strong>David Szatmary<\/strong> (Schirmer Books 1996, ca. 50 Mark). Wie schon der Titel sagt, analysiert der Autor seinen Gegenstand vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit. Ihn interessiert also weniger, welche k\u00fcnstlerische Klasse etwa einen Elvis Presley auszeichnet, sondern viel mehr, welche g\u00fcnstige Umst\u00e4nde es brauchte, um ihn \u00fcberhaupt popul\u00e4r zu machen. Man kann dieses Buch als Einf\u00fchrung f\u00fcr des Englischen m\u00e4chtige Leser getrost empfehlen, wenn es auch &#8211; wie schon Hoskyns\u00b4 Buch &#8211; das Manko der begrenzten Textmenge hat. Aber besser, weil unaufgeregter\/ weniger ideologisch als deutsche Literatur zum Thema ist Szatmarys Arbeit allemal.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja. Deutschland. K\u00f6nnen nicht Fussball spielen, k\u00f6nnen keine Musikb\u00fccher schreiben (Ausnahme: die bald im Starcluster Verlag erscheinende <strong>Joni-Mitchell<\/strong>-Bio). Auch hierzulande ist vor kurzem ein Buch \u00fcber Hippies erschienen, im Imprint Verlag, hei\u00dft \u201e<em>Hippie-Lexikon<\/em>\u201c, und wer\u00b4s geschrieben hat, weiss ich nicht, weil schon fl\u00fcchtiges Durchbl\u00e4ttern in einer Buchhandlung wieder einmal s\u00e4mtliche Messer in meiner Seele gewetzt hat. Hat auch einen Eintrag zu <strong>Joni Mitchell<\/strong>, das Buch. H\u00e4? Joni? Hippie? Wir erfahren in etwa folgendes: Joni Mitchell hat einmal einen Song namens \u201eWoodstock\u201c geschrieben, womit die Zugeh\u00f6rigkeit zur Hippiekultur nat\u00fcrlich hinreichend bewiesen w\u00e4re, au\u00dferdem haben Crosby, Stills, Nash und Young sich immer drum gestritten, wer mit Joni ins Bett durfte (Stichwort: freie Liebe = Hippie. Alles klar?).<\/p>\n\n\n\n<p>Und was sagt uns das?<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>In den K\u00f6rpern von Hippielexikonautoren pocht bisweilen ein gar arg von Dummheit und Kleinkariertheit zerfressenes Herz.<\/li><li>Wieder einmal ein Buch, das man sich schenken kann.<\/li><li>Eine willkommene Gelegenheit f\u00fcr dich, liebeR LeserIn, die wunderbare <strong>Joni-Mitchell<\/strong>-Bio zu geniessen, die in b\u00e4lde und im StarCluster Verlag und in edler Ausstattung und f\u00fcr l\u00e4cherliche 49,80 erscheinen wird.<\/li><li>H\u00fcbsche Gelegenheit, ein prachtvolles St\u00fcck Lyrik zu verfassen. So ungef\u00e4hr:<\/li><\/ol>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table  class=\" table table-hover\" ><tbody><tr><td>Der B\u00fcchergott, ein dummer Typ,<br \/>hat auch Analphabeten lieb.<br \/>Er l\u00e4sst sie \u00fcber Hippies schreiben<br \/>und immer schw\u00e4chren Schwachsinn treiben.<br \/>Der Leser weiss es und er denkt:<br \/>Dies B\u00fcchlein geh\u00f6rt aufgeh\u00e4ngt!<br \/>Meint er am Ende die Autoren gar?<br \/>Ich sage: nein &#8211; und hoffe: ja.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne bis zum n\u00e4chstenmal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">* * *<\/p>\n\n\n\n<p>Nachwort der Redaktion: Dieter Paul Rudolph, der Autor dieser Buchkritiken, hat &#8211; nur wenige Wochen nach Niederschrift dieser Zeilen &#8211; im Starcluster-Verlag seine so dezent angek\u00fcndigte Joni-Mitchell-Biografie ver\u00f6ffentlicht. Titel: \u201e<em>Joni Mitchell und einige ihrer Zeitgenossen<\/em>\u201c, Preis: DM 49,80.<br \/>Wir bitten um freundliche Beachtung. (Wer will, kann das Werk <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3925005471\/hintenet\">hier<\/a> auch gleich bestellen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A href, Freunde! Mit diesem orientalischen Gru\u00df melde ich mich nach einer l\u00e4ngeren Zeit des Schweigens wieder einmal mit neuen Musikb\u00fcchern, die sich wie immer dadurch auszeichnen, dass sie schon steinalt sind. Aber halt! Eine Ausnahme. In b\u00e4lde erscheinen wird die erste deutschsprachige Joni-Mitchell-Biografie, ein Werk von au\u00dferordentlicher literarischer Klasse, philosophischem Tiefsinn und aberwitzigstem Witz. 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